Reise blog von Travellerspoint

Juni 2010

Capurganá - unentdeckte Karibik

sunny 30 °C
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Um in das kurz vor der kolumbianischen Grenze gelegene Städtchen Puerto Obaldía zu gelangen, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder mit dem Boot die Atlantikküste entlang, oder mit dem Flugzeug ab Panama City. Da der Weg mit dem Boot überhaupt nicht planbar ist, entscheiden wir uns für das Fliegen und verlassen die Hauptstadt in einer kleinen Zweipropellermaschine mit Platz für maximal 20 Passagiere. Für die Flieger unter uns, in einer De Havelland Twin Otter.
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Obwohl wir schon einmal in Berlin mit einem originalen Rosinenbomber fliegen durften, hat dieser Flug etwas noch unmittelbareres, direkteres. Wir sitzen in der ersten Reihe hinter dem Cockpit, von den Piloten während des gesamten Fluges nur durch einen offenen Vorhang getrennt und kommen so in den Genuss, die Landung durch die Frontscheibe verfolgen zu können.
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Der "Flughafen" von Puerto Obaldía vermittelt den gleichen direkten Eindruck wie unser Flug. Keine technischen Spirenzien wie ein Tower oder Ganzkörperscanner.
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Ein paar wenige Häuser bilden das Dorf, ansonsten umgibt uns das Meer und undurchdringlicher Dschungel, der sogenannte Darien Gap. Übrigens die einzige Stelle, an der die Panamericana unterbrochen ist. Um von hier aus nach Kolumbien zu gelangen, bleibt nur der Weg über das Wasser. Mit Lanchas, kleinen Booten mit grossen Aussenbordmotoren, werden die Aus- und Einreisewilligen transportiert.
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Zuvor stören wir noch kurz den Beamten des Immigrationsbüros an seinem freien Sonntag, um einen Ausreisestempel zu erhalten. Die rund 15 Minuten Bootsfahrt entlang der Küste sind spektakulär. Steile Klippen, Höhlen und dichter Bewuchs bis zum letzten Felsbrocken.

In Capurganá auf kolumbianischer Seite gilt unser erster Besuch dem dortigen Einreisebüro, wo eine Grenzbeamtin mit Katze auf dem Schoss uns weitere 45 Tage gewährt, nachdem sie unsere Kreditkarten als Beweis für ausreichende Liquidität geprüft hatte.

Das Dorf strahlt eine angenehme, karibische Entspanntheit aus und wir fühlen uns sofort sehr wohl. Der Backpackertourismus ist hier bisher noch nicht angekommen - auch nach Capurganá führt keine Strasse, das einzige Auto ist ein Traktor, der den Müllanhänger zieht. Andere Transporte finden mit Pferdekarren statt. Allerdings ist es ein bei Kolumbianern beliebtes Reiseziel, so dass die wichtigste touristische Infrastruktur, Unterkünfte und Restaurants, zur Genüge vorhanden sind.

Noch entspannter und vor allem idyllischer ist Sapzurro, das direkt an der Grenze zu Panama liegt. Ohne Übertreibung, das schönste Fleckchen Erde der kolumbianischen Karibikküste! Von Capurganá führt eine einstündige Wanderung durch den Dschungel nach Sapzurro, das traumhaft in einer Bucht liegt.
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Wer möchte kann ein wenig weiter gehen und eine Grenze überqueren, die den Titel "entspanntester Grenzübergang der Welt" verdient hätte. Die Kolumbianer und Panamesen teilen sich eine kleine Hütte.
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Von Leuten, die nur kurz nach La Miel in Panama zum Strand möchten, werden die Passinformationen abgeschrieben, danach darf passiert werden. Der weisse Strand von La Miel gilt als der schönste in der Gegend, uns hat jedoch Sapzurro besser gefallen, da in La Miel für unseren Geschmack zu viele Essensbuden mit zu lauter Musik stehen. Das Wasser ist allerdings unglaublich warm und man könnte endlos darin bleiben. Auf dem Rückweg werden wir an der Grenze nur noch durchgewunken. In Sapzurro schliesst sich uns mal wieder ein Fremdenführerhund an, der uns die Stunde bis Capurganá begleitet. Im Dschungel entdecken wir noch ein Bild, das einem Horrorfilm entstammen könnte. Leute mit Arachnophobie sollten sich das nächste Foto besser nicht ansehen.
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Wir sehen hier unzählige sogenannte Goldnetzspinnen. Die Netze schimmern tatsächlich golden, die Fäden sind nicht so klebrig wie die anderer Spinnen und gelten als eines der stabilsten existierenden Materialen.

