Reise blog von Travellerspoint

Einbeinrudern am Inle Lake

sunny 25 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Nach Bagan ist der Inle See die zweitwichtigste touristische Destination Birmas. Auch Malariaprophylaxe schluckende Amerikaner auf dreiwöchigem Asien-Kultururlaub durch Singapur, Thailand, Kambodscha, Vietnam und Birma müssen keine Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen und können problemlos einfliegen.

Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Zusammensetzung der Besuchergruppen verändert, wenn die Anreise leicht fällt. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich einen Grund, warum sich Orte wie der Inle Lake einer solchen Beliebtheit erfreuen. Der von Bergen umgebene See, ganze Dörfer, die auf Stelzen über dem Wasser schweben und die Intha-Bevölkerung, die den Anschein erweckt, trotz des Tourismus unverändert den gleichen Lebensstil wie noch vor hundert Jahren zu pflegen, üben eine ganz besondere Faszination aus.
P1090063_web.jpg
Unsere erste Unternehmung gilt allerdings nicht sofort dem Wasser. Wir leihen uns Fahrräder aus und erkunden die Umgebung. Unser Plan, bis zu einem Mönchskloster im Wald oberhalb des Sees zu radeln, geht dank unserer eigenen Unfähigkeit, die Karte richtig zu lesen, nicht auf. Wir interpretieren sie völlig falsch und denken, dass wir schon viel weiter gefahren sind. Erst auf dem Rückweg bemerken wir unseren Fehler, haben aber keine Lust mehr, erneut umzudrehen und beschließen, nur noch beim Weingut Red Mountain Estate vorbeizufahren, was keinen Umweg bedeutet. Ein Weingut in Birma, damit haben wir nicht gerechnet. Es zeigt sich, dass die Weißweine von ordentlicher Qualität sind, von den roten sollte man lieber die Finger lassen.

Bereits an unserem ersten Abend in Nyaung Shwe, wo die meisten Reisenden absteigen, hatten wir Hugh und Mary wiedergetroffen, die in Kalaw in der gleichen Unterkunft wie wir waren. Beide sind etwa Mitte 60 und kommen aus Kanada. Im Gegensatz zu uns, sind sie die drei Tage bis an den See gelaufen. Da sie bereits unglaublich viel von der Welt gesehen haben, sind die Gespräche mit ihnen außerordentlich interessant. Obwohl manchmal nicht immer hilfreich, zum Beispiel als die Antwort auf meine Frage, ob sie schon einmal Japan bereist hätten, lautet: „Ja, 1967“. Wir müssen uns wohl eine andere Quelle für aktuelle Informationen besorgen.

Der Abend, den wir mit ihnen verbringen, gefällt uns so gut, dass wir verabreden, gemeinsam eine Bootstour auf dem Inle See zu unternehmen. Unser erstes Ziel ist ein Markt in einem der umliegenden Dörfer. Obwohl wir dem gegenüber ein wenig kritisch eingestellt waren, wir haben mittlerweile dermaßen viele Märkte gesehen, stellt er sich der Höhepunkt des Tages heraus. Der Weg dorthin führt durch einen kleinen Flusslauf, an Stelzenhäusern und Einheimischen in ihren Booten vorbei und endet mit einem Fußmarsch durch idyllische Felder. Manche Fischer demonstrieren, kaum sehen sie uns, ihre Fähigkeiten im Einbeinrudern, wofür das Seevolk berühmt geworden ist. Entstanden ist die Fertigkeit, um beide Hände für das Netz frei zu haben. Heute unterhält man damit hauptsächlich die ausländischen Besucher.
P1090070_web.jpgP1090074.jpgP1090090.jpgDSC01660.jpgP1090081.jpgP1090082.jpg
Der Markt selbst wirkt vermutlich deshalb so besonders auf uns, weil es den Anschein macht, als seien wir die einzigen Touristen. Entsprechend ist die Aufmerksamkeit, die uns entgegenschlägt. Wir fühlen uns von allen Seiten beobachtet, allerdings nie unangenehm. Es schlägt uns immer die für das Land so typische Freundlichkeit entgegen, man bietet uns Waren an, warnt vor den niedrigen Überdachungen oder guckt einfach nur neugierig. Mindestens genauso neugierig wie wir.
DSC01665.jpgDSC01672.jpgDSC01669.jpg
Der Rest des Tages ist zwar, vor allem dank der guten Gesellschaft, noch immer sehr schön, artet aber ein wenig in eine Verkaufsveranstaltung aus. Das Boot bringt uns zu Webereien, in denen aufwändig herzustellende Lotusfäden verarbeitet werden, zu Gold- und Silberschmieden und diversen anderen Geschäften, die uns Andenken anbieten. Am interessantesten ist eine Zigarrenfabrik, in der eine Gruppe Frauen kleine grüne Zigarren wie am Fließband rollt (sie werden nach Stückzahl bezahlt).
DSC01705.jpg
Mit dieser Bootsfahrt endet unser Aufenthalt am Inle Lake. Am kommenden Tag warten wieder einmal lange Stunden im Bus auf uns, denn unser nächstes Ziel, Hpa-An, liegt im Südosten des Landes.

