Reise blog von Travellerspoint

Bolivien

Salar de Uyuni - Salz, Vulkane und Geysire

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Nach Rurrenabaque im bolivianischen Dschungel ist unser nächstes Ziel die Salzwüste von Uyuni im Hochland. Dafür sind allerdings einige Kilometer auf schlechten Straßen zurückzulegen, zunächst nach La Paz. Die Busfahrt dauert normalerweise rund 18 Stunden. Auf einspurigen Holperpisten an steilen Hängen klettert der Bus die Meter bis in die Hauptstadt hinauf. Wir verlassen Rurrenabaque um acht Uhr abends. In der Nacht erleben wir zwei Pannen, am Morgen halten wir in einem Dorf etwa fünf Stunden vor La Paz, der Busfahrer meint „kurze Pause von 30 Minuten“ und kommt nach zwei Stunden aus der Werkstatt zurück, wie wir dann erfahren. Schließlich erreichen wir nach insgesamt 21 Stunden La Paz. Da wir keine Lust haben, eine weitere Nacht dort zu verbringen, entscheiden wir, dass noch ein paar Stunden mehr im Bus nicht schaden, nehmen ein Taxi zum Busterminal und haben Glück, ohne Wartezeit einen Bus nach Oruro zu bekommen. Immerhin ist diese Fahrt unspektakulär und vier Stunden später sind wir am Ziel angekommen.

Am folgenden Morgen gilt unser erster Besuch dem Fahrkartenschalter am Bahnhof. Wir bekommen noch Plätze im Zug am gleichen Tag nach Uyuni. Die gesamte Reise nach Uyuni stand lange Zeit auf der Kippe. Wegen politischer Streitereien hatte die lokale Bevölkerung über Wochen die Zufahrtsstraßen in die Wüste blockiert, es kam zu Feindseligkeiten auch gegenüber Touristen. Nur eine Woche zuvor waren die Differenzen beigelegt und die Blockaden aufgehoben worden. So erleben wir doch noch diesen Höhepunkt von Bolivien.

Der Zug fährt nicht schneller als die Busse auf den Schotterpisten und benötigt sieben Stunden, um Uyuni zu erreichen, ist aber natürlich wesentlich bequemer und außerdem eine sehr willkommene Abwechslung nach der langen Zeit auf der Straße. Um halb elf Uhr nachts werden wir am Bahnhof schon von diversen Touranbietern und Hostelbesitzern empfangen, die versuchen, uns ihr jeweiliges Angebot schmackhaft zu machen. Am nächsten Tag beschäftigen wir uns ernsthaft mit den Touren in die Salzwüste. Hier sind sich Uyuni und Rurrenabaque sehr ähnlich. Es gibt unzählige Anbieter, die sich selbst erhebliche Konkurrenz machen, was sich leider manchmal auf die Qualität niederschlagen kann.

Eigentlich wären wir, wie immer, gerne auf eigene Faust in die Salar de Uyuni gefahren, dies ist jedoch leider nur mit ziemlichem Aufwand zu realisieren. Wegen der großen Entfernungen der einzelnen Sehenswürdigkeiten benötigt man auf jeden Fall ein eigenes Fahrzeug, das man natürlich nicht in Uyuni mieten kann, sondern nur in weiter entfernten, größeren Ortschaften. Der Unterboden des Fahrzeugs sollte wegen des agressiven Salzes besonders behandelt werden. Und dann ist es noch nicht sicher, dass man den richtigen Weg durch die Wüste findet. Also entscheiden wir schweren Herzens, wie schon im Dschungel, uns einer geführten Tour anzuschließen.

Während unserer Suche nach dem passenden Angebot lernen wir zwei weitere deutsche Pärchen kennen. Ina und Philipp saßen schon im Zug schräg hinter uns. Die zwei treffen noch Kerstin und Robert, die sie bereits in Peru kennengelernt hatten. Insgesamt sind wir nun also zu sechst, was genau einer vollen Jeep-Besetzung entspricht. Da wir alle in etwa ähnliche Vorstellungen der Tour haben, liegt es nahe, dass wir uns zusammenschließen. Der Anbieter Quechua Connection erfüllt am Ende unsere Vorstellungen inklusive aller Sonderwünsche am besten.

1. Tag: Salzwüste, Isla Incahuasi

Am folgenden Tag fahren wir aus Uyuni um zehn Uhr vormittags ab. Vom Städtchen Colchani aus betritt man zum ersten mal die größte Salzwüste der Welt. Ein ausgetrockneter See hat die über 12.000 Quadratkilometer große Fläche auf einer Höhe von 3653 Metern hinterlassen. Am Rand der Wüste, in der Nähe von Colchani, sind in Form von aufgeschütteten Haufen deutliche Anzeichen der Salzgewinnung zu sehen.
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Alles im Dorf dreht sich alles um Salz, selbst die Häuser sind aus Salzblöcken gebaut.
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Nach einem kurzem Stopp geht es tiefer in die Wüste hinein.
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Durch die unglaubliche Weite der weißen Fläche, die dem Auge keinerlei Anhaltspunkte bietet, lassen sich in der Wüste recht ungewöhnliche Fotos schießen.
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Während sich die einen noch mit den Fotos beschäftigen, darf die andere Hälfte unserer Gruppe die Landschaft anders erleben als nur vom Auto aus. Auf dem Fahrrad ist das Gefühl der Stille, der Unendlichkeit und der Unwirklichkeit dieser Landschaft noch viel stärker.
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Das Fahrradfahren bringt uns einen weiteren Vorteil, wir verlieren Zeit. Aus diesem Grund sind bei unserem nächsten Stopp bereits alle anderen Gruppen weitergefahren und wir haben die Isla Incahuasi, die sonst ziemlich überlaufen ist, vollständig für uns alleine.
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Die erste Nacht verbringen wir in der Nähe des Vulkans Tunupa, den wir am nächsten Tag besteigen möchten.

2. Tag: Vulkan Tunupa, Gruta de las Galaxias, Cueva del Diablo

Um sieben Uhr beginnen wir die Wanderung auf einer Höhe von 3800 Metern. Den roten Hügel links soll es am Grat hinaufgehen bis auf rund 5100 Meter.
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Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir den Anfang des roten Hügels auf 4700 Meter, von wo sich schon fantastische Blicke über die Salar bieten.
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Die meisten Touranbieter drehen an diesem Punkt um. Wir dürfen die Besteigung fortsetzen. Ein Teil unserer Gruppe geht nun nach rechts an den unteren Kraterrand weiter, während wir uns an den steilen Aufstieg machen. Um kurz nach elf Uhr kommen wir an den höchsten Punkt, der ohne technische Schwierigkeiten zu erreichen ist. Die Mühe lohnt sich, die Aussicht ist atemberaubend.
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Der erste Teil des Abstiegs ist fast so toll wie eine Achterbahnfahrt. In etwa 200 Höhenmeter können wir über ein steiles Geröllfeld absteigen, oder besser abfahren.
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Der Rest des Weges zieht sich dann ziemlich und wir kommen erschöpft unten an. Normalerweise hätte noch die Besichtigung von ein paar alten Mumien, die in einer Höhle unten am Berg liegen, auf dem Programm gestanden. Am Eingang zur Höhle schließt jedoch ein anderer Guide gerade das Tor und rückt den Schlüssel nicht raus, weil wir unsere Eintrittskarten nicht vorweisen können. Diese liegen nicht weit entfernt im Auto. Überraschend, in Bolivien Leute von deutscher Beamtenmentalität zu treffen.

Nach dem Mittagessen fahren wir auf unseren Wunsch weitere Sehenswürdigkeiten an, die nicht in der Standardroute enthalten sind. Auf dem Weg dorthin sehen wir unseren ersten Flamingo, die später noch zu hunderten auftauchen werden.
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Nach einer Stunde Fahrtzeit erreichen wir die Gruta de las Galaxias, eine Höhle übervoll von Stalaktiten.
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Direkt daneben liegt die Cueva del Diablo, eine Grabstätte aus in etwa der gleichen Zeit, aus der auch die Mumien stammen, die wir nicht besichtigen konnten. In diesem Fall handelt es sich um eine Höhle, in der sehr viele kleine Gräber mit Knochenresten zu finden sind. Ihren Namen trägt sie, weil ein Mädchen aus einem der umliegenden Dörfer unter mysteriösen Umständen tot in der Höhle aufgefunden wurde. Als wir wieder ins Freie treten ist die Sonne schon untergegangen. Trotzdem müssen wir noch eine weitere Stunde mit dem Jeep über Sandpisten fahren, um eine Unterkunft für die Nacht zu erreichen.

Tag 3: Vulkan Ollagüe, Flamingo-Lagunen, Árbol de Piedra, Laguna Colorada

An diesem Tag kommen wir wieder auf den ausgetretenen Gringo-Trail, auf dem sich alle Standardtouren bewegen. Man bemerkt dies sofort an der Häufigkeit, mit der man andere Jeeps sieht. An allen Punkten der Tagesetappe trifft man die gleichen Gruppen wieder. Der Tag ist geprägt von langen Fahrten, unterbrochen durch kurze Fotopausen. Der erste Halt ist der aktive Vulkan Ollagüe, was wesentlich spektakulärer klingt als es ist. Man sieht lediglich einen Berg, hinter dem eine kleine Rauchwolke hervortritt.
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Der nächste Programmpunkt sind drei Lagunen, in denen Flamingos auf Nahrungssuche zu beobachten sind. Es ist schon überraschend, dass in unseren Breitengraden Flamingos immer mit Sonne, Palmen und angenehmen Temperaturen verbunden werden, während die Vögel hier auf 4000 Metern Höhe das Eiswasser durchwaten.
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Eine weitere Stunde im Jeep später reihen wir uns in die Schlange ein, um den Árbol de Piedra, den Steinbaum, zu fotografieren, eine Gesteinsformation, die durch Erosion die Form eines Baumes angenommen hat.
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An der letzten Sehenswürdigkeit verbringen wir auch die Nacht, an der Laguna Colorada, einer Lagune, die durch Algen und Plankton eine rötliche Farbe angenommen hat.
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Wir haben schon vorher gehört, dass dies die kälteste Nacht der Tour werden soll. Sie kündigt sich schon während des Wegs zum Aussichtspunkt auf die Lagune durch einen extremen, eisigen Wind an und in der Nacht herrschen dann auch etliche Minusgrade, die ohne zusätzlichen Schlafsack in der Unterkunft nur schwer zu überstehen gewesen wären.

Tag 4: Geysire Sol de Mañana, Rocas de Dalí, Laguna Verde

Zu allem Überfluss müssen wir in der Kälte am nächsten Tag um fünf Uhr früh aufstehen. Der Grund sind die Geysire Sol de Mañana, die morgens am aktivsten sind. Es lohnt sich. Man kann sich an manchen wenigstens die Hände wärmen. Nicht nur das, die ganze Gegend ist überwältigend.
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Den anschließenden Besuch eines Thermalbeckens mit heißem Schwefelwasser nutzt von unserer Gruppe niemand, obwohl die Außentemperaturen mittlerweile auf ein halbwegs erträgliches Maß angestiegen sind. Noch vor einigen Wochen hatte es nachts in der Gegend -25° gehabt, so dass das Becken vollkommen leer blieb. Bei unserem Besuch wissen wenigstens andere Gruppen das Angebot zu schätzen und stürzen sich ins übel riechende Wasser, obwohl niemand beim Herauskommen sonderlich glücklich aussieht.

Die Fahrt geht weiter Richtung chilenischer Grenze. Auf dem Weg durchqueren wir einen Teil der Wüste, der sich Rocas de Dalí nennt, weil die herumliegenden Steine so aussehen, als hätte sie der Meister selbst dort platziert.
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Unser letzter Besuch in Bolivien gilt der Laguna Verde auf einer Höhe von 4400 Meter. Die grünliche Farbe des Wassers kommt von einer hohen Konzentration von Blei, Schwefel, Arsen und Kalziumkarbonaten. Die Zusammensetzung des Wassers und starke Winde sorgen dafür, dass der See bis zu einer Temperatur von unter -21° flüssig bleibt.
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Anschließend werden wir zur Grenze gefahren, wo wir zusammen mit Ina und Philipp in einen Bus einsteigen, der schon voll mit Gringos besetzt ist, die alle nach San Pedro de Atacama in Chile möchten. Leider fällt unterwegs Inas neuer Rucksack vom Pickup, was uns vier Stunden Diskussionen mit dem Chef und der Polizei im Büro des Transportunternehmens in San Pedro beschert. Irgendwann sind wir die Sache leid und ziehen mit einer Entschädigung ab, die dem Schaden des Rucksacks nicht entspricht, aber wohl das Maximum ist, was die Leute in einer Niedriglohngegend aufbringen können. Immerhin finden wir in San Pedro ein schönes Hostel, das Casa de los Músicos. