Reise blog von Travellerspoint

Von diesem Autor: Daggi.Oli

Der erste Kontakt mit Staat und Leuten in Yangon (Rangun)

sunny 28 °C
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Obwohl die Militärregierung im Jahr 2005 Naypyidaw zur Hauptstadt erklärt hat, bleibt Yangon das Zentrum des Landes. Sofern vorhanden, finden sich ausländische Vertretungen hier und Firmen legen ihren Hauptsitz eher nach Yangon als nach Naypyidaw. Auch alle Touristen kommen momentan in der größten Stadt des Landes an, da wieder einmal sämtliche Grenzübergänge auf dem Landweg gesperrt sind.

Wir hatten in Kuala Lumpur bereits über Couchsurfing mit einem Burmesen Kontakt aufgenommen. Saya AG ist 50 Jahre alt und unterrichtet Englisch und Mathematik. Ausländer dürfen grundsätzlich nicht bei Einheimischen übernachten. Deshalb kann er uns, obwohl er ausreichend Platz hätte, „nur“ vom Flughafen abholen und uns die Stadt zeigen.

Noch während wir in der Schlange zur Einreise stehen, sehen wir ihn mit breitem Grinsen hinter der Glasabsperrung stehen, einen ausgedruckten Zettel in der Hand mit unserem Profilfoto aus Couchsurfing, unseren Namen und einem großem „Welcome to Myanmar“. Nachdem wir die Prozedur mit Stempeln und Fotos hinter uns gebracht haben, stehen wir ihm direkt gegenüber.
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Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens, er trägt einen Rock, einen sogenannten Longyi. Eigentlich ist es nur ein Tuch, das um die Hüften gewickelt und verknotet wird. Kurz darauf bemerken wir, dass diese traditionelle Bekleidung der Männer von so gut wie jedem hier getragen wird. Nur die jungen, ganz hippen, sieht man manchmal in Jeans. Und zweitens, er kaut die ganze Zeit auf irgendetwas herum, was ihm die Zähne komplett rot verfärbt. Auch dieses Rätsel löst sich schnell. Er ist bei weitem nicht der einzige, der dem Laster frönt. Es handelt sich um eine in Blätter eingewickelte und mit Kalk bestäubte Betelnuss, die in der Backentasche langsam zerkaut wird.
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Der austretende rote Saft ist verdauungsfördernd und tötet Darmparasiten. Allerdings wird er nicht geschluckt. In den vollen Straßen spucken die Burmesen – und nicht nur die Männer – nach Herzenslust ihren Saft auf den Boden, weshalb ein Spaziergang ein wenig einem Hindernislauf ähnelt. Leider wird nicht nur der Saft gespuckt. Die Burmesen teilen die Unsitte mit den Chinesen, dass immer wieder Schleim lautstark aus dem Rachenraum hochgezogen wird, mit dem dann das gleiche passiert wie mit dem Betelnusssaft.

Soviel also zu den etwas unangenehmen Eigenschaften dieses ansonsten überaus liebenswerten Volkes. Wir haben 2009 in Laos schon ähnliches erlebt, aber bei den Burmesen scheint die offene Freundlichkeit und Neugier gegenüber Fremden sogar noch etwas ausgeprägter zu sein. Unser Gastgeber AG, Saya steht übrigens für Lehrer, hat sich um alles gekümmert. Nachdem er telefonisch erfahren hat, dass in unserer Wunschunterkunft kein Zimmer mehr frei ist, organisiert er ein Taxi zu einer alternativen Bleibe, passt dabei auf, dass wir nicht zu viel bezahlen und führt uns am ersten Abend noch nach Chinatown, wo er sich sicher ist, dass wir das Essen gut vertragen.

Auch am folgenden Tag beim Geldwechsel, der eine kleine Wissenschaft ist, hilft uns AG. Es gibt staatliche Wechselstuben, privater Tausch ist eigentlich verboten und wird dennoch überall angeboten. Außerdem zu wesentlich besseren Kursen als beim Staat. Natürlich muss man ein wenig aufpassen, wenn man zum Beispiel auf dem Markt tauscht. Dort verschwindet schnell mal ein 50 Dollar-Schein. Deshalb nehmen wir einen geringfügig schlechteren Kurs in Kauf und tauschen bei einem äußerst professionellen privaten Anbieter mit Büro, Zählmaschinen und sogar Scheinen im Wert von 5000 Kyat (sprich: Tschat). Auf dem Markt erhält man meist nur Scheine zu 1000 Kyat, was angesichts der getauschten Summen, in unserem Fall zum Beispiel rund 600.000 Kyat, schnell zu riesigen Geldstapeln führt.

Interessant ist auch der Gegensatz zwischen den gebügelten Dollar-Scheinen, die ausschließlich akzeptiert werden und den Lappen der eigenen Währung, die im Land kursieren.
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Der restliche Tag gibt schon in der Stadt einen Vorgeschmack auf das Land der tausend Pagoden. Besonders die riesige Shwedagon Pagode, der Legende nach 2500 Jahre alt, ist beeindruckend. Alles, was hier glänzt, ist wirklich Gold.
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Neben den Sehenswürdigkeiten führen wir einige interessante Gespräche. Es wird nie offene Kritik ausgesprochen, aber in Nebensätzen klingt zum Beispiel durch, dass sich der Internet-begeisterte AG mehr Möglichkeiten und weniger Restriktionen wünschen würde. Er erzählt, dass eine SIM-Karte für ein Mobiltelefon 500 Dollar kostet, eine Summe, die sich nur wenige regierungsnahe Burmesen leisten können.

Der 82-jährige Opa, der irgendwie zum Inventar unserer Unterkunft gehört, wird schon deutlicher, als er ganz offen in hervorragendem Englisch das jetzige Schulsystem kritisiert. Seine Generation hätte unter den Briten noch gutes Englisch gelernt, während die heutigen Schüler nichts mehr beigebracht bekämen. Um Tourismus und internationale Handelsbeziehungen zu fördern, wäre Englisch aber natürlich unerlässlich.

Man erlebt im Land eine Regierung, die vieles unternimmt, um ihre Bevölkerung unmündig zu halten. Kommunikationsmittel werden beschnitten oder nur wenigen zugänglich gemacht, das Bildungsniveau wird gesenkt. Unser Vorsatz, dem Staat während unserer Reise so wenig Geld wie möglich zukommen zu lassen, wird innerhalb kürzester Zeit also nur bestärkt. Ganz kann man es leider nicht vermeiden, manche Eintrittsgelder müssen gezahlt werden und vermutlich werden wir für eine Strecke, wenn auch zähneknirschend, den Zug nehmen. Zunächst geht es allerdings nach einem Tag Aufenthalt in Yangon mit dem Nachtbus nach Bagan.

Eingestellt von Daggi.Oli 00:37 Archiviert in Myanmar Tagged yangon myanmar round_the_world birma rangun Kommentare (2)

Erste und vermutlich letzte Meldung aus Birma

sunny 28 °C
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Endlich! Nach vielen Überlegungen, Planänderungen und planlosen Tagen sind wir wieder angekommen. Zum ersten Mal seit der Zeit in Südamerika spüren wir wieder den Nervenkitzel des Unbekannten. Fremde Sprache, fremde Schrift und unaussprechliche Namen wirken auf den ersten Blick vielleicht abschreckend, lassen das Reisen jedoch zu dem werden, wonach wir suchen und was den Reiz für uns ausmacht. Rückblickend hätten wir Australien gar nicht oder sehr viel kürzer besuchen sollen. Aber wie wir schon so oft auf dieser Reise feststellen mussten, hinterher ist man immer schlauer.

Die Burmesen sorgen bereits direkt nach unserer Ankunft dafür, dass wir uns sehr wohl fühlen. Sie sind ein außerordentlich hilfreiches, offenes und freundliches Volk. Überall lächelt und winkt man uns zu, Kinder rufen jedem Ausländer ein fröhliches „hello“ entgegen und ein kleiner Junge von vielleicht drei Jahren deutet mit dem Finger auf uns und verkündet, wie uns übersetzt wird, lauthals und freudestrahlend, dass hier Ausländer unterwegs seien. Kurz, man kann sich nur wohl fühlen.

Soviel nur zu unserer momentanen Gefühlslage. Wie schon angekündigt, sind die Internetverbindungen hier nicht die schnellsten. Deshalb werden wir uns aus Birma nicht mehr melden und die Berichte nachliefern, sobald wir das Land verlassen haben.

Ansonsten ist mittlerweile entschieden, dass aus zwölf Monaten Reisezeit nun 14 werden. Wir planen unsere Rückkehr nach Deutschland für Mitte Mai. Obwohl wir großen Respekt vor dem Wiedereinstieg haben, freuen wir uns auch auf ein Wiedersehen mit euch.