Eingestellt von Daggi.Oli 21:07 Archiviert in Myanmar Tagged inle_lake myanmar round_the_world birma bootstour nyaung_shwe Kommentare (2)

Kalaw – Wo Militärs golfen gehen

sunny 20 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Die Anreise von Hsipaw nach Kalaw gestaltet sich lang und zäh. Leider müssen wir über Mandalay fahren, wohin es zwei Busse gibt, einen um 5.30 Uhr und einen um 6.30 Uhr. Der frühere ist etwas komfortabler und da wir mittlerweile schon genügend authentische Busfahrten hinter uns gebracht haben, entscheiden wir uns für diesen.

Nach sechs Stunden Fahrt kommen wir in Mandalay an, wo wir erfahren, dass wir, wie sollte es auch anders sein, zu einem anderen, sieben Kilometer entfernten Busterminal müssen und außerdem der nächste Bus nach Kalaw erst um 18.30 abfährt. Also lassen wir uns mit dem gesamten Gepäck auf zwei Motorrädern zum nächsten Termin fahren, kaufen dort unsere Tickets und warten.

Als wir schließlich kurz vor sechs in den Bus einsteigen, erleben wir eine böse Überraschung. Er verfügt nicht einmal über eine ordentliche Frischluftzufuhr, die Luft ist zum Schneiden. Die Rückenlehne eines unserer Sitze ist kaputt und bleibt in einer Position stehen, die ziemlich unangenehm auf den Steiß drückt. Die Beinfreiheit ist eher dem asiatischen Körpermaß als dem unseren angepasst. Immerhin ist nicht der komplette Fußraum mit Reissäcken ausgelegt, wie das andere Reisende schon erlebt haben. Trotzdem sind wir heilfroh als wir nach acht Stunden um 2.30 Uhr nachts in Kalaw ankommen. Wegen der späten Stunde hatten wir uns angekündigt und werden netterweise sogar abgeholt. Unser Zimmer ist ein eiskaltes Loch, das Bad außerhalb in einem inakzeptablen Zustand. Zum Glück können wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück das Zimmer tauschen.

Im Dorf wimmelt es nur so von Unterkünften. Es ist offenbar ein beliebtes touristisches Ziel. Die meisten kommen hierher, um innerhalb von drei Tagen mit geführten Touren nach Inle zu laufen. Unsere Weigerung zu wandern hält weiter an. Wir entscheiden, keine Tour zu unternehmen sondern versuchen, auf eigene Faust die umliegenden Hügel ein wenig zu erkunden. Allerdings müssen wir zuvor einen Tag Pause einlegen, um leichte Verdauungsschwierigkeiten bei Daggi auszukurieren.

Um uns nicht sofort zu überanstrengen, besuchen wir einen Tag später nur einen Markt im nächsten Dorf Aung Pang.
P1090045.jpgP1090051.jpgP1090046.jpgP1090042.jpg
Dann geht es endlich auf die große Wanderung. Aus dem Reiseführer haben wir eine unbrauchbare Karte, aber dank ihr wissen wir immerhin, dass unser Ziel, ein nepalesisches Restaurant mit dem vielversprechenden Namen „Viewpoint“, in südwestlicher Richtung liegt.

