Reise blog von Travellerspoint

Mai 2010

Medellin - Zwei Gesichter einer Stadt

sunny 25 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Die Entscheidung ist gefallen. Wir möchten zunächst auf dem Landweg, soweit möglich, nach Panama, um dann mit dem Segelschiff nach Cartagena zurückzukehren und unsere Kolumbienreise fortsetzen. Es gibt eigentlich keinen Grenzübergang auf dem Land zwischen Panama und Kolumbien. Dennoch kann die Grenze überquert werden. Von Kolumbien kommend fährt man zunächst nach Turbo, von wo man in viereinhalb Stunden per Boot ins Grenzdörfchen Capurganá reisen kann. Hier werden die Ausreiseformalitäten erledigt. Ein weiterer 40-minütiger Bootstrip bringt einen ins panamesische Nachbarstädtchen Puerto Obaldía. Das also ist unser Plan. Jedenfalls so lange, bis wir mit Stefan gesprochen haben, dem deutschen Teilhaber des Hostels in dem wir in Medellin absteigen. Er hätte die Schiffsüberfahrt zwar noch nie selbst gemacht, aber gehört, dass die Wind- und Wellenrichtung die Fahrt von Kolumbien nach Panama begünstige. Nach der Galápagos-Erfahrung ein gewichtiges Argument. Wir beginnen also erneut, über unseren Plan nachzudenken.

Währenddessen sehen wir uns Medellin an.
P1030240.jpg
Früher mit denkbar schlechtem Ruf als Hauptsitz des Drogenbarons Pablo Escobar, hat sich die Stadt inzwischen mit unglaublichen Anstrengungen zu einem Touristenmagneten entwickelt. Es gibt ein Gesetz laut dem grosse neue Gebäude moderne Kunstwerke integrieren müssen. So finden sich dann auch viele architektonisch aussergewöhnliche Gebäude in der Stadt.
P1030228.jpgP1030225.jpg
P1030206.jpgP1030207.jpg
Grosse Teile des Freizeitangebots sind kostenlos. Selbst Touristen, die sonst gerne mal doppelt so viel bezahlen, dürfen kostenfrei in den botanischen Garten oder die Bibliotheken der Stadt benutzen, die sogar Rechner mit Internetzugang bereitstellen. Es gibt zwei Seilbahnen, die als Teil der Metro innerhalb einer Fahrt zum Preis von umgerechnet unter einem Dollar mitbenutzt werden können. Grosse Polizeiaufgebote sorgen im Innenstadtbereich für Sicherheit.

Bei der Fahrt mit einer der Seilbahnen bekommen wir den Hauch einer Ahnung, wie das andere Gesicht dieser Stadt aussieht. Es gibt immer noch viele Randbezirke in denen Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung sind. Die Seilbahn überquert eines dieser Viertel. Plötzlich sind drei oder vier Schüsse zu hören. Die Kolumbianer, die mit uns in der Gondel sitzen, reagieren genauso erschrocken wie wir. Zu sehen ist zum Glück nichts. Da wir uns weit über dem Geschehen schweben und jede Metrostation mit bewaffneten Polizisten besetzt ist, befinden wir uns in absoluter Sicherheit. Dennoch fühlt es sich erschreckend anders an als die Szenen, die man gewöhnlich im Kino sieht.

Hier hat die Stadt noch einiges mehr zu tun, als kostenfreie Bibliotheken zur Verfügung zu stellen. Vor ein paar Jahren beispielsweise wurde das Viertel “Pablo Escobar” nicht einmal offiziell anerkannt, wodurch es bei allen Entwicklungsmassnahmen vollständig unberücksichtigt blieb. Offenbar hatte Pablo Escobar auf seine alten Tage ein schlechtes Gewissen bekommen und mit seinem unglaublichen, mit Drogen verdientem Vermögen hunderte von Häusern bauen lassen, wo nun arme Schichten der Bevölkerung kostenfrei wohnen dürfen. Mit viel Eigeninitiative versuchen die Bewohner ihr Viertel sicherer zu machen und ihren Kindern eine Zukunft zu bieten. Der aktuelle Stand ihrer Bemühungen um Anerkennung entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir möchten es auch nicht an Ort und Stelle herausfinden, sondern bleiben in den Gebieten, um die sich die Stadt kümmert.

Inzwischen haben wir auch eine endgültige Entscheidung zur Weiterreise getroffen. Wir werden unseren Flug von Bogotá nach Lima um vier Wochen auf Mitte Juli nach hinten verlegen, segeln von Cartagena nach Panama, um weniger schaukeln zu müssen und werden den "Landweg" zurückkommen.

Eingestellt von Daggi.Oli 18:52 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (0)

Salento in der kolumbianischen Zona Cafetera

sunny 25 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Der Name kommt nicht von ungefähr. Hauptsächlich zwischen 800 und 1800 Meter Höhe gelegen mit idealen Wetterbedingungen sind die drei Regionen Caldas, Quindío und Risaralda die Hauptanbaugebiete für kolumbianischen Kaffee. Im Gegensatz zu Ecuador, wo auch Kaffee angebaut, aber immer nur Pulverkaffee getrunken wird, gibt es in Kolumbien eine ausgeprägte Kaffeekultur. Die Leute lieben ihren Kaffee - zurecht - und trinken ihn bei jeder Gelegenheit. Die eigene Erklärung der Ecuadorianer ist übrigens die viele Arbeit, die die Zubereitung echten Kaffees benötige.

In Salento gibt es jedenfalls in dem Hostel, in dem wir absteigen, ganztägig kostenlos hervorragenden Kaffee von der eigenen Plantage und wir versuchen wieder alles aufzuholen, worauf wir in Ecuador verzichten mussten. Salento ist ein bei Backpackern beliebtes Dorf. Die entspannte und ruhige Atmosphäre lädt zum Verweilen ein. Gäbe es nicht so viel anderes zu sehen, wäre es uns leicht gefallen, hier noch ein wenig das Leben zu geniessen.

