Reise blog von Travellerspoint

Mandalays mieser Mönch

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Mandalay ist mit knapp einer Million Einwohner die zweitgrößte Stadt des Landes und hat alles, was zu einer asiatischen Großstadt gehört. Sie ist laut und dreckig und quillt über vor Lastwagen, Autos, Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern.

Die meisten Besucher kommen eher wegen den umliegenden alten Stätten als wegen Mandalay selbst. Bevor wir uns wieder einmal aufs Fahrrad schwingen, sehen wir uns noch die Mahamuni Pagode in der Stadt an, deren Hauptattraktion eine Buddhastatue ist, die zentimeterdick mit Blattgold belegt ist. Und täglich kommt neues hinzu.
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Kaum haben wir die Tempelanlage betreten und bewundern noch aus der Ferne die Statue, tritt ein Mönch auf uns zu, sagt „Ming Ga La Ba“, hallo zu deutsch, nimmt uns an der Hand und führt uns näher an die Statue heran. Wir haben die Mönche bisher als sehr offen und freundlich kennen gelernt und zudem im Reiseführer gelesen, dass es manchmal vorkommt, dass Mönche ausländische Gäste etwas herumführen. Also denken wir uns nichts weiter und freuen uns über die Führung. Wir gehen mit ihm das gesamte Gelände ab, insgesamt verbringen wir eine gute Stunde in seiner Gesellschaft. Dann meint er plötzlich, die Führung wäre jetzt beendet, wir würden ihm 50 Dollar schulden.

Wir sind völlig perplex und vor den Kopf gestoßen. Bei jeder „normalen“ Person wären wir sofort misstrauisch gewesen und hätten vermutet, dass Geld erwartet wird. Nicht jedoch bei einem buddhistischen Mönch. Wir erklären ihm, dass er vor einer Führung sagen muss, wenn er Geld verlangt und außerdem, dass wir ihm keinesfalls 50 Dollar geben können, maximal ein paar tausend Kyat. Nach einigem Hin und Her nimmt er die Scheine, wir drehen uns um und gehen Richtung Ausgang. Auf einmal hören wir das Geräusch reißenden Papiers. Als wir uns umdrehen, sehen wir, wie der Mönch unsere Geldscheine zerreißt und mit Wut verzerrtem Gesicht wegwirft. Er kommt hinter uns her, zieht einen 50 und einen 20 Dollar-Schein aus der Tasche und sagt, es gäbe Touristen, die seine Arbeit zu schätzen wüssten. Auf meine Frage, ob er überhaupt ein Mönch sei, gerät er völlig außer Fassung und faucht uns an, wir sollen abhauen, so schnell wie möglich, er wolle uns nicht mehr sehen.

Für uns bricht durch dieses Erlebnis fast ein Weltbild zusammen. Niemals hätten wir von einem Mönch ein solches Verhalten erwartet. Sein gesamtes Handeln entspricht in keinster Weise den buddhistischen Lehren. Da Mönche in Asien höchstes Ansehen genießen und als Vorbilder dienen, ist so ein mieser, billiger Betrug völlig unfassbar. Das Geld, das er zerrissen hat, hätte einen Trishaw-Fahrer (die lokale Variante der Rikscha) und seine Familie einen Tag lang ernährt. Die einzige Lehre, die wir aus der Begegnung ziehen können, ist, dass wir zukünftig jegliche Geldforderung, die auf so unfaire Weise entstanden ist, rigoros ablehnen werden.

Es dauert eine ganze Weile bis wir unsere Fassung wiederfinden. Der lange Fußweg zum Mandalay Hill, von dem aus man einen schönen Blick über die Stadt hat, gibt uns Gelegenheit, das Erlebte zu verdauen. Als wir oben ankommen, liegt die Stadt unter uns im Dunst und der Sonnenuntergang ist nicht sonderlich atemberaubend. Ein Gutes allerdings hat unser Besuch. Wir kommen mit einigen Novizen ins Gespräch und erfahren, dass sie jeden Tag auf den Hügel gehen, um mit den Touristen englisch zu sprechen. Irgendwann erzählen wir ihnen von unserem Erlebnis in der Mahamuni Pagode und sie reagieren erschrocken. Ihre Antwort lautet ganz einfach, dass es überall schlechte Menschen gibt, selbst unter Mönchen.