Also folgen wir dem Kompass, fragen immer wieder, werden häufig nur verständnislos angeguckt, aber auch zwei, drei Mal verstanden und erreichen tatsächlich nach knapp zweieinhalb Stunden, vermutlich mit dem ein oder anderen Umweg, das Restaurant. Es bietet wirklich einen schönen Blick.
DSC01581.jpg
Kurze Zeit später treffen drei größere Gruppen ein, die sich auf dem dreitägigen Marsch nach Inle befinden. Wir fragen einen der Führer, ob wir, wie in unserer Karte eingezeichnet, eine Schleife zurück laufen können. Seine erste Antwort: „nein“! Doch dann gibt er uns trotzdem den entscheidenden Hinweis auf eine leicht zu übersehende Abzweigung. Nachdem wir die genommen haben, laufen wir wieder stur unserem Kompass folgend in die entgegengesetzte Richtung. Der Weg führt durch den Wald, an kleinen Bächen und wenig später an Reisterrassen entlang.
DSC01606.jpg
Als uns noch vielleicht eine Stunde Fußweg vom Dorf trennt, überholt uns ein Laster mit Straßenarbeitern. Kurz zuvor waren wir schon an ihnen vorbeigekommen, als sie noch Kies vom Laster auf den Weg entladen hatten. Jetzt bedeuten Sie uns, wir könnten auf der Ladefläche mitfahren. Den schönsten Teil der Strecke haben wir schon gesehen, warum also nicht. Interessant wird die Rückfahrt als wir eine Militäranlage passieren. Auf einmal sind teure Autos zu sehen, jede Wohnung besitzt eine Satellitenschüssel, die Geschäfte innerhalb der Anlage wirken sauber und gepflegt. Kurz hinter dem Gelände schließt ein Golfplatz an. Es wird sehr deutlich, wohin in diesem Land das Geld fließt.

Eine weitere Beobachtung machen wir in Kalaw. Die Menschen sind nicht mehr ganz so freundlich. Nicht jeder auf dem Weg begrüßt uns mit strahlendem Lächeln. In anderen Gegenden haben zuverlässig alle Kinder „Ming Ga La Ba“, „hello“ oder gerne auch „bye bye“ gerufen. Hier ist das eher die Ausnahme. Ob es daran liegt, dass in Kalaw und Umgebung mehr Touristen unterwegs sind oder vielleicht an der stärkeren Militärpräsenz oder ob es einfach nur ein Mentalitätsunterschied ist, können wir nicht sagen. Für Inhaber von Geschäften jedenfalls bedeutet die Anwesenheit von Militär meist ein besseres Leben, da plötzlich Kaufkraft ins Dorf kommt.

Als Ausländer hat man nur sehr beschränkte Möglichkeiten, die Zusammenhänge zu verstehen. Es scheitert oft schon an der Verständigung, denn nur die wenigsten im Land sprechen ausreichend Englisch. Insgesamt leben in Birma 135 Volksgruppen, meist mit eigener Sprache. Viele werden unterdrückt und gezwungen Burmesisch zu sprechen. Unzählige Konflikte schwelen unter der Oberfläche und glaubt man der Regierung, werden sie in bestimmten Gebieten auch offen ausgetragen, denn Touristen dürfen sich nicht frei in allen Landesteilen bewegen. Wir hatten eigentlich geplant, noch weiter in den Norden zu fahren, mussten aber feststellen, dass unsere Reise in der Stadt Lashio beendet gewesen wäre. Gleichzeitig versucht man sich auf billigstem Niveau als heile Nation darzustellen. Hier ein Titelblatt der englischen Publikation „New Light of Myanmar“, Ausgabe vom 11.2.2011.
large_DSC01766.jpg
Angesichts des Schreibstils und der Zusammensetzung der restlichen Beiträge, die größtenteils aus dem Internet zusammengeklaubt sind, stellt sich die Frage, an wen sich die Zeitung eigentlich richtet. Die eigene Bevölkerung wohl nicht, bleiben ausländische Bewohner und Touristen. In Anbetracht dieser Realsatire verbietet sich jeder weitere Kommentar.

Nachdem uns der Laster sicher durch die Militäranlage gebracht hat, springen wir im Dorf von der Ladefläche. Wir haben genug gesehen und beschließen am kommenden Tag abzureisen. Auf uns warten zwar keine drei Tage Wandern aber eineinhalb Stunden holperige Busfahrt an den den Inle See.

Eingestellt von Daggi.Oli 07:56 Archiviert in Myanmar Tagged trekking myanmar kalaw round_the_world birma militär Kommentare (3)

