Reise blog von Travellerspoint

Das Ende unserer Pläne oder Tauchen in Kota Kinabalu

sunny 30 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Sehr lange hatten wir benötigt, um uns auf Nepal als letztes Ziel unserer Reise festzulegen. Und nun sollte dieser Plan jäh enden, nämlich hier:
photo6.jpg
Doch der Reihe nach. In Kota Kinabalu kann man im Wesentlichen zwei Dinge unternehmen, recht günstig tauchen lernen und den höchsten Berg Südostasien, den Mount Kinabalu, besteigen. Wir entscheiden uns gegen den Berg, da die Besteigung unsinnigerweise nur geführt möglich und seit der Privatisierung des Nationalparks für Ausländer lächerlich teuer ist. Es gibt schließlich noch andere hohe Berge, die umsonst bestiegen werden können, zum Beispiel in Nepal.

Auf der Fahrt von Brunei nach Kota Kinabalu sollte man noch genügend Platz in seinem Pass zur Verfügung haben. Obwohl die Reise zwar nur von Brunei nach Malaysia geht, erhält man sage und schreibe acht neue Stempel. Das kommt daher, dass die beiden malaysischen Staaten Sarawak und Sabah jeweils eigene Einreiseformalitäten haben und Brunei in der Mitte von malaysischen Staatsgebiet geteilt wird. Die Busfahrt führt also von Brunei (Ausreisestempel) nach Sarawak (Einreisestempel), wieder raus aus Sarawak (Ausreisestempel), rein nach Brunei (Einreisestempel), wieder raus aus Brunei (Ausreisestempel), rein nach Sarawak (Einreisestempel), raus aus Sarawak (Ausreisestempel) und schließlich rein nach Sabah (Einreisestempel). Wir sehen hier Optimierungspotential.

Nachdem Daggi schon 2004 in Thailand den Tauchschein erworben, Oli sich aber viele Jahre aus Angst um seine Ohren dagegen gewehrt hat, ist nun die Unterwasserwelt zu verlockend geworden. Die Erlebnisse beim Schnorcheln auf Galapagos und die Versprechungen von Sipadan, einer Tauchgegend im Nordosten Borneos, die regelmäßig zu einer der zehn weltweit besten gewählt wird, geben den Ausschlag.

Der Kurs beginnt am ersten Tag mit einem Tauchgang auf rund zwölf Meter Tiefe. Ich fühle mich sofort wohl im Wasser und genieße das schwerelose Gefühl. Auch die Übungen, die während der kommenden zwei Tage absolviert werden müssen, wie Maske unter Wasser abnehmen und wieder aufsetzen oder die Lufttanks ab- und wieder aufsetzen bereiten mir keinerlei Schwierigkeiten. Allerdings verspüre ich direkt nach dem ersten Tauchgang wieder an Land ein leichtes Schwindelgefühl, achte jedoch nicht weiter darauf. Vielleicht ist es nur Erschöpfung oder Müdigkeit.

Leider verschwindet in den folgenden Tagen das Gefühl nie vollständig. Manchmal ist es stärker, meist wenn ich ruhig dasitze, manchmal ist es gar nicht zu spüren, zum Beispiel unter Wasser. Als es am Morgen nach dem dritten und letzten Kurstag weiter anhält, beschließe ich, doch einen Arzt aufzusuchen. Im öffentlichen Krankenhaus von Kota Kinabalu werden meine Ohren visuell überprüft und der CO2 Gehalt meines Blutes. Anhand dessen kann anscheinend eine DCS (Decompression Sickness – Taucherkrankheit) erkannt werden.

Beim Tauchen sind wegen des hohen Außendrucks außer dem reinen Sauerstoff weitere Gase im Blut gelöst, die beim Auftauchen unter Umständen in Bläschen entweichen, sofern sie nicht über die Lunge abgegeben werden können. Die Bläschen lagern sich dann im Gewebe an, zum Beispiel in den Gelenken oder auch in den Ohren. Aus diesem Grund legen Taucher beim Aufsteigen Zwischenstopps ein. So haben die Gase genügend Zeit, ohne Bläschenbildung den Körper zu verlassen. Die Erkrankung an einer DCS ist äußerst unwahrscheinlich, nur etwa drei von 10.000 Tauchgängen sind betroffen.

Was die wenigsten wissen, DCS kann bei jeder Tauchtiefe auftreten, selbst bei nur drei Metern. Die Tauchtabellen empfehlen einen Dekompressionsstopp beim Autauchen aus zwölf Metern Tiefe erst ab einer Tauchlänge von 116 Minuten, meiner war gerade mal 32 Minuten lang. Alles unter zehn Meter gilt sowieso als „no-stop dive“, also als Tauchgang ohne erforderliche Pause beim Auftauchen.

Vielleicht kommt es daher, dass die Ärzte beim Blick auf meine Blutwerte nur meinen „mit dir ist alles in Ordnung, wir geben dir ein Mittel gegen den Schwindel“. Nicht ganz glücklich mit diesem Ergebniss gehe ich am folgenden Tag nochmals zu einem Privatarzt, einem Engländer, der sich in Kota Kinabalu niedergelassen hat. Beim Blick auf meine Blutwerte sagt er als erstes er sei zwar kein Wissenschaftler, könne aber sofort sehen, dass mein Blutsauerstoffgehalt zu niedrig sei. Komisch, diese Kleinigkeit scheint den Ärzten im Krankenhaus entgangen zu sein. Er verschreibt mir Medikamente, die die Durchblutung im Mittelohr fördern und damit auch den Schwindel bekämpfen sollen.

Für mich ist mittlerweile das Tauchen in Sipadan ohnehin gestorben. Daggi hat mit Elin, die wir im Hostel in Kota Kinabalu kennengelernt hatten, einen Aufenthalt gebucht. Noch habe ich die Hoffnung, wenigstens in aller Ruhe auf der Insel zu entspannen. Also setzen wir uns gemeinsam in einen Bus nach Sandakan, was auf halber Strecke liegt. Inzwischen schlucke ich seit sechs Tagen die Medikamente, ohne Besserung. Nach einem Tag in Sandakan entschließe ich mich, nach Kota Kinabalu zurückzukehren, während Daggi und Elin weiter nach Sipadan fahren. Später werden wir uns in Kota Kinabalu wiedertreffen, von wo aus wir nach Hongkong fliegen werden.

Eingestellt von Daggi.Oli 09:05 Archiviert in Malaysia Tagged malaysia borneo kota_kinabalu round_the_world tauchen dcs Kommentare (4)

Brunei – ein Land für einen Tag

sunny 30 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Wir sind in Bandar Seri Begawan. Zum Glück ist der Name jetzt zu Papier gebracht. Auch wenn wir länger geblieben wären als nur zwei Nächte, wir hätten ihn uns wohl nie merken können. Immerhin ist Brunei größer als erwartet. Es kann unterscheiden zwischen diversen kleineren Städten, Dschungel und der Hauptstadt. Da sind wir jetzt gerade. Die Innenstadt wird dominiert von einem Gebäude, der Masjid Omar Ali Saifuddien Moschee.
large_P1090644.jpg
Sie machen es uns nicht leicht mit den Namen hier. Da erscheint rückblickend Birma ja noch einfach. Der aktuelle Sultan des Landes beispielsweise heißt offiziell und vollständig Haji Hassanal Bolkiah Muizuddin Waddaulah ibni Al Marhum Sultan Haji Omar Ali Saifuddin Sa´adul Khairi Waddien.

Er galt lange Zeit als reichster Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 40 Milliarden US Dollar. Eine solche Schätzung ist vermutlich ähnlich schwierig wie die des Volumens einer Höhle. Nach diverser Eskapaden seines Bruders, wird die Schätzung einfacher. Als Finanzminister und Kopf einer Firma hatte es der Bruder geschafft, das Ersparte auf etwa 10 Milliarden einzuschmelzen.