Ein weiterer Ausflug führt in den Dschungel, einen kleinen Fluss entlang, der unterwegs mehrfach durchquert werden muss, bis zu El Cielo (Der Himmel). Dort gibt es Naturbecken und kleine Wasserfälle, die man auch hochklettern kann.

Wieder zurück in Capurganá überlegen wir kurz, noch eine Nacht in Sapzurro zu verbringen, was sich sicher gelohnt hätte. Da wir aber bereits San Blas hinter uns haben und noch mehr Strand auf der Route vor uns liegt, entscheiden wir uns für die Weiterreise.

Eingestellt von Daggi.Oli 20:23 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (1)

Panama City

sunny 28 °C
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Nach der ersten Nacht im Hostel gelingt es uns zum ersten Mal während unserer Reise, eine Übernachtungsmöglichkeit über Couchsurfing zu organisieren. Wir dürfen drei Nächte bei Alejandro, einem Werbefilproduzenten, schlafen. Der Empfang ist sehr herzlich. Wir haben unser eigenes Zimmer, eigenes Bad, eigenen Schlüssel und fühlen uns schnell wie daheim. Alejandro opfert sogar seinen freien Samstag und fährt mit uns zur Miraflores Schleuse, damit wir uns den Panama Kanal ansehen können. Und das, obwohl er schon lange nicht mehr zählt, wie oft er bereits dort war.

Der Kanal ist enorm beeindruckend. Der erste, der die Idee einer Verbindung von Atlantik und Pazifik hatte, war im Jahr 1524 der spanische König Charles V. Erst 1881 wurde der erste, erfolglose Versuch unternommen, bei dem innerhalb von rund neun Jahren über 22.000 Arbeiter an Gelbfieber und Malaria starben. Unter fragwürdigen Umständen sicherten sich später die USA die Rechte an der Kanalzone. Zwischen 1904 und 1914 gelang unter ihrer Herrschaft der Durchbruch, eine unglaubliche Ingenieursleistung.

Als wir dort waren, passierten zwei grosse Schiffe die Miraflores Schleusen, ein Kriegsschiff und ein Containerschiff, ein sogenanntes "Panamax". Grössere Schiffe als dieses können zur Zeit den Kanal nicht nutzen. Zwischen Schiff und Schleusenwand sind jeweils nur noch 60 cm Platz!
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Der Preis für die Durchfahrt berechnet sich übrigens nach Gewicht und Ladung. Das Panamax musste über 300.000 Dollar zahlen und kommt dabei immer noch günstiger davon, als um die Südspitze des amerikanischen Kontinets zu fahren, was zusätzliche zwei Wochen benötigt. Ein weiterer Superlativ, der nachdenklich stimmt: Mit jeder Schiffspassage werden knappe 200 Millionen Liter Frischwasser in den Ozean geleitet. Die Erweiterung des Kanals, die 2014 fertig werden soll, hat immerhin Auffangbecken, die helfen sollen, Wasser zu sparen.

Neben diesem Must See hat Panama City noch eine schöne Altstadt, Casco Viejo, die einen Besuch wert ist. Hier wird zur Zeit sehr viel renoviert. Es finden sich wunderschöne koloniale Häuser mit teuren Restaurants oder Andenkenläden neben kolonialen Ruinen, die zum Teil wohl auch bald teure Restaurants oder Hotels sein werden.
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Interessant ist, dass Casco Viejo nicht der älteste Teil der Stadt ist. Von Panama Viejo, der ersten Siedlung, stehen heute nur noch ein paar Ruinen, nachdem Captain Henry Morgan die Stadt 1671 überfallen und vollständig ausgeraubt hatte. Erst danach entstand das etwas geschützter gelegene Casco Viejo.
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An dem Tag, an dem wir uns die Ruinen ansehen möchten, sind wir vormittags noch kurz in einem Internetcafé, unter anderem, um eine Mail an Astrid und Thomas zu schreiben, einem deutschen Motorradfahrerpärchen, das mit uns auf dem Segelschiff nach San Blas war. Auf dem Rückweg von El Copé waren wir im Bus an den beiden vorbeigefahren, leicht zu erkennen am blauen Motorrad mit Beiwagen. So viele von der Sorte fahren hier nicht. Zufällig ist Astrid auch online, antwortet sofort auf unsere Mail und wir verabreden uns, um zusammen die Ruinen zu besichtigen. Es wird ein sehr schöner Tag, den wir erst spät nachts nach einem gemeinsamen Abendessen beenden. Unser geplantes Kochen für Alejandro müssen wir auf den folgenden Abend verschieben, der auch unser letzter in Panama sein wird. Wir möchten langsam den Rückweg Richtung Süden antreten.

