Reise blog von Travellerspoint

Juli 2010

Wandern bei San Gil und Barichara

Der Camino Real Lengerke

sunny 28 °C
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San Gil gilt als Zentrum aller Outdooraktivitäten in Kolumbien. Alles ist hier möglich: Rafting, Kayaking, Paragliding, Caving, Abseiling (kein Witz!) und vieles mehr. Wir entscheiden uns für eine altmodische Wanderung.

Zuvor müssen wir noch eine Nacht in San Gil in einem winzigen Zelt verbringen. Es scheint eher für Angehörige andiner Kulturen entworfen zu sein, unsere europäischen Füße finden jedenfalls keinen Platz mehr und müssen die Nacht außerhalb verbringen. Wir hatten eigentlich ausnahmsweise eine Reservierung vorgenommen, die Hostelbetreiberin kann sich bei unserer Ankunft allerdings an keinen Anruf erinnern... deshalb die Nacht im Garten des Hostels.

Abgesehen von den kalten Füßen lohnt San Gil den Besuch. Die Stadt ist mit rund 50.000 Einwohnern noch klein genug, um Charme zu besitzen und man verbringt leicht ein paar Tage länger als ursprünglich geplant.

El Camino Real Lengerke – von Barichara nach Los Santos

Wir gehen von San Gil aus auf eine dreitägige Wanderung auf dem historischen Camino Real Lengerke, ein vor Jahrhunderten von der indigenen Bevölkerung angelegter gepflasterter Weg, der Mitte des 19. Jahrhunderts für den deutschen Ingenieur Geo von Lengerke restauriert wurde, damit dieser sein Handelsnetz weiter ausbauen konnte. Geo von Lengerke musste 1852 aus Deutschland fliehen, da er in einem Duell einen anderen Mann getötet hatte. Nach seiner Ankunft in Kolumbien wurde er zu einem einflussreichen Großgrundbesitzer und Handelsherren.

Wir beginnen den Weg im für uns schönsten kolonialen Städtchen Kolumbiens, das wir besichtigen, in Barichara. Das gesamte Dorf besteht aus rund 300 Jahre alten gepflasterten Straßen und weißen Häusern mit roten Dächern. Da Barichara 1978 zum Nationalmonument erklärt und seitdem viel Arbeit in die Instandhaltung gesteckt wurde, sieht alles fast so aus wie am ersten Tag. Das von diesem Erscheinungsbild viele Film- und Fernsehproduktionen angezogen werden, können die folgenden Bilder vielleicht verdeutlichen:
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Leider kommen wir nicht in den Genuss, die oben bereits erwähnten hormigas culonas in einem Feinschmeckerrestaurant in Barichara zu probieren, da wir bereits vormittags dort sind und noch rund fünf Stunden Wanderung vor uns liegen. Der Weg führt zunächst in ein Tal hinab und durchgängig gepflastert etwa neun Kilometer weiter nach Guane.
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Guane ist noch wesentlich kleiner als Barichara, auch kolonial und hat natürlich auch einen alten Platz mit alter Kirche.
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Der Weg führt vorbei an Tabakplantagen weitere drei Stunden nach Villanueva, das, wie der Name schon sagt, nicht so alt ist, wie die zuvor besuchten Orte und daher auch bei weitem nicht so schön.
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In Villanueva übernachten wir, um am folgenden Tag den nächsten Abschnitt bis Jordan zu gehen. Hier wird es landschaftlich spektakulärer. Der letzte Streckenabschnitt führt 900 Meter tief in einen Canyon.
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Das eigentliche Abenteuer beginnt aber nach sechs Stunden Wanderung in Jordan selbst. Dort gibt es nämlich nichts außer eine Straße,
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einem Platz
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und einer Brücke
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Dort angekommen wendet man sich vertrauensvoll an die Señora im ersten Haus nach der Hängebrücke, deren Spanisch wir leider überhaupt nicht verstehen. Zum Glück versteht sie uns wenigstens und so bekommen wir von ihr etwas zu essen und dürfen duschen. Sie kann auch einen Platz zum Schlafen organisieren und wir glauben zu verstehen, dass dort, wo immer das auch sein mag, aktuell ziemlich viele Leute seien und man uns in einem Saal zwei Betten organisieren könne.

Nach einer Weile hilflosen Herumsitzens bei ihr wird uns gesagt die Unterkunft sei in einem Haus gegenüber der Polizeistation. Besagtes Haus mit grünem Anstrich ist oben auf dem Foto der Straße zu erkennen. Als wir dort ankommen sieht es genauso verlassen aus und es könnte auch jedes beliebige andere Haus sein. Immerhin steht die Tür ein wenig offen und wir treten vorsichtig ein. Was wir sehen, sieht nicht gerade wie ein Saal aus. Betten stehen auch nicht herum, dafür ein Motorrad, Säcke mit Tabakblättern und diverse andere Dinge, die wir eher in die Kategorie Müll einordnen. Immerhin treffen dort jemanden an, den wir fragen können. Auch er ist nicht zu verstehen, sagt irgendetwas von der Señora im ersten Haus nach der Hängebrücke und verschwindet nach unserem Gespräch für gute 20 Minuten. Irgendwann kommt er zurück und meint die Betten würden bald gebracht werden und wir wären schon richtig bei ihm im Haus. Irgendwann kommen die Betten und wir haben unser Nachtlager:
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Das war nicht der erste Moment während dieser Reise, in dem wir uns ein eigenes Zelt gewünscht haben.