Die Moschee stammt anscheinend noch aus besseren Tagen. Nur das Beste wurde beim Bau verwendet, Carrara-Marmor aus Italien, Granit aus Shanghai, Kronleuchter und Glas aus England, Teppiche aus Belgien und Saudi-Arabien.
P1090635.jpgDSC02493.jpg
Für uns sehr positiv überraschend ist, dass wir als Ungläubige die Moschee von innen besichtigen dürfen. Es herrscht insgesamt eine sehr lockere und entspannte Stimmung. Viele Frauen tragen zwar Kopftücher, kleiden sich aber ansonsten westlich leger, teilweise sogar enganliegend und sexy. Was jedoch nicht heißt, dass Haut gezeigt wird. Das geht auf keinen Fall.
In Kuala Lumpur durfte Daggi das Moscheegelände nur mit langem Überwurf inklusive Kopfbedeckung betreten, die Moschee blieb uns komplett verschlossen. Hier hätte sie sogar ohne Kopftuch in den Hauptraum gedurft. Als Daggi aber, um Respekt vor der anderen Religion zu zeigen, doch eine Kopfbedeckung anlegt, freut sich der Aufpasser am Eingang derart, dass er sofort Fotos mit uns machen möchte und uns mehrfach beteuert, dass, wenn wir irgendetwas brauchen, wir jederzeit zu ihm kommen können. Und das, obwohl er so gut wie kein Englisch spricht.
P1090629.jpgP1090626_web.jpg
Diese offene Herzlichkeit und Lockerheit im Umgang mit dem eigenen Glauben ist eine freudige Überraschung in einem Land, welches sich so offensiv zum Islam bekennt. Es gibt beispielsweise keinen Alkohol zu kaufen. Touristen dürfen kleine Mengen für den eigenen Verzehr mitnehmen, müssen dies jedoch bei der Einreise angeben. Das führt zu solch Absonderlichkeiten, dass selbst in der Spitzengastronomie Saft und Wasser zur Foie Gras gereicht werden. Selbst im Empire Hotel, einem Hotel mit unendlich vielen Sternen, eingerichtet ähnlich wie die Moschee vom Sultan persönlich, wird ein Merkblatt im Restaurant ausgeteilt, in dem die nur 40 Autominuten entfernte Grenze empfohlen wird, um sich für den Abend bei gutem Essen entsprechend zu wappnen.

Das Hotel ist, nebenbei bemerkt, anscheinend nicht mehr das, was es einmal war. Zumindest scheint es uns, als wir uns die Lobby und die Gartenanlage ansehen, als sei ein wenig der Lack ab und das Gebäude in die Jahre gekommen. Vermutlich lässt es sich in der teuersten Suite mit eigenem Kino und Swimming Pool mit Wasserfall dennoch gut aushalten. Wobei natürlich zu befürchten ist, dass auf dem Frühstücksbuffet der geräucherte Schinken von der andalusischen Wildsau fehlen dürfte. Ein weiterer Grund, dort nicht abzusteigen.
P1090616.jpgDSC02516.jpg
Interessant sind die Gegensätze, die im Land herrschen. Den meisten Einwohnern geht es auf recht hohem Niveau gut. Viele arbeiten im Staatsdienst, zahlen keine Einkommenssteuer und erhalten kostenlose gesundheitliche Versorgung sowie Altersruhegelder. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Prunkbauten finden sich Wasserdörfer, Siedlungen aus Häusern, die auf Stelzen über das Wasser gebaut sind.
P1090596.jpg
Dort wohnen knappe 30.000 Menschen, von insgesamt etwa 380.000 Einwohnern, die an ihrer ursprünglichen Lebensweise festhalten und meist als Fischer arbeiten oder Touristen auf ihren Booten durch die Dörfer fahren. Immerhin sind die Häuser an Strom und Wasserversorgung angeschlossen. Einzig die Müllentsorgung funktioniert nicht, was dem Wasser unter den Dörfern leider anzusehen ist.
DSC02490.jpg
Nachdem wir uns all das innerhalb eines Tages ansehen und abends um Punkt sechs Uhr die Gehwege hochgeklappt werden, entscheiden wir, unsere Weiterreise einen Tag vorzuverlegen. Wir waren von Miri aus mit dem Taxi nach Brunei gefahren, da die Fahrt nur unwesentlich teurer war als mit dem Bus und der Taxifahrer hatte schon erschrocken reagiert, als wir ihm gesagt hatten, dass wir drei Nächte bleiben möchten. Nun müssen wir ihm recht geben. Wir wüssten nicht, was wir noch einen weiteren Tag in der Stadt unternehmen sollten und in den anscheinend sehr schönen Nationalpark fahren nur organisierte Touren und keine öffentlichen Busse, worauf wir keine Lust haben. Also reisen wir nach nur zwei Nächten in Bandar Seri Begawan weiter nach Kota Kinabalu. Der kürzeste Landesbesuch auf unserer Weltreise.

