Reise blog von Travellerspoint

April 2010

Der Quilotoa-Loop: Erste Etappe

Von Machachi bis Chugchilán

overcast 15 °C
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Nach dem Corazón hätten wir gerne noch den Iliniza Norte bestiegen, der über 5200 Meter hoch ist und rein technisch nicht schwierig sein soll. Wegen der Erfahrung beim Corazón ist uns diese Tour allerdings zu heikel. Das Wetter ist zu dieser Jahreszeit einfach zu unbeständig.

Und so beschliessen wir, den Quilotoa-Loop zu fahren, eine Schleife westlich der Panamericana. Unser erstes Ziel heisst Chugchilán und ist erstaunlich schwierig zu erreichen. Bei Machachi finden wir an der Panamericana sofort einen Bus, der uns bis zur Kreuzung bringt, an der die Schleife beginnt. Zwei einheimische Frauen, die das gleiche Ziel haben, sind uns behilflich. Mit einer Camioneta geht es ein kurzes Stück weiter. An der nächsten Kreuzung steigen die beiden Frauen in eine andere, voll besetzte Camioneta um und bedeuten uns noch, dass der Bus, der in diesem Moment an uns vorbeirauscht, nach Sigchos fährt, nur eine Ortschaft vor unserem eigentlichen Ziel. In diesem Moment tut es die Camioneta dem Bus gleich und ist auf und davon.

Plötzlich stehen wir alleine an der Kreuzung im nirgendwo. Das Angebot eines vorbeikommenden Taxifahrers uns für 30$ nach Sigchos zu fahren, lehnen wir dankend ab. Im Bus kostet die gleiche Strecke nicht mehr als $1,50 pro Person. Nur kurze Zeit später kommen wir für 25 ct ins nächste Dorf. Dort warten wir auf einen Bus nach Sigchos, bis uns ein Einheimischer verrät, dass es einen Bus gibt, der bis kurz vor Chugchilán durchfährt. Während wir auf diesen Bus warten, fängt es an, in Strömen zu regnen. Rund eineinhalb Stunden später drängen wir uns endlich in einen Bus, der vor lauter Schulkindern aus allen Nähten platzt. Es scheint nicht mehr möglich, hineinzukommen, aber irgendwie gelingt es doch. Im Laufe der Fahrt leert sich der Bus und irgendwann sitzen wir sogar nebeneinander.

In Sigchos stellt unser Busfahrer fest, dass einer der Hinterreifen geflickt werden muss. Der lokale "Vulcanizador" eilt herbei, zerlegt den kompletten Reifen, zieht einen neuen Schlauch ein und nur eine Stunde später geht die Fahrt weiter. Nach einer Viertelstunde, wir haben gerade das Dorf verlassen, ist plötzlich ein ohrenbetäubender Knall zu hören. Ein Hinterreifen ist geplatzt - immerhin ein anderer als der eben reparierte. Diesmal geht es schneller. 40 Minuten später fahren wir mit dem aufgezogenen Ersatzrad weiter. Wir können es kaum glauben, aber wir kommen tatsächlich noch am gleichen Tag in Chugchilán an, wo wir ziemlich früh ins Bett fallen. Reisen ist mindestens so anstrengend wie wandern.

Eingestellt von Daggi.Oli 17:52 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world Kommentare (0)

Die (Nicht-) Bezwingung des El Corazón

overcast 20 °C
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Vier Wochen Spanischunterricht sind geschafft. Kleine Unterhaltungen à la "Woher kommst Du? Was machst Du? Wohin fährst Du?" mit anderen Reisenden sind nun schon möglich. Wie auch z.B. in ganzen Sätzen nach dem Weg oder einer Unterkunft fragen. Diese Kenntnisse wollen wir sofort nutzen und fahren noch am Freitag, dem letzten Unterrichtstag, weiter in die Anden, nach Machachi, um auch unsere bergsteigerischen Fähigkeiten zu testen.

Der Panamericana nach Süden folgend bieten sich hierfür an der von Humboldt sogenannten "Avenida de los Volcanes" unzählige Möglichkeiten. Über ein dutzend Bergmassive zwischen rund 4000 und 6000 Meter Höhe versammeln sich auf einem recht kurzen Streckenabschnitt. Unsere Wahl fällt auf den El Corazón, der trotz stattlicher 4792 Meter Höhe als ausgesprochen leicht zu besteigen gilt.

Nach einem Tag Ruhepause in Machachi geht es am Sonntag um sechs Uhr früh los. Die Wanderung beginnt auf rund 3150 Meter Höhe. Wenn wir bis zum Gipfel wollen, müssen wir also über 1600 Höhenmeter bezwingen. Bis knapp unter den Gipfel erinnert der Weg an einen Wanderpfad im deutschen Mittelgebirge. Sanft ansteigend führt er durch eine grün bewachsene Landschaft. Einzige Gefahr: frei laufende Stiere auf manchen Streckenabschnitten. Zum Glück sind die drei, denen wir insgesamt begegnen noch recht jung und haben vor uns genau so viel Angst wie wir vor ihnen. Beide Parteien nehmen jeweils in entgegengesetzter Richtung Reisaus. Ein ausgewachsenes Exemplar, das in einem Gatter eingeschlossen ist, hätte da wohl anders reagiert. Jedenfalls muss das Gatter einiges aushalten, als wir daran vorbeigehen.

Einzig das Wetter kann uns jetzt noch einen Strich durch die Rechnung machen. Leider ist im April noch Regenzeit und an den meisten Tagen regnet es nachmittags ca. ein bis drei Stunden. Allerdings sind wir guter Dinge. Es hatte in der vorigen Nacht geregnet. Dann reisst am nächsten Tag häufig die Wolkendecke länger auf. Bis gegen zehn Uhr sieht es auch gut aus und man hat einen schönen Blick ins Tal von Machachi:

P1020509.jpgP1020510.jpg

Dann kommt leider ein kurzer Schauer. Dank guter Regenjacken kann uns der nicht viel anhaben. Auf dem weiteren Weg regnet es mit Unterbrechungen immer wieder. In einer Wiese, die wir durchqueren müssen, werden durch das hohe Gras unsere Hosen vollständig nass.

Kurz darauf erreichen wir den letzten Abschnitt der Wanderung. Vielleicht 300 Höhenmeter bis zum Gipfel muss man ein etwas steileres Geröllfeld hochklettern. Kurz nachdem wir damit begonnen haben, fängt es an zu hageln. Es ziehen immer wieder dichte Wolken über den Bergrücken. Da der Hagelschauer nur kurz anhält, gehen wir noch ein wenig weiter. Doch wenig später beginnt es erneut. Als wir dann auch noch Donner hören, steht der Entschluss fest und rund 150 Meter unterhalb des Gipfels kehren wir um. Bedauerlich, aber von der Aussicht auf die umliegenden Vulkane und bis an die Küste hätten wir sowieso nichts gehabt. Auch die Kondore, die es hier gibt, hätten wir wohl eher nicht gesehen.

Nachdem wir inkl. Pausen knapp über sechseinhalb Stunden bergauf gegangen sind, geht der Rückweg deutlich schneller. Angetrieben durch mittlerweile strömenden, nicht mehr nachlassenden Regen kommen wir nach drei Stunden wieder am Ausgangspunkt an. Mittlerweile sind wir nass bis auf die Unterhosen. Die Wanderschuhe sind eine knappe Woche später noch nicht trocken.

Der Corazón hat leider kein gutes Herz bewiesen. Trotzdem war es ein Abenteuer in dieser Höhe zu wandern.

Eingestellt von Daggi.Oli 17:50 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world Kommentare (0)

Osterprozessionen in Quito

sunny 30 °C
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Die vergangene "Arbeitswoche" war etwas kürzer, da der Karfreitag einer der wichtigsten Feiertage ist und wir somit auch keinen Unterricht hatten. Für uns überraschend ist der Ostermontag aber wieder ein normaler Arbeitstag.

Bereits in der Karwoche, der Semana Santa, bieten so gut wie alle Restaurants Fanesca an. Eine fleischlose Suppe aus zwölf verschiedenen Getreidekörnern, Ei, Käse und getrocknetem Kabeljau. In ecuadorianischen Familien gibt es diese aufwendig zuzubereitende Suppe üblicherweise am Karfreitag. Wir probieren sie bereits am Mittwoch und befinden sie für gut.

Das eigentliche Highlight des Karfreitag sind jedoch die Prozessionen durch die Altstadt.

Quito_Oste..zession.jpg

Hier zeigt sich besonders, dass die Religiosität der Menschen in Lateinamerika noch eine andere Dimension hat als bei uns. Es geht darum, den Leidensweg Christi darzustellen. Viele Menschen tragen extrem schwere Holzkreuze den gesamten Weg der Prozession,

Quito_Oste..aeger01.jpg

andere binden sich Brennnessel oder Kakteen an den nackten Oberkörper,

Quito_Ostern_Kaktus.jpg

oder umwickeln sich mit Stacheldraht.

Quito_Oste..eldraht.jpg

Zusätzlich laufen sie auf dem kochend heissen Asphalt barfuss. Ausgerechnet an diesem Tag brennt die Sonne vom Himmel. Diese Selbstkastaiungen wirken auf uns ein wenig erschreckend. Für die Quiteños sind die Prozessionen ein Ereignis. Die gesamte Stadt ist auf den Beinen, in den Strassen ist kaum ein durchkommen.

Quito_Ostern_Menge.jpg

Am späten Nachmittag jedoch geht alles dem Ende entgegen und ein plötzlicher tropischer Weltuntergangsplatzregen vertreibt die letzten verbliebenen.

Eingestellt von Daggi.Oli 13:59 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world Kommentare (2)

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