In der Gegend lassen sich auch schöne Wanderungen unternehmen.
P1030205.jpgP1030151.jpg
Ein nicht zu anstrengender Ausflug in der Umgebung führt ins Valle de Cocora, einer Gegend, wo noch hunderte von Wachspalmen stehen, die es nur in Kolumbien gibt. Früher wurden die bis zu 60 Meter hohen Bäume zur Herstellung von Kerzenwachs verwendet, heute ist der Bestand leider bedroht.

Teil der Wanderung ist auch der private Landbesitz Acaime, wo mit Zuckerwasser Kolibris angelockt werden, die wiederum Touristen anlocken. Auch wenn so relativ einfach schöne Fotos gelingen...
P1030168.jpg
... schadet diese Praxis leider den Kolibris, da sich diese durch das grosse Nahrungsangebot über die Massen vermehren. Fehlt dann nur einen Tag das Zuckerwasser, kostet das vielen das Leben, da sie in der Natur nicht genügend Nahrung finden. Trotz allem ist es natürlich auch für uns phantastisch, diese faszinierenden Vögel zu beobachten. Wir bleiben relativ lange, so dass wir auf dem Rückweg das Tempo ziemlich anziehen, um nicht zwei Stunden auf den nächsten Jeep warten müssen. Im Laufschritt schaffen wir es noch und holpern so mit insgesamt elf Passagieren in dem Jeep, der eigentlich für fünf Personen ausgelegt ist, in Richtung Dorf.

Wir bleiben noch einen Tag und versuchen eine Entscheidung zu unserer weiteren Reiseroute zu treffen. Seit unserem Gespräch mit Taieb in San Agustín spuken die San Blas Inseln in Panama in unseren Köpfen herum. Ein Besuch dort liesse sich sehr gut mit einem Segelturn von Panama nach Cartagena in Kolumbien oder umgekehrt verbinden. Die Entscheidung ist nicht einfach…

Eingestellt von Daggi.Oli 21:56 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (0)

San Agustín - Im Tal der Statuen

und ein Zuhause zum Verweilen

semi-overcast 23 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Von Popayán geht es über einen holprigen Weg nach San Agustín. Je nach Strassen- und Wetterlage dauert die Fahrt der nicht mal 100 Kilometer zwischen fünf und neun Stunden. Wir haben Glück und schaffen die Strecke inklusive Mittagspause in fünfeinhalb. Es gibt zwei Gründe San Agustín zu besuchen. Die fantastische, grüne Berglandschaft und die Zeugnisse einer alten Kultur, die bis ins Jahr 3300 vor Christus zurückreichen.

Für uns kommt noch ein dritter Grund hinzu. Kaum sind wir aus dem Bus ausgestiegen, kommen einige Schlepper auf uns zu, die uns diverse Hostels schmackhaft machen möchten. Wir hatten uns sowieso schon eines ausgesucht und erfragen dessen Preis bei einem der Schlepper. 20 Minuten Fussweg später, bergauf natürlich, kostest das Zimmer plötzlich mehr als unten am Bus. Ein wenig verärgert stehen wir kurz darauf wieder am Fuss des Hügels und sehen uns nach Alternativen um, als uns ein Motorradfahrer anspricht, ob er uns helfen könne. Wie sich herausstellt der Inhaber des Hostels, das wir gerade verlassen hatten. Als er die Geschichte hört, empfiehlt er uns ein erst vor vier Monaten eröffnetes Hostal, das unseren Preisvorstellungen entspricht. Der Aufenthalt dort sollte unser eigentliches Highlight von San Agustín werden.

Das Posada El Hogar wird von dem französischen Paar Audrey und Taieb geführt. Ein sehr gemütlich eingerichtetes, altes Haus am Dorfrand.
posada-el-..600x450.jpg
Im grossen Garten toben ausserdem noch die beiden sechs Monate alten Hundebrüder Bakschisch und Sindbad. Besonders Bakschisch ist ein echter Clown. Wir sind die einzigen Gäste und erfahren entsprechend viel Aufmerksamkeit. Schnell stellt sich heraus, dass wir uns hervorragend verstehen und so verbringen wir die nächsten Tage einige Stunden im El Hogar mit herzlichen Gesprächen. Wir haben uns so wohl gefühlt, wir wären gerne länger geblieben und die Verabschiedung fühlte sich eher an wie unter Freunden. An dieser Stelle den beiden nochmals alles Gute für ihr Projekt: buena suerte!

Eigentlich waren wir aber natürlich wegen der vielen Statuen gekommen, die in der Gegend zu finden sind. Man weiss nicht viel über die Menschen, die sie geschaffen haben. So erfahren wir nur, dass die Statuen auf Gräbern liegend gefunden wurden, sie tragen indigene und asiatische Merkmale und es gibt keine Funde von Schriftzeichen.
P1030116.jpgP1030112.jpgP1030087.jpg
P1030086.jpgP1030077.jpg

Alleine im Parque Arqueológico bei San Agustín stehen 130 Figuren, in der weiteren Umgebung finden sich etliche weitere Stätten. Wir verbringen einen Tag mit einer Jeeptour zu den weiter entfernten Plätzen und einen weiteren im Parque sowie bei El Tablón und La Chaquira, die in Fussnähe liegen. Die Statuen in der herrlich grünen Berglandschaft haben etwas magisches.
large_P1030139.jpg

Eingestellt von Daggi.Oli 21:48 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (1)

(Einträge 4 - 6 von 8) Vorher « Seite 1 [2] 3 » Nächste