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Medellin - Zwei Gesichter einer Stadt

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Die Entscheidung ist gefallen. Wir möchten zunächst auf dem Landweg, soweit möglich, nach Panama, um dann mit dem Segelschiff nach Cartagena zurückzukehren und unsere Kolumbienreise fortsetzen. Es gibt eigentlich keinen Grenzübergang auf dem Land zwischen Panama und Kolumbien. Dennoch kann die Grenze überquert werden. Von Kolumbien kommend fährt man zunächst nach Turbo, von wo man in viereinhalb Stunden per Boot ins Grenzdörfchen Capurganá reisen kann. Hier werden die Ausreiseformalitäten erledigt. Ein weiterer 40-minütiger Bootstrip bringt einen ins panamesische Nachbarstädtchen Puerto Obaldía. Das also ist unser Plan. Jedenfalls so lange, bis wir mit Stefan gesprochen haben, dem deutschen Teilhaber des Hostels in dem wir in Medellin absteigen. Er hätte die Schiffsüberfahrt zwar noch nie selbst gemacht, aber gehört, dass die Wind- und Wellenrichtung die Fahrt von Kolumbien nach Panama begünstige. Nach der Galápagos-Erfahrung ein gewichtiges Argument. Wir beginnen also erneut, über unseren Plan nachzudenken.

Währenddessen sehen wir uns Medellin an.
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Früher mit denkbar schlechtem Ruf als Hauptsitz des Drogenbarons Pablo Escobar, hat sich die Stadt inzwischen mit unglaublichen Anstrengungen zu einem Touristenmagneten entwickelt. Es gibt ein Gesetz laut dem grosse neue Gebäude moderne Kunstwerke integrieren müssen. So finden sich dann auch viele architektonisch aussergewöhnliche Gebäude in der Stadt.
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Grosse Teile des Freizeitangebots sind kostenlos. Selbst Touristen, die sonst gerne mal doppelt so viel bezahlen, dürfen kostenfrei in den botanischen Garten oder die Bibliotheken der Stadt benutzen, die sogar Rechner mit Internetzugang bereitstellen. Es gibt zwei Seilbahnen, die als Teil der Metro innerhalb einer Fahrt zum Preis von umgerechnet unter einem Dollar mitbenutzt werden können. Grosse Polizeiaufgebote sorgen im Innenstadtbereich für Sicherheit.

Bei der Fahrt mit einer der Seilbahnen bekommen wir den Hauch einer Ahnung, wie das andere Gesicht dieser Stadt aussieht. Es gibt immer noch viele Randbezirke in denen Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung sind. Die Seilbahn überquert eines dieser Viertel. Plötzlich sind drei oder vier Schüsse zu hören. Die Kolumbianer, die mit uns in der Gondel sitzen, reagieren genauso erschrocken wie wir. Zu sehen ist zum Glück nichts. Da wir uns weit über dem Geschehen schweben und jede Metrostation mit bewaffneten Polizisten besetzt ist, befinden wir uns in absoluter Sicherheit. Dennoch fühlt es sich erschreckend anders an als die Szenen, die man gewöhnlich im Kino sieht.

Hier hat die Stadt noch einiges mehr zu tun, als kostenfreie Bibliotheken zur Verfügung zu stellen. Vor ein paar Jahren beispielsweise wurde das Viertel “Pablo Escobar” nicht einmal offiziell anerkannt, wodurch es bei allen Entwicklungsmassnahmen vollständig unberücksichtigt blieb. Offenbar hatte Pablo Escobar auf seine alten Tage ein schlechtes Gewissen bekommen und mit seinem unglaublichen, mit Drogen verdientem Vermögen hunderte von Häusern bauen lassen, wo nun arme Schichten der Bevölkerung kostenfrei wohnen dürfen. Mit viel Eigeninitiative versuchen die Bewohner ihr Viertel sicherer zu machen und ihren Kindern eine Zukunft zu bieten. Der aktuelle Stand ihrer Bemühungen um Anerkennung entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir möchten es auch nicht an Ort und Stelle herausfinden, sondern bleiben in den Gebieten, um die sich die Stadt kümmert.

Inzwischen haben wir auch eine endgültige Entscheidung zur Weiterreise getroffen. Wir werden unseren Flug von Bogotá nach Lima um vier Wochen auf Mitte Juli nach hinten verlegen, segeln von Cartagena nach Panama, um weniger schaukeln zu müssen und werden den "Landweg" zurückkommen.

Eingestellt von Daggi.Oli 18:52 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world

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