Reise blog von Travellerspoint

Torres del Paine im Frühling

sunny 10 °C
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Zurück von El Chaltén in El Calafate müssen wir noch einen Tag warten, bevor wir mit dem Bus direkt nach Puerto Natales in Chile fahren können. Die Fahrt dauert nur rund vier Stunden, es bleibt also noch genügend Zeit, am Ankunftstag alles für die bevorstehende Wanderung im Torres del Paine Nationalpark vorzubereiten.

Unsere Befürchtung, wegen der Jahreszeit nicht in den Park zu kommen, bestätigt sich zum Glück nicht. Torres del Paine ist das ganze Jahr über geöffnet, manche Teile können jedoch nur ab dem Frühjahr begangen werden. Als wir dort sind, kommt an vielen Stellen das Grün schon durch und auch die längste Wanderung, ein zehntägiger Rundweg, ist geöffnet. Wir beschränken uns auf das wegen seiner Form sogenannte „W“ , das von der Mehrheit der Besucher gegangen wird. Leider zwingen uns die Busabfahrtszeiten nach Ushuaia, unserem nächsten Ziel, die Wanderung von fünf auf vier Tage abzukürzen und aus dem W ein V zu machen. Den Mittelteil müssen wir also auslassen.

Ein weiteres Mal erweist es sich als Vorteil, in der klimatisch etwas unbeständigeren Nebensaison hier zu sein. Laut einem Parkranger besuchen momentan etwa 100 Personen täglich den Park, während in der Hauptsaison die Zahl auf rund 700 ansteigt. Selbst manche der Zeltplätze müssen dann Wochen im voraus gebucht werden. Obwohl zu jeder Jahreszeit die Mehrzahl der Besucher nur in Bussen durch den Park gefahren wird und keine längeren Wanderungen unternimmt, dürfte es dann vermutlich unmöglich sein, seine Schönheiten in Ruhe zu genießen. Zur Zeit unseres Besuches haben wir die meisten Orte ganz für uns allein.

Zunächst müssen wir uns jedoch dem Problem stellen, an einem Sonntag, an dem die meisten Geschäfte geschlossen haben, in Puerto Natales Campinggaskartuschen aufzutreiben. Nach langem Suchen bekommen wir schließlich zwei halbvolle von einem Touranbieter geschenkt und können uns am Montag auf den Weg machen.

Die Busgesellschaften, die den Transport in den Park anbieten, legen auf der nicht mal zweistündigen Fahrt einen Zwangsstopp in dem Dörfchen Cerro Castillo ein, wo der geneigte Wanderer noch ein wenig Krimskrams kaufen soll. Auf dem Rückweg passiert leider das gleiche.

Endlich sind wir gegen kurz nach zehn im Park und beginnen den Aufstieg zu unserem ersten Camp am Fuße der Torres, dem Campamento Torres. Wir möchten die Nacht oben verbringen, um am nächsten Tag, wie schon am Fitz Roy, nochmals unser Glück mit von der Morgensonne beleuchteten Bergen zu versuchen. Der Aufstieg dauert nur drei Stunden. Vom Camp aus gehen wir noch 45 Minuten zum Aussichtspunkt auf die Torres weiter. Der Anblick ist überwältigend. Etwas Vergleichbares gibt es in den deutschen Alpen nicht zu sehen. (Uns ist bewusst, das im gesamten Blog immer wieder die gleichen Adjektive Verwendung finden. Angesichts der Vielfalt der Naturschauspiele sind uns leider ziemlich schnell die Varianten und Alternativen ausgegangen).
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Eine Besonderheit kommt für uns noch hinzu. Wir haben in Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste ein Buch in einem Book Exchange mitgenommen, „Against the wall“ vom britischen Extrembergsteiger Simon Yates, in dem er von der mehrwöchigen Begehung einer neuen Route auf das Zentralmassiv der Torres erzählt und dieses Buch durch ganz Südamerika bis an den Ausgangsort seiner Erzählung gebracht. Die bloße Vorstellung, dass Menschen eine solche Wand hochgehen können, ist unfassbar. Die geschilderten Strapazen und Schwierigkeiten erhalten, angesichts der vor uns liegenden Wand, eine völlig neue Dimension.

