Reise blog von Travellerspoint

Die größten Höhlen Südostasien im Gunung Mulu Nationalpark

overcast 27 °C
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Wie misst man die Größe einer Höhle? Diese Frage drängt sich sofort auf. Ist es das Volumen? Diese Aufgabe ist nur schwer zu knacken, obwohl die Forscher in der Tat versuchen, genäherte Volumina anzugeben. Die Länge oder die Höhe fallen da schon leichter. Und so gilt die Clearwater Cave immerhin als die längste Höhlenverbindung Südostasien. Und wäre sie das nicht, so bliebe sie noch immer eine traumhaft schöne Höhle.
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Der Park ist nicht ganz leicht zu erreichen. Von Miri aus, wo wir nach 14 Stunden im Bus ab Kuching ankommen, fährt man einen Tag lang mit Allradfahrzeugen, Fähren und Booten. In etwa das gleiche Geld kostet ein halbstündiger Flug. Von oben lässt sich leider sehr gut sehen, wie viele Stellen im Dschungel Rodungen zum Opfer fallen, um weitere Ölpalmen anzubauen. Nachdem es hier um sehr viel Geld geht, ist ein Ende nicht in Sicht.

Obwohl Malaysia im Gegensatz zu allen anderen südostasiatischen Staaten, die wir besucht haben, sehr organisiert und aufgeräumt wirkt, herrscht auch hier eine unglaubliche Korruption. Das wird schon im Kleinen, wie zum Beispiel einer Nationalparkverwaltung, deutlich. Die Leitung des Managements hat der Schwager des aktuellen Ministerpräsidenten von Sarawak übernommen. Gleichzeitig führt er das Royal Mulu Resort, eine Luxusunterkunft an den Parkgrenzen.

Im Park darf inzwischen keine einzige Höhle mehr ohne geführte Tour betreten werden, obwohl die größten und wichtigsten über hervorragend ausgebaute Plankenwege verfügen. Angeblich sei das eine Auflage der Unesco gewesen, um den Status als Weltkulturerbe zu erhalten, führt aber dazu, dass nicht nur der Parkeintritt gezahlt, sondern jede Kleinigkeit extra als Tour gebucht werden muss. Nun gibt es aber weniger Plätze auf Touren als Betten im Park. Das Royal Mulu Resort belegt zudem anscheinend größere Kontingente, um seinen Gästen auf jeden Fall die Teilnahme zu garantieren. Freie Plätze gehen dann nicht zurück an den Park, sondern bleiben offen.

Das Personal ist nicht geschult und häufig völlig überfordert. Wir hätten gerne eine sogenannte Adventure-Caving Tour gemacht, also eine Höhle besichtigt, die nicht über ein ausgebautes Wegesystem verfügt, sondern die mit Kletterausrüstung begangen wird. Alle Touren, die wir uns aussuchen, sind bereits voll. Zunächst wird uns gar keine Alternative genannt und auf Nachfrage eine „normale“ Höhlenbesichtigung. Erst im Gespräch mit anderen Gästen können wir in Erfahrung bringen, dass eine weitere Adventure-Tour zur Stonehorse Cave im Angebot ist, auf der es sogar noch freie Plätze gibt. Sie ist mit zwei Stunden zwar etwas kurz, aber mit Stirnlampe in die dunkle Höhle vorzudringen und sich an einigen Stellen abzuseilen, ist eine besondere Erfahrung, die Lust auf mehr macht.

Abgesehen jedoch von diesen „Unwegsamkeiten“ bietet der Park fantastische Höhlensystem und herrliche Landschaften mitten im Dschungel. Ein Highlight unseres Besuchs ist die dreitägige Tour zu den Pinnacles, die wir zum Glück bereits im Vorfeld telefonisch gebucht hatten.
Der erste Tag führt mit dem Boot zum Ausgangspunkt eines knapp neun Kilometer langen, flachen Wegs zum Camp 5.
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Von dort aus beginnt am nächsten Tag der Aufstieg von etwa 1200 Höhenmetern auf nur 2,4 Kilometern Strecke. Wie schon am Gunung Santubong ist der Weg steil und glitschig, diesmal allerdings sollte sich die Aussicht lohnen.
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Nachdem wir alle den Weg hinab heil überstanden haben, ist das Tollste anschließend der Sprung in den nahen Fluss. Eine weitere Besonderheit ist uns vergönnt. In der Nähe des Camps blüht ein Exemplar einer Amorphophallus, die nur äußerst selten zur Blüte kommt. Ein Wissenschaftler einer Gruppe Höhlenforscher, die gleichzeitig mit uns im Camp sind, meint angeblich nur alle dreißig Jahre. Diese Information ist allerdings nicht geprüft und erscheint uns extrem lang. Die mannshohe Blume gehört zur gleichen Gattung wie die Rafflesia und wie sie stinkt sie nach verrottendem Fleisch, um Fliegen anzuziehen.
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Am letzten Tag, als wir zurück zum Boot müssen, regnet es heftig, was dazu führt, dass die Gruppe, die einen Tag nach uns die Besteigung versuchen möchte, leider nicht hinauf kann und unser Rückweg durch den Wald von Blutegeln nur so wimmelt. Die ekligen kleinen Würmer sitzen auf Blättern und wechseln schnell auf ein vorbeistreichendes Bein oder warten, sich lauernd aufrichtend, auf dem Boden auf unschuldige Opfer. Dort angekommen, saugen sie sich auf die doppelte Größe voller Blut und lassen sich glücklich und zufrieden wieder abfallen.
Eigentlich harmlos, sie übertragen auch keine Krankheiten, aber doch recht unangenehm. In unserer Gruppe sind allerdings auch drei Chinesinnen, die offenbar nicht auf diese Bedrohung gefasst waren. Da sie deutlich langsamer laufen als wir, werden alle zu Opfern. Während wir jeder nur ein oder zwei Blutegel abbekommen, hält eine Chinesin den Rekord mit sieben der Würmer. Ihr T-Shirt ist an einer Stelle rot vom Blut verfärbt. Stunden später sehen wir sie noch immer wie paralysiert im Restaurant des Parks sitzen.