Eingestellt von Daggi.Oli 10:21 Archiviert in Myanmar Tagged bagan burma myanmar round_the_world birma Kommentare (6)

Abschied nach Myanmar (Birma)

overcast 30 °C
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Der Name des Landes sorgt häufig für Verwirrung. Die aktuelle Militärregierung hat 1989 den Namen Union Myanmar eingeführt und ihn im Oktober 2010 nochmals verändert in Republik der Union Myanmar. Während das deutsche Auswärtige Amt Myanmar verwendet, halten viele Medien aus Protest an der alten Bezeichnung Birma fest. Auch Burma kann in manchen Zeitungen gelesen werden, ist aber eigentlich der englische Name.

Anfang November letzten Jahres haben in Birma die ersten Wahlen nach 20 Jahren stattgefunden. Wie allgemein erwartet, hat die Partei der Militärjunta durch massive Einflussnahme die Mehrheit der Stimmen für sich gewonnen.

Wegen der politischen Lage gibt es häufig die Diskussion, ob man dem Land als Tourist nicht besser fern bleiben sollte, um das Regime nicht zu fördern. Wir haben uns für die Reise entschieden, weil wir glauben, dass es möglich ist, weitgehend auf staatliche Dienste zu verzichten und stattdessen die Bevölkerung direkt durch unseren Konsum zu unterstützen. Auch in Birma bietet zum Beispiel Couchsurfing die Möglichkeit mit Burmesen, die gut englisch sprechen, in engeren Kontakt zu gelangen. Der kulturelle Austausch, der so möglich wird, ist hoffentlich für beide Seiten bereichernd.

Die Beantragung des Touristenvisums in Kuala Lumpur stellt sich weniger kompliziert heraus als zunächst gedacht. Zwei Passfotos vor weißem Hintergrund, der Reisepass und der ausgefüllte Antrag genügen. Nicht einmal die Flugtickets, die wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gehabt hätten, werden verlangt, obwohl dies vorher überall zu lesen war. Nach fünf Arbeitstagen können wir unsere Pässe inklusive Visum wieder abholen. Für Eilige gibt es sogar eine teurere Expressvariante innerhalb von nur zwei Tagen.

Als kompliziertester Teil der Vorbereitung erweist sich der Bargeldtausch. Die lokale Währung Kyat gibt es nur im Land und das ausschließlich im Tausch gegen US Dollar. Aber nicht irgendwelche. Bessere Wechselkurse erhält man für Banknoten mit größerem Wert, also möglichst 100-Dollar-Scheine mitnehmen. Diese dürfen jedoch nicht älter als aus dem Jahr 2004 sein und keine Knicke oder Kennzeichnungen aufweisen. Außerdem werden keine Seriennummern akzeptiert, die mit B oder K beginnen. Da es natürlich keine Geldautomaten im Birma gibt, muss die Summe für den ganzen Aufenthalt in US Dollar in bar mitgenommen werden. Um unseren Bedarf zu decken, rennen wir mindestens zehn verschiedene Wechselstuben ab und prüfen mit Argusaugen jeden Schein, der uns angeboten wird. Irgendwann haben wir in unseren Augen erfolgreich die benötigte Summe Dollar in der Tasche. Es bleibt abzuwarten, ob unsere Scheine den strengen Anforderungen der Burmesen gerecht werden.

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, fliegen wir heute, am Sonntag, den 23. Januar, in die Hauptstadt Yangon, oder Rangun, wie wir vielleicht sagen sollten. Der Landweg scheidet aus, da die Grenzübergänge momentan für Touristen geschlossen sind. Wir dürfen maximal 28 Tage im Land bleiben, was wir voll ausnutzen werden. Der Rückflug nach Kuala Lumpur ist am 19. Februar und einen Tag später geht es dann endlich nach Borneo.

Womöglich wird dies der vorerst letzte Blogeintrag innerhalb der kommenden vier bis fünf Wochen. Der Internetzugang in Birma ist meist sehr langsam und viele Webseiten und Emaildienste sind gesperrt. Bereiten wir uns also auf eine Durststrecke vor! Bis bald!

Eingestellt von Daggi.Oli 09:26 Archiviert in Malaysia Tagged kuala_lumpur malaysia burma myanmar round_the_world birma Kommentare (0)

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