Eingestellt von Daggi.Oli 16:05 Archiviert in Panama Tagged round_the_world Kommentare (0)

Im Nebelwald von El Copé

Parque Nacional Omar Torrijos Herrera

sunny 20 °C
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Der Nebelwald lässt uns offenbar nicht los. Vielleicht schaffen wir es in in Bolivien endlich in den richtigen Dschungel. Dieses Mal ist unser Ziel der nördlich des kleinen Dörfchens El Copé gelegene Parque Nacional Omar Torrijos Herrera.

Die etwas schwierige Anreise hält die grossen Touristenströme fern. Von El Copé, das wir innerhalb eines Tages von Boquete aus erreichen, geht es mit einem Minibus weiter nach Barrigón. Ab dort läuft man rund eine Stunde bergauf zum Parkeingang. Im Park gibt es eine kleine, traumhaft schön gelegene Cabaña, in der übernachtet werden kann.
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Folglich haben wir unser ganzes Gepäck und Essen für drei Tage mit dabei, während wir uns den Weg hochquälen. Aber wir haben Glück. Für einen Dollar mehr hatte uns der Minibusfahrer schon ein Stück höher gefahren als üblich und nach nur 20 Minuten Fussweg kommt ein Jeep vorbei, der uns den restlichen Weg bis zum Parkeingang mitnimmt. Wir mieten uns also für drei Nächte in der Cabaña ein und hoffen auf die spektakuläre Tierwelt des Parkes: Brüllaffen, Kapuzineraffen, Tapire, Nasenbären, Ameisenbären, Tukane und unendlich viele andere Vogelarten.

Während der ersten Wanderung sehen wir einen Tausendfüsser und einen wachtelähnlichen Vogel im Unterholz. Die Höhepunkte der Nacht und des zweiten Tages sind faustgrosse Kröten, die dafür in rauhen Mengen, ein paar Kolibris und immerhin - ein Tukan. Und der sogar komplett frei in einem abgestorbenen Baum ohne störende Blätter.

Am folgenden Tag sind wir um kurz nach sechs Uhr früh bereits auf dem Gipfel eines Hügels, der von der Cabaña aus in 20 Minuten erreicht werden kann. Oben ist es bei klarer Sicht möglich, sowohl den Pazifik wie auch den Atlantik zu sehen. Viel mehr beeindruckt uns aber der Blick über den sich scheinbar endlos erstreckenden Nebelwald.
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Etwas später erkunden wir diesen Wald wieder in seinem Inneren und glauben zunächst einen drei Kilometer langen Rundweg zu gehen. Nach vier Stunden Wanderung drehen wir um, da der Pfad ständig in die falsche Richtung führt und keine Anstalten macht, die richtige Kurve einzuschlagen. Irgendwann merken wir, dass wir eine Abzweigung falsch genommen hatten. Die Anstrengungen haben sich mal wieder nur wegen der beeindruckenden Flora gelohnt. Die Fauna hält sich wie so oft bedeckt. In manchen Momenten wünschen wir uns nach Galápagos zurück.

Inzwischen, nach drei Tagen, ist auch unser letztes Hemd durch den ständig durch die Cabaña ziehenden Nebel völlig klamm und feucht. Wir fliehen nach Panama City, das etwas trockener und insektenärmer ist.

Eingestellt von Daggi.Oli 15:36 Archiviert in Panama Tagged round_the_world el_copé nebelwald Kommentare (1)

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