Die Nächte im Park verbringen wir nicht in den Unterkünften innerhalb, sondern in einem sogenannten Homestay direkt vor den Parktoren. Das hat den Vorteil, dass man nicht in Räumen mit 20 Betten schlafen muss – sofern man sich nicht für viel Geld ein kleines Hüttchen im Park leistet – sondern mit großer Wahrscheinlichkeit ein Einzelzimmer hat, da meist mehr Zimmer als Gäste vorhanden sind. Preislich ist es in etwa gleich. Man verzichtet außerhalb auf den Komfort warmer Duschen, die angesichts der Temperaturen aber nicht nötig sind, und 24 Stunden Strom.

Für die Übernachtung im Homestay spricht, dass dadurch die Bevölkerung unterstützt wird, die rund um den Park lebt. Außerdem kommt es so vielleicht zu netten Begegnungen wie unserer mit Elvis. Wir hatten gehört, dass es außerhalb des Parks drei Dosen Bier zum Preis von zehn Ringgit geben soll, wo genau wissen wir nicht. Folglich begeben wir uns direkt am ersten Abend auf die Suche und begegnen beim Flughafen einer Gruppe Einheimischer beim Feierabendbier, von denen uns einer sofort herwinkt. Elvis, wie wir später herausfinden werden. Er fragt als erstes, ob wir günstiges Bier suchen würden. Nachdem wir die Frage bejahen, erfahren wir, dass wir in die entgegengesetzte Richtung laufen müssen. Es ist eine Art Kiosk, der auch Essen anbietet. Und gehört, so gut wie alles in der Umgebung, irgendeinem Verwandten von Elvis.
Als wir dort ankommen, sitzt Elvis, der uns unterwegs auf seinem Motorroller überholt hatte, schon da. Mit einem Bier für sich und dreien für uns. Unerbittlich öffnet er eine Dose nach der anderen, holt neues Bier und will partout kein Geld annehmen. Irgendwann schaffen wir es dann doch, uns ins Bett zu flüchten. Immerhin wartet eine anstrengende Bergbesteigung auf uns.

Den Abend, als wir von den Pinnacles zurückkommen, verbringen wir im Parkrestaurant zusammen mit Lin und Pete, einem sehr netten englischen Paar, die mit uns auf der Tour waren. Wieder in unserer Unterkunft, die übrigens von irgendeinem Verwandten von Elvis geführt wird, sitzen dort Bea, eine Chilenin, die auch mit bei den Pinnacles war und Elvis, beide nicht mehr ganz nüchtern. Elvis hatte auf uns im Homestay gewartet. Er wusste ja, wann wir von dem Ausflug zurückkehren würden. Da wir nicht erschienen waren, hatte er sich Bea angenommen und mit ihr offenbar den Abend im gleichen Stil wie mit uns verbracht. Obwohl die erste Begegnung mit ihm lustig war, sind wir, zugegeben, nicht ganz böse, ihn verpasst zu haben. Angesichts leider eingeschränkter Englischkenntnisse wäre die Konversation nur eine Wiederholung des ersten Abends geworden. Und unsere Malaikenntnisse beschränken sich auf das Wissen, dass, wenn man nur schnell genug den englischen Satz „Tear off my car seat“ sagt, es fast wie „danke“ auf Malai klingt. Während unserer weiteren Tage im Park sehen wir Elvis nicht mehr, haben aber immerhin bei unserem Abflug noch die Chance, uns von ihm zu verabschieden. Er arbeitet im Souvenirladen im Flughafen.

Im Park versuchen wir jeden Abend vergeblich, den Ausflug der Fledermäuse aus der Deer Cave zu sehen. Allerdings kommen sie wegen des regnerischen Wetters leider immer nur tröpfchenweise in Gruppen zu mehreren Hundert hinaus und nicht, wie an guten Tagen, in hunderttausenden. Fachleute schätzen, dass in der Höhle rund zwei Millionen Fledermäuse leben.
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Die Höhle selbst ist riesig und extrem beeindruckend.
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Eine Gesteinsformation beim Eingang bildet ein Gesicht. Ob es Abraham Lincoln ist, wie allgemein behauptet wird, bleibt jedermanns eigener Fantasie überlassen.
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Besonders schön sind jedoch die eingangs bereits erwähnte Clearwater Cave...
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… und die Wind Cave.
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Große Tiere haben wir im Park gar keine gesehen. Aber dafür unzählige Hundertfüßer (nicht anfassen – giftig)...
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… Tausendfüßer (anfassen kein Problem)...
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… lustige Krabbeltiere, die bei Gefahr zum Ball werden....
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… und nachtaktive Laternenkäfer.
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Damit endet unsere Zeit im Mulu Nationalpark. Wir waren fünf volle Tage dort und hätten, freie Plätze in den Touren vorausgesetzt, noch wenigstens zwei weitere füllen können. Für Abenteuerlustige, die vierstündige Adventure-Caving Tour durch die Clearwater Connection muss großartig sein – sagen zumindest diejenigen, die einen Platz ergattern konnten. Unsere Empfehlung, unbedingt anrufen und im voraus bei der Parkverwaltung buchen.

Eingestellt von Daggi.Oli 11:19 Archiviert in Malaysia Tagged caves malaysia borneo mulu sarawak miri round_the_world gunung_mulu_nationalpark

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