Eingestellt von Daggi.Oli 08:24 Archiviert in Brunei Tagged borneo moschee brunei round_the_world bandar_seri_begawan Kommentare (2)

Die größten Höhlen Südostasien im Gunung Mulu Nationalpark

overcast 27 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Wie misst man die Größe einer Höhle? Diese Frage drängt sich sofort auf. Ist es das Volumen? Diese Aufgabe ist nur schwer zu knacken, obwohl die Forscher in der Tat versuchen, genäherte Volumina anzugeben. Die Länge oder die Höhe fallen da schon leichter. Und so gilt die Clearwater Cave immerhin als die längste Höhlenverbindung Südostasien. Und wäre sie das nicht, so bliebe sie noch immer eine traumhaft schöne Höhle.
large_P1090465.jpg
Der Park ist nicht ganz leicht zu erreichen. Von Miri aus, wo wir nach 14 Stunden im Bus ab Kuching ankommen, fährt man einen Tag lang mit Allradfahrzeugen, Fähren und Booten. In etwa das gleiche Geld kostet ein halbstündiger Flug. Von oben lässt sich leider sehr gut sehen, wie viele Stellen im Dschungel Rodungen zum Opfer fallen, um weitere Ölpalmen anzubauen. Nachdem es hier um sehr viel Geld geht, ist ein Ende nicht in Sicht.

Obwohl Malaysia im Gegensatz zu allen anderen südostasiatischen Staaten, die wir besucht haben, sehr organisiert und aufgeräumt wirkt, herrscht auch hier eine unglaubliche Korruption. Das wird schon im Kleinen, wie zum Beispiel einer Nationalparkverwaltung, deutlich. Die Leitung des Managements hat der Schwager des aktuellen Ministerpräsidenten von Sarawak übernommen. Gleichzeitig führt er das Royal Mulu Resort, eine Luxusunterkunft an den Parkgrenzen.

Im Park darf inzwischen keine einzige Höhle mehr ohne geführte Tour betreten werden, obwohl die größten und wichtigsten über hervorragend ausgebaute Plankenwege verfügen. Angeblich sei das eine Auflage der Unesco gewesen, um den Status als Weltkulturerbe zu erhalten, führt aber dazu, dass nicht nur der Parkeintritt gezahlt, sondern jede Kleinigkeit extra als Tour gebucht werden muss. Nun gibt es aber weniger Plätze auf Touren als Betten im Park. Das Royal Mulu Resort belegt zudem anscheinend größere Kontingente, um seinen Gästen auf jeden Fall die Teilnahme zu garantieren. Freie Plätze gehen dann nicht zurück an den Park, sondern bleiben offen.

Das Personal ist nicht geschult und häufig völlig überfordert. Wir hätten gerne eine sogenannte Adventure-Caving Tour gemacht, also eine Höhle besichtigt, die nicht über ein ausgebautes Wegesystem verfügt, sondern die mit Kletterausrüstung begangen wird. Alle Touren, die wir uns aussuchen, sind bereits voll. Zunächst wird uns gar keine Alternative genannt und auf Nachfrage eine „normale“ Höhlenbesichtigung. Erst im Gespräch mit anderen Gästen können wir in Erfahrung bringen, dass eine weitere Adventure-Tour zur Stonehorse Cave im Angebot ist, auf der es sogar noch freie Plätze gibt. Sie ist mit zwei Stunden zwar etwas kurz, aber mit Stirnlampe in die dunkle Höhle vorzudringen und sich an einigen Stellen abzuseilen, ist eine besondere Erfahrung, die Lust auf mehr macht.