Am nächsten Morgen stehen wir sehr früh auf und machen uns gegen sechs Uhr auf den Weg, um die letzte Etappe nach Los Santos, wo wieder Busse verkehren, anzugehen. Der Weg führt auf der anderen Seite des Canyons steil nach oben.
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Belohnt wird man mit einem tollen Blick auf Jordan.
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In Los Santos nehmen wir einen Bus, der uns innerhalb einer Stunde zu einer Kreuzung bringt, wo wir den nächsten Bus in südlicher Richtung nach San Gil anhalten. Zum Glück hatten wir bereits vor der Wanderung in San Gil eine Reservierung vorgenommen, diesmal im Hostel El Dorado, das auch wirklich ein Zimmer für uns hat und von einem sympathischen Team junger Kolumbianer geführt wird.

Eingestellt von Daggi.Oli 18:11 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (1)

Ameisenhauptstadt Bucaramanga

sunny 25 °C
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Nach einem langen Tag im Bus von Minca über Santa Marta kommen wir abends in Bucaramanga an. Wie immer haben wir keine Reservierung und müssen deshalb mit Dormbetten vorlieb nehmen. Am nächsten Tag ziehen wir in ein Privatzimmer in einem Einheimischenhotel für fast den halben Preis dafür mit eigenem Bad.

Ansonsten gibt es für uns zunächst nur zwei Gründe Bucaramanga zu besuchen, von denen einer relativ schnell wieder wegfällt, nämlich die hormigas culonas, wörtlich übersetzt Riesenarschameisen, geflügelte Ameisen mit – in der Tat – überdimensionalen Hinterteilen, die frittiert oder geröstet gerne als Snack verspeist werden. Zubereitet sehen die Tierchen so aus:
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Der Geschmack wird im Reiseführer leider sehr treffen beschrieben mit „knuspriger Dreck vermischt mit Kaffeesatz“. Die Ameisen lohnen also den Weg nach Bucaramanga nicht. Viel eher schon die Nähe zum sehr hübschen kolonialen Dörfchen Girón, das wirklich sehenswert ist.
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Später auf unserer Reise sollte sich herausstellen, dass Girón von einem weiteren kolonialen Kleinod namens Barichara übertroffen wird. Zudem gibt es dort ein exzellentes Restaurant, das anscheinend das Kunststück fertig bringt, die hormigas culonas gewinnbringend in der Küche einzusetzen. Leider können wir das dort angebotene Filet Mignon in Ameisensauce mit fritierter Ameisenkruste nicht selbst probieren. Doch dazu in einem späteren Beitrag mehr.

Wir verlassen die Hauptstadt des Bezirks Santander also schon einen Tag später wieder, um nach San Gil zu fahren, einem sehr beliebten Reiseziel in Kolumbien.

Eingestellt von Daggi.Oli 13:53 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (0)

Minca - kühle Oase vor Taganga

semi-overcast 25 °C
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Nachdem wir Taganga ziemlich fluchtartig wieder verlassen haben, beschließen wir in eine Ecke von Kolumbien zu fahren, in die sich nur wenige Touristen verirren, die Sierra Nevada de Santa Marta. Innerhalb von nur 45 Kilometern Entfernung von der Küste steigen die Berge hier auf bis zu 5800 Meter Höhe an.

Die Sierra gilt wegen des dortigen Drogenanbaus als gefährlich und wird deshalb im allgemeinen von Reisenden gemieden. Die Ausläufer sind jedoch völlig problemlos zu besuchen. Uns verschlägt es in das winzige Dorf Minca, nur 30 Minuten von Santa Marta entfernt auf rund 630 Meter Höhe in einem Kaffeeanbaugebiet gelegen. Innerhalb dieser kurzen Entfernung von Santa Marta kühlt das Klima soweit ab, dass man nachts bei angenehmen 18° schlafen kann und nicht bei 30° im eigenen Schweiß liegt.

Ansonsten kann man, wie immer in solchen Gegenden, schöne Wanderungen in den Wäldern unternehmen. Wegen des Artenreichtums kommen viele Vogelliebhaber hierher. Einen Tag nach unserer Ankunft gehen wir erst einmal gegen die Natur vor und helfen dem deutschen Hostelbetrieber Chris dabei, sein Grundstück unkrautfrei zu halten. Einen Nachmittag stehen wir mit Macheten im Hang und mähen alles nieder, was sich uns in den Weg stellt.
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Eine nette Abwechslung im Reisealltag, außerdem wird dadurch die Übernachtung ein wenig günstiger. Ansonsten machen wir in Minca nur Urlaub vom Urlaub, gucken WM und laufen einen Tag eine kurze Strecke zu einer netten Badestelle, El Pozo Azul.
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Unterwegs sehen wir eine Raupenfamilie auf Wanderschaft.
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Wir hatten noch kurz überlegt, nach Palomino zu fahren, ein weiterer Ort mit Traumstränden, der (noch) in keinem einzigen Reiseführer erwähnt wird. Bei der Flut von Lesern dieses Blogs werden nun allerdings die Tage dieses Geheimtipps gezählt sein. Wir waren letzten Endes doch nicht dort, weil wir langsam wieder weg vom Meer möchten.

Eingestellt von Daggi.Oli 23:45 Archiviert in Kolumbien Tagged round_the_world Kommentare (2)

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