Zum Glück kommen wir schon beim ersten Aufstieg in den Genuss, die Türme wolkenfrei zu sehen. Meist sind die Gipfel nicht zu erkennen. Wir drücken die Daumen für den nächsten Morgen. Um fünf nach sechs laufen wir los, da wir bis zum Sonnenaufgang um viertel nach sieben etwas Luft haben möchten. Kaum sind wir ein paar Meter gegangen, stellen wir fest, dass es schon ziemlich hell ist. Die Türme sind vom Weg zum Aussichtspunkt aus kaum zu sehen und so bekommen wir schnell Angst, doch zu spät zu sein. Wir rasen entsprechend die Strecke, für die wir am Vortag noch 45 Minuten benötigt haben, in einer halben Stunde hoch und sehen um 6.20 Uhr einen wunderschönen roten Gipfel hinter anderen Bergen hervorschauen. Als wir am Aussichtspunkt ankommen, hat die Farbe schon von rot zu gelb gewechselt. Trotzdem hat sich der Spurt gelohnt. Innerhalb der nächsten fünf Minuten ist das Schauspiel ganz vorbei.
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Die Lektion, dass die Berge nicht bei Sonnenaufgang sondern schon früher während der Morgenröte zu glühen beginnen, hätten wir eigentlich schon am Fitz Roy lernen können, hätten wir darüber nachgedacht, zu welcher Uhrzeit wir ihn so gesehen hatten. So haben wir es erst beim zweiten Mal auf die etwas härtere Tour begriffen.

Nachdem der erste Tag mit wenig Wanderzeit ziemlich entspannt war, wird der zweite umso länger. Wieder vom Aussichtspunkt zurück, frühstücken und packen wir und machen uns auf den Weg. In etwa 20 Kilometer möchten wir zurücklegen, vorbei am (kostenpflichtigen) Campamento Los Cuernos bis zum (kostenfreien) Campamento Italiano. Der Weg führt zunächst wieder hinunter ins Tal und dann in einer typisch patagonischen Seen- und Berglandschaft bis zum Camp.
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Die ganze Zeit liegt rechts neben uns das zweifarbige Massiv der Los Cuernos.
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Gegen 16 Uhr erreichen wir den Zeltplatz und fallen nach dem Essen ziemlich geschafft in die Schlafsäcke. Allerdings nicht ohne zuvor alles anzuziehen, was wir dabei haben. Und das ist von der Merinowolleunterwäsche bis hin zur Daunenjacke eine ganze Menge. Wie schon in der ersten Nacht fallen die Temperaturen bis in den Minusbereich und wir müssen leider erneut feststellen, dass unsere Schlafsäcke nicht für diese Bedingungen gemacht sind.

So frieren wir uns im Halbschlaf auch durch die zweite Nacht und werden dafür vom schönsten Morgen unserer Zeit im Park begrüßt. Der ganze Tag bleibt so gut wie wolkenfrei und bietet wunderschöne Blicke auf die Landschaft.
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Um rechtzeitig nach Puerto Natales zurückzukommen, müssen wir direkt zum Lago Pehoé laufen und können uns den mittleren Zweig des „W“, das Valle de los Franceses nicht ansehen. Die siebeneinhalb Kilometer zum Campamento Paine Grande am See bringen wir recht zügig in zwei Stunden hinter uns. Dann wird es allerdings doch noch ein anstrengender Tag, weil wir, nachdem wir unser Zelt aufgestellt haben, entscheiden, noch den ganzen Weg zum Glaciar Grey und zurück zu laufen. Die insgesamt 22 Kilometer können wir immerhin ohne die schweren Rucksäcke laufen. Trotzdem sind wir sehr froh, als wir nach insgesamt elfeinhalb Stunden unterwegs, wieder zurück im Camp sind.

Im Nachhinein hätte es gereicht, bis zum ersten Aussichtspunkt auf den Gletscher zu gehen. Der Blick von dort ist eigentlich schöner als der vom näher gelegenen Punkt.
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Unser letzter Tag im Park ist reine Fleißarbeit. Ab dem ersten Oktober gibt es eine Bootsverbindung über den Lago Pehoé in die Nähe der Busabfahrtsstellen. Nur leider fährt das Boot am 30. September noch nicht. Deshalb müssen wir weitere 18 Kilometer zu Fuß zurücklegen, wobei diese Strecke die unattraktivste ist. Zudem bekommen wir eine Idee, wie die berühmten, häufig bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnellen patagonischen Winde sein können. Auf den weiten Ebenen, die wir die längste Zeit entlang gehen, blasen uns schon geschätzte 60 km/h immer wieder vom Kurs. So erklärt sich auch das Aussehen der Bäume, die wir am Vortag fotografiert haben. Man beachte die vom Wind glatt gescheuerte linke Seite des Baums.
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Kurz bevor wir den Bus erreichen, können wir noch einen letzten Blick auf das gesamte Massiv werfen, an dessen Fuß wir die letzten drei Tage entlang gegangen sind.
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Eingestellt von Daggi.Oli 14:01 Archiviert in Chile Tagged wandern w round_the_world torres_del_paine puerto_natales los_torres

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