Reise blog von Travellerspoint

Die (Nicht-) Bezwingung des El Corazón

overcast 20 °C
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Vier Wochen Spanischunterricht sind geschafft. Kleine Unterhaltungen à la "Woher kommst Du? Was machst Du? Wohin fährst Du?" mit anderen Reisenden sind nun schon möglich. Wie auch z.B. in ganzen Sätzen nach dem Weg oder einer Unterkunft fragen. Diese Kenntnisse wollen wir sofort nutzen und fahren noch am Freitag, dem letzten Unterrichtstag, weiter in die Anden, nach Machachi, um auch unsere bergsteigerischen Fähigkeiten zu testen.

Der Panamericana nach Süden folgend bieten sich hierfür an der von Humboldt sogenannten "Avenida de los Volcanes" unzählige Möglichkeiten. Über ein dutzend Bergmassive zwischen rund 4000 und 6000 Meter Höhe versammeln sich auf einem recht kurzen Streckenabschnitt. Unsere Wahl fällt auf den El Corazón, der trotz stattlicher 4792 Meter Höhe als ausgesprochen leicht zu besteigen gilt.

Nach einem Tag Ruhepause in Machachi geht es am Sonntag um sechs Uhr früh los. Die Wanderung beginnt auf rund 3150 Meter Höhe. Wenn wir bis zum Gipfel wollen, müssen wir also über 1600 Höhenmeter bezwingen. Bis knapp unter den Gipfel erinnert der Weg an einen Wanderpfad im deutschen Mittelgebirge. Sanft ansteigend führt er durch eine grün bewachsene Landschaft. Einzige Gefahr: frei laufende Stiere auf manchen Streckenabschnitten. Zum Glück sind die drei, denen wir insgesamt begegnen noch recht jung und haben vor uns genau so viel Angst wie wir vor ihnen. Beide Parteien nehmen jeweils in entgegengesetzter Richtung Reisaus. Ein ausgewachsenes Exemplar, das in einem Gatter eingeschlossen ist, hätte da wohl anders reagiert. Jedenfalls muss das Gatter einiges aushalten, als wir daran vorbeigehen.

Einzig das Wetter kann uns jetzt noch einen Strich durch die Rechnung machen. Leider ist im April noch Regenzeit und an den meisten Tagen regnet es nachmittags ca. ein bis drei Stunden. Allerdings sind wir guter Dinge. Es hatte in der vorigen Nacht geregnet. Dann reisst am nächsten Tag häufig die Wolkendecke länger auf. Bis gegen zehn Uhr sieht es auch gut aus und man hat einen schönen Blick ins Tal von Machachi:

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Dann kommt leider ein kurzer Schauer. Dank guter Regenjacken kann uns der nicht viel anhaben. Auf dem weiteren Weg regnet es mit Unterbrechungen immer wieder. In einer Wiese, die wir durchqueren müssen, werden durch das hohe Gras unsere Hosen vollständig nass.

Kurz darauf erreichen wir den letzten Abschnitt der Wanderung. Vielleicht 300 Höhenmeter bis zum Gipfel muss man ein etwas steileres Geröllfeld hochklettern. Kurz nachdem wir damit begonnen haben, fängt es an zu hageln. Es ziehen immer wieder dichte Wolken über den Bergrücken. Da der Hagelschauer nur kurz anhält, gehen wir noch ein wenig weiter. Doch wenig später beginnt es erneut. Als wir dann auch noch Donner hören, steht der Entschluss fest und rund 150 Meter unterhalb des Gipfels kehren wir um. Bedauerlich, aber von der Aussicht auf die umliegenden Vulkane und bis an die Küste hätten wir sowieso nichts gehabt. Auch die Kondore, die es hier gibt, hätten wir wohl eher nicht gesehen.

Nachdem wir inkl. Pausen knapp über sechseinhalb Stunden bergauf gegangen sind, geht der Rückweg deutlich schneller. Angetrieben durch mittlerweile strömenden, nicht mehr nachlassenden Regen kommen wir nach drei Stunden wieder am Ausgangspunkt an. Mittlerweile sind wir nass bis auf die Unterhosen. Die Wanderschuhe sind eine knappe Woche später noch nicht trocken.

Der Corazón hat leider kein gutes Herz bewiesen. Trotzdem war es ein Abenteuer in dieser Höhe zu wandern.

Eingestellt von Daggi.Oli 17:50 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world

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