Reise blog von Travellerspoint

Brunei – ein Land für einen Tag

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Wir sind in Bandar Seri Begawan. Zum Glück ist der Name jetzt zu Papier gebracht. Auch wenn wir länger geblieben wären als nur zwei Nächte, wir hätten ihn uns wohl nie merken können. Immerhin ist Brunei größer als erwartet. Es kann unterscheiden zwischen diversen kleineren Städten, Dschungel und der Hauptstadt. Da sind wir jetzt gerade. Die Innenstadt wird dominiert von einem Gebäude, der Masjid Omar Ali Saifuddien Moschee.
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Sie machen es uns nicht leicht mit den Namen hier. Da erscheint rückblickend Birma ja noch einfach. Der aktuelle Sultan des Landes beispielsweise heißt offiziell und vollständig Haji Hassanal Bolkiah Muizuddin Waddaulah ibni Al Marhum Sultan Haji Omar Ali Saifuddin Sa´adul Khairi Waddien.

Er galt lange Zeit als reichster Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 40 Milliarden US Dollar. Eine solche Schätzung ist vermutlich ähnlich schwierig wie die des Volumens einer Höhle. Nach diverser Eskapaden seines Bruders, wird die Schätzung einfacher. Als Finanzminister und Kopf einer Firma hatte es der Bruder geschafft, das Ersparte auf etwa 10 Milliarden einzuschmelzen.

Die Moschee stammt anscheinend noch aus besseren Tagen. Nur das Beste wurde beim Bau verwendet, Carrara-Marmor aus Italien, Granit aus Shanghai, Kronleuchter und Glas aus England, Teppiche aus Belgien und Saudi-Arabien.
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Für uns sehr positiv überraschend ist, dass wir als Ungläubige die Moschee von innen besichtigen dürfen. Es herrscht insgesamt eine sehr lockere und entspannte Stimmung. Viele Frauen tragen zwar Kopftücher, kleiden sich aber ansonsten westlich leger, teilweise sogar enganliegend und sexy. Was jedoch nicht heißt, dass Haut gezeigt wird. Das geht auf keinen Fall.
In Kuala Lumpur durfte Daggi das Moscheegelände nur mit langem Überwurf inklusive Kopfbedeckung betreten, die Moschee blieb uns komplett verschlossen. Hier hätte sie sogar ohne Kopftuch in den Hauptraum gedurft. Als Daggi aber, um Respekt vor der anderen Religion zu zeigen, doch eine Kopfbedeckung anlegt, freut sich der Aufpasser am Eingang derart, dass er sofort Fotos mit uns machen möchte und uns mehrfach beteuert, dass, wenn wir irgendetwas brauchen, wir jederzeit zu ihm kommen können. Und das, obwohl er so gut wie kein Englisch spricht.
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Diese offene Herzlichkeit und Lockerheit im Umgang mit dem eigenen Glauben ist eine freudige Überraschung in einem Land, welches sich so offensiv zum Islam bekennt. Es gibt beispielsweise keinen Alkohol zu kaufen. Touristen dürfen kleine Mengen für den eigenen Verzehr mitnehmen, müssen dies jedoch bei der Einreise angeben. Das führt zu solch Absonderlichkeiten, dass selbst in der Spitzengastronomie Saft und Wasser zur Foie Gras gereicht werden. Selbst im Empire Hotel, einem Hotel mit unendlich vielen Sternen, eingerichtet ähnlich wie die Moschee vom Sultan persönlich, wird ein Merkblatt im Restaurant ausgeteilt, in dem die nur 40 Autominuten entfernte Grenze empfohlen wird, um sich für den Abend bei gutem Essen entsprechend zu wappnen.

Das Hotel ist, nebenbei bemerkt, anscheinend nicht mehr das, was es einmal war. Zumindest scheint es uns, als wir uns die Lobby und die Gartenanlage ansehen, als sei ein wenig der Lack ab und das Gebäude in die Jahre gekommen. Vermutlich lässt es sich in der teuersten Suite mit eigenem Kino und Swimming Pool mit Wasserfall dennoch gut aushalten. Wobei natürlich zu befürchten ist, dass auf dem Frühstücksbuffet der geräucherte Schinken von der andalusischen Wildsau fehlen dürfte. Ein weiterer Grund, dort nicht abzusteigen.
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Interessant sind die Gegensätze, die im Land herrschen. Den meisten Einwohnern geht es auf recht hohem Niveau gut. Viele arbeiten im Staatsdienst, zahlen keine Einkommenssteuer und erhalten kostenlose gesundheitliche Versorgung sowie Altersruhegelder. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Prunkbauten finden sich Wasserdörfer, Siedlungen aus Häusern, die auf Stelzen über das Wasser gebaut sind.
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Dort wohnen knappe 30.000 Menschen, von insgesamt etwa 380.000 Einwohnern, die an ihrer ursprünglichen Lebensweise festhalten und meist als Fischer arbeiten oder Touristen auf ihren Booten durch die Dörfer fahren. Immerhin sind die Häuser an Strom und Wasserversorgung angeschlossen. Einzig die Müllentsorgung funktioniert nicht, was dem Wasser unter den Dörfern leider anzusehen ist.
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Nachdem wir uns all das innerhalb eines Tages ansehen und abends um Punkt sechs Uhr die Gehwege hochgeklappt werden, entscheiden wir, unsere Weiterreise einen Tag vorzuverlegen. Wir waren von Miri aus mit dem Taxi nach Brunei gefahren, da die Fahrt nur unwesentlich teurer war als mit dem Bus und der Taxifahrer hatte schon erschrocken reagiert, als wir ihm gesagt hatten, dass wir drei Nächte bleiben möchten. Nun müssen wir ihm recht geben. Wir wüssten nicht, was wir noch einen weiteren Tag in der Stadt unternehmen sollten und in den anscheinend sehr schönen Nationalpark fahren nur organisierte Touren und keine öffentlichen Busse, worauf wir keine Lust haben. Also reisen wir nach nur zwei Nächten in Bandar Seri Begawan weiter nach Kota Kinabalu. Der kürzeste Landesbesuch auf unserer Weltreise.

Eingestellt von Daggi.Oli 08:24 Archiviert in Brunei Tagged borneo moschee brunei round_the_world bandar_seri_begawan

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Kommentare

Da bin ich ja froh, dass ich keinen Bruder habe... .

LG Christian

PS: Ich würde übrigens Granit aus Norwegen und Leuchter aus Italien bevorzugen... aber es kann sich ja jeder einrichten wie er will.

von Christian Helwig

Sieh an, der junge Anakin Skywalker ist auch dabei ;-)

von till

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