Im Laufe des weiteren Gesprächs erfahren wir die Geschichte eines der Mönchsanwärter. Er ist 19 Jahre alt und kommt aus einem kleinen Dorf im Norden kurz vor der chinesischen Grenze. Seine Eltern betreiben Ackerbau und konnten in ihrem bisherigen Leben noch keinen Tag frei nehmen, da ansonsten das Essen ausbliebe. So wächst in ihm der Wunsch nach einer besseren Ausbildung, um mit einem höheren Einkommen seiner Familie auch mal einen Urlaub zu ermöglichen. Mit 15 beginnt er, sein Geld für die Fahrt nach Mandalay zu sparen. Ein Jahr später tritt er der Mönchsschule bei. Jetzt, drei Jahre später, ist er sich noch unschlüssig, was er beruflich machen möchte, Englischlehrer oder Reisender stellt er sich vor.

Ihre Schule, zu deren Besuch uns die Novizen noch einladen, sehen wir leider nicht mehr. Am folgenden Tag möchten wir mit dem Fahrrad die Umgebung Mandalays erkunden und anschließend abreisen. Eine Schule bekommen wir allerdings zu Gesicht. Unser erstes Ziel ist das Kloster Ganayon in Amarapura. Jeden Vormittag kommen Scharen von Touristen, um den Mönchen beim Mittagessen zuzusehen. Das ist offenbar deshalb ein Schauspiel, weil hunderte von Mönchen gleichzeitig ihr Essen zu sich nehmen. Wir verpassen es, weil wir mit dem Fahrrad leichte Schwierigkeiten haben, den Weg zu finden und außerdem im Reiseführer als Beginn elf Uhr angegeben ist, während das Mahl tatsächlich jedoch 45 Minuten früher stattfindet. Allerdings führt uns ein Novize durch die Klosteranlage. Bei dieser Gelegenheit sehen wir auch die dortigen offenen Klassenräume mit unzähligen lärmenden Kindern.

Direkt nebenan liegt die U Bein's Brücke, mit 1200 Metern und 1060 Pfosten die längste Teakholzbrücke der Welt. Sie ist mittlerweile 200 Jahre alt und wirkt auf uns ganz schön wackelig.
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Unserer weiterer Weg führt uns nach Sagain, wo es mal wieder einen Hügel mit vielen großen Stupas zu erklimmen gilt.
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Das wahre Highlight unseres Ausflugs sind aber wie immer in diesem Land die Menschen.
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So gut wie jeder zweite grüßt uns und winkt, häufig reduzieren Motorradfahrer ihre Geschwindigkeit, bleiben kurz neben uns und fragen mit ein paar Brocken englisch wo wir her seien und wie uns ihr Land gefällt. Selbst aus dem ein oder anderen Lastwagen ertönt während des Vorbeifahrens ein „hello“. So bleibt die Begegnung mit dem Mönch hoffentlich nur ein trauriger Einzelfall.

Eingestellt von Daggi.Oli 07:58 Archiviert in Myanmar Tagged mandalay myanmar round_the_world birma u_bein's_bridge sagain

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Kommentare

Hallo Ihr Beiden,
liebe Wintergrüße aus dem Friedrichshain!
Ich habe gerade Eure Erlebnisse mit dem Mönch gelesen. So etwas habe ich auch schon erlebt. Anfang der 90-er Jahre in Sri Lanka ist einer handgreiflich geworden...meine Spende war ihm zu wenig! Auf Bali war es in den gr. Tempelanlagen ähnlich, aber mein Taxifahrer hatte mir vorher von den üblichen Tricks erzählt und ich konnte entsprechend reagieren. Unangenehm war es trotzdem. Ich kann Euch verstehen. Viel Spaß weiterhin bei Eurer Reise! Liebe Grüße, Evi

von Evi

Hi Evi,

handgreiflich? Unglaublich! Da erscheint das Zerreissen von Geldscheinen ja noch recht harmlos dagegen. Na ja, man lernt staendig dazu.

Liebe Gruesse an den Comeniusplatz,
Daggi & Oli

von Daggi.Oli

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