Abgesehen jedoch von diesen „Unwegsamkeiten“ bietet der Park fantastische Höhlensystem und herrliche Landschaften mitten im Dschungel. Ein Highlight unseres Besuchs ist die dreitägige Tour zu den Pinnacles, die wir zum Glück bereits im Vorfeld telefonisch gebucht hatten.
Der erste Tag führt mit dem Boot zum Ausgangspunkt eines knapp neun Kilometer langen, flachen Wegs zum Camp 5.
DSC02391.jpgP1090502.jpg
Von dort aus beginnt am nächsten Tag der Aufstieg von etwa 1200 Höhenmetern auf nur 2,4 Kilometern Strecke. Wie schon am Gunung Santubong ist der Weg steil und glitschig, diesmal allerdings sollte sich die Aussicht lohnen.
P1090497.jpgP1090474.jpgP1090477.jpgP1090501.jpg
Nachdem wir alle den Weg hinab heil überstanden haben, ist das Tollste anschließend der Sprung in den nahen Fluss. Eine weitere Besonderheit ist uns vergönnt. In der Nähe des Camps blüht ein Exemplar einer Amorphophallus, die nur äußerst selten zur Blüte kommt. Ein Wissenschaftler einer Gruppe Höhlenforscher, die gleichzeitig mit uns im Camp sind, meint angeblich nur alle dreißig Jahre. Diese Information ist allerdings nicht geprüft und erscheint uns extrem lang. Die mannshohe Blume gehört zur gleichen Gattung wie die Rafflesia und wie sie stinkt sie nach verrottendem Fleisch, um Fliegen anzuziehen.
P1090505.jpg
Am letzten Tag, als wir zurück zum Boot müssen, regnet es heftig, was dazu führt, dass die Gruppe, die einen Tag nach uns die Besteigung versuchen möchte, leider nicht hinauf kann und unser Rückweg durch den Wald von Blutegeln nur so wimmelt. Die ekligen kleinen Würmer sitzen auf Blättern und wechseln schnell auf ein vorbeistreichendes Bein oder warten, sich lauernd aufrichtend, auf dem Boden auf unschuldige Opfer. Dort angekommen, saugen sie sich auf die doppelte Größe voller Blut und lassen sich glücklich und zufrieden wieder abfallen.
Eigentlich harmlos, sie übertragen auch keine Krankheiten, aber doch recht unangenehm. In unserer Gruppe sind allerdings auch drei Chinesinnen, die offenbar nicht auf diese Bedrohung gefasst waren. Da sie deutlich langsamer laufen als wir, werden alle zu Opfern. Während wir jeder nur ein oder zwei Blutegel abbekommen, hält eine Chinesin den Rekord mit sieben der Würmer. Ihr T-Shirt ist an einer Stelle rot vom Blut verfärbt. Stunden später sehen wir sie noch immer wie paralysiert im Restaurant des Parks sitzen.

Die Nächte im Park verbringen wir nicht in den Unterkünften innerhalb, sondern in einem sogenannten Homestay direkt vor den Parktoren. Das hat den Vorteil, dass man nicht in Räumen mit 20 Betten schlafen muss – sofern man sich nicht für viel Geld ein kleines Hüttchen im Park leistet – sondern mit großer Wahrscheinlichkeit ein Einzelzimmer hat, da meist mehr Zimmer als Gäste vorhanden sind. Preislich ist es in etwa gleich. Man verzichtet außerhalb auf den Komfort warmer Duschen, die angesichts der Temperaturen aber nicht nötig sind, und 24 Stunden Strom.

Für die Übernachtung im Homestay spricht, dass dadurch die Bevölkerung unterstützt wird, die rund um den Park lebt. Außerdem kommt es so vielleicht zu netten Begegnungen wie unserer mit Elvis. Wir hatten gehört, dass es außerhalb des Parks drei Dosen Bier zum Preis von zehn Ringgit geben soll, wo genau wissen wir nicht. Folglich begeben wir uns direkt am ersten Abend auf die Suche und begegnen beim Flughafen einer Gruppe Einheimischer beim Feierabendbier, von denen uns einer sofort herwinkt. Elvis, wie wir später herausfinden werden. Er fragt als erstes, ob wir günstiges Bier suchen würden. Nachdem wir die Frage bejahen, erfahren wir, dass wir in die entgegengesetzte Richtung laufen müssen. Es ist eine Art Kiosk, der auch Essen anbietet. Und gehört, so gut wie alles in der Umgebung, irgendeinem Verwandten von Elvis.
Als wir dort ankommen, sitzt Elvis, der uns unterwegs auf seinem Motorroller überholt hatte, schon da. Mit einem Bier für sich und dreien für uns. Unerbittlich öffnet er eine Dose nach der anderen, holt neues Bier und will partout kein Geld annehmen. Irgendwann schaffen wir es dann doch, uns ins Bett zu flüchten. Immerhin wartet eine anstrengende Bergbesteigung auf uns.