K(l)eine Touren in Hsipaw

sunny 25 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Der Weg führt uns nicht direkt von Mandalay nach Hsipaw. Vorher machen wir in einem Dorf mit dem unaussprechlichen Namen Pyin Oo Lwin halt. Es liegt auf über 1000 Meter Höhe und zeichnet sich durch ein vergleichsweise kühles Klima aus. Früher waren es die Briten, heute fliehen im Sommer viele Einheimische vor der sengenden Hitze hierher. Wir benötigen zur jetzigen Jahreszeit abends Fließ und Jacke, unerwartet für Birma. Ansonsten ist das Dörfchen für uns nicht bemerkenswert. Die Burmesen behaupten zwar, es sähe dort wegen der kolonialen Bauten aus wie in Großbritannien, wir empfinden das jedoch ein wenig anders.
DSC01491.jpgDSC01490_web.jpgDSC01486.jpg
Da es außer einem einige Kilometer entfernten Wasserfall nicht viel zu sehen gibt, reisen wir nach einer Nacht wieder ab. Diesmal mit dem Zug.
DSC01495.jpg
Die Strecke soll durch schöne Landschaften und über eine beeindruckende Brücke führen. Also nehmen wir in Kauf, pro Person drei US Dollar in die Staatskassen zu spülen. Natürlich ist auch die Fahrt ein kleines Abenteuer und entsprechend spannend.
DSC01496.jpg
20 Kilometer pro Stunde werden angeblich im Schnitt erreicht. George Orwell, der zwischen 1922 und 1927 in Birma stationiert war, erwähnt übrigens in seinem ersten Roman Burmese Days (Tage in Burma) in etwa das gleiche Reisetempo der Eisenbahn – es scheint sich wirklich nicht viel verändert zu haben. Schon bei diesen Geschwindigkeiten schaukeln die Waggons wie die tollsten Fahrgeschäfte auf dem Jahrmarkt. Wir sind die einzigen Ausländer und man kümmert sich wieder einmal rührend um uns. Der Fahrkartenverkäufer und ein weiterer Bahnangestellter führen uns zu unseren Plätzen, fragen hundert mal, ob alles in Ordnung ist, verschwinden kurz und tauchen wenig später gemeinsam am Fenster wieder auf, um zu fragen, ob wirklich alles in Ordnung ist. Schließlich beginnt die Fahrt, die Gäste richten sich ein.
DSC01498.jpg
Insgesamt sechs Stunden sind wir unterwegs, trotz Holzbänken vermutlich bequemer als im Bus. Zudem haben wir das Glück, dass unser Waggon überraschend leer bleibt und wir die ganze Zeit Platz für unsere Füße haben. Die Überfahrt der Gokteik Schlucht ist tatsächlich beeindruckend.
DSC01514.jpg
Obwohl mit uns kein weiterer Tourist aussteigt, versammeln sich überraschend viele in Hsipaw. Vielleicht fallen sie uns auch einfach mehr auf, weil das Dorf recht überschaubar ist. Zum Beispiel gibt es insgesamt nur drei Unterkünfte.
Direkt bei unserer Ankunft kommen wir kurz mit zwei sehr sympathischen Bayern um die 50 ins Gespräch und den Abend verbringen wir mit Deirdra und Cormac, einem irisches Pärchen, mit dem wir uns in Mandalay ein Taxi geteilt hatten und die wir zufällig im Restaurant unserer Wahl wiedertreffen.

Der nächste Tag beginnt mit einem langen, sehr angeregten Gespräch mit Raimund und Boris, den beiden Bayern, die gemeinsam schon viel von Asien gesehen haben. Wir verstehen uns so gut, dass wir abends gemeinsam essen gehen und am folgenden Tag zusammen versuchen, zu einem Wasserfall in der Nähe zu laufen, was aber nicht funktioniert.
DSC01531.jpgP1090019_web.jpgP1090031_web.jpg
Der Weg führt uns vorbei an einheimischen Hütten und durch Reisfelder mit Büffeln, wir kommen jedoch stattdessen an einem Wassertümpel heraus, den die Einheimischen euphemistisch als „Hot Springs“ bezeichnen. Keiner von uns verspürt große Lust, sich zu den Dorfbewohnern ins Wasser zu legen, von denen viele den heutigen chinesischen Neujahrstag zu einem Familienausflug genutzt haben.

Auch unser zweiter Versuch, den wir einen Tag später alleine unternehmen, scheitert dank einer falsch gezeichneten Karte kläglich. Auf längere Trekkingtouren, die von Hsipaw aus unternommen werden können, verzichten wir, da wir keine Lust auf mehrtägige Ausflüge mit Führer verspüren. Und der erscheint leider unerlässlich, nicht weil der Weg so schwierig zu finden wäre, sondern um zu verhindern, dass die Dorfbevölkerung, bei der man unterwegs unterkommen könnte, kein Problem mit dem Militär bekommt, denn eigentlich dürfen Ausländer ja nur in lizenzierten Unterkünften bleiben. Außerdem führen die angebotenen Wanderungen, zum Beispiel zum Bergdorf Namhsan, immer der Straße entlang und bieten landschaftlich wohl keine besonderen Attraktionen. Es sieht ganz danach aus, als würden wir uns die Wanderungen für ein anderes Land aufheben.

Eingestellt von Daggi.Oli 15:28 Archiviert in Myanmar Tagged myanmar round_the_world birma hsipaw pyin_oo_lwin Kommentare (0)

(Einträge 10 - 12 von 101) « Seite 1 2 3 [4] 5 6 7 8 9 10 .. »