Den Abend, als wir von den Pinnacles zurückkommen, verbringen wir im Parkrestaurant zusammen mit Lin und Pete, einem sehr netten englischen Paar, die mit uns auf der Tour waren. Wieder in unserer Unterkunft, die übrigens von irgendeinem Verwandten von Elvis geführt wird, sitzen dort Bea, eine Chilenin, die auch mit bei den Pinnacles war und Elvis, beide nicht mehr ganz nüchtern. Elvis hatte auf uns im Homestay gewartet. Er wusste ja, wann wir von dem Ausflug zurückkehren würden. Da wir nicht erschienen waren, hatte er sich Bea angenommen und mit ihr offenbar den Abend im gleichen Stil wie mit uns verbracht. Obwohl die erste Begegnung mit ihm lustig war, sind wir, zugegeben, nicht ganz böse, ihn verpasst zu haben. Angesichts leider eingeschränkter Englischkenntnisse wäre die Konversation nur eine Wiederholung des ersten Abends geworden. Und unsere Malaikenntnisse beschränken sich auf das Wissen, dass, wenn man nur schnell genug den englischen Satz „Tear off my car seat“ sagt, es fast wie „danke“ auf Malai klingt. Während unserer weiteren Tage im Park sehen wir Elvis nicht mehr, haben aber immerhin bei unserem Abflug noch die Chance, uns von ihm zu verabschieden. Er arbeitet im Souvenirladen im Flughafen.

Im Park versuchen wir jeden Abend vergeblich, den Ausflug der Fledermäuse aus der Deer Cave zu sehen. Allerdings kommen sie wegen des regnerischen Wetters leider immer nur tröpfchenweise in Gruppen zu mehreren Hundert hinaus und nicht, wie an guten Tagen, in hunderttausenden. Fachleute schätzen, dass in der Höhle rund zwei Millionen Fledermäuse leben.
P1090555.jpg
Die Höhle selbst ist riesig und extrem beeindruckend.
P1090544.jpgP1090535.jpg
Eine Gesteinsformation beim Eingang bildet ein Gesicht. Ob es Abraham Lincoln ist, wie allgemein behauptet wird, bleibt jedermanns eigener Fantasie überlassen.
P1090538.jpg
Besonders schön sind jedoch die eingangs bereits erwähnte Clearwater Cave...
P1090464.jpgP1090466.jpg
… und die Wind Cave.
P1090458.jpgP1090459.jpgP1090460.jpg

Große Tiere haben wir im Park gar keine gesehen. Aber dafür unzählige Hundertfüßer (nicht anfassen – giftig)...
DSC02370.jpg
… Tausendfüßer (anfassen kein Problem)...
DSC02424.jpg
… lustige Krabbeltiere, die bei Gefahr zum Ball werden....
DSC02445.jpgDSC02444.jpgDSC02442.jpg
… und nachtaktive Laternenkäfer.
large_DSC02473_crop.jpg
Damit endet unsere Zeit im Mulu Nationalpark. Wir waren fünf volle Tage dort und hätten, freie Plätze in den Touren vorausgesetzt, noch wenigstens zwei weitere füllen können. Für Abenteuerlustige, die vierstündige Adventure-Caving Tour durch die Clearwater Connection muss großartig sein – sagen zumindest diejenigen, die einen Platz ergattern konnten. Unsere Empfehlung, unbedingt anrufen und im voraus bei der Parkverwaltung buchen.

Eingestellt von Daggi.Oli 11:19 Archiviert in Malaysia Tagged caves malaysia borneo mulu sarawak miri round_the_world gunung_mulu_nationalpark Kommentare (0)

(Einträge 4 - 6 von 101) « Seite 1 [2] 3 4 5 6 7 8 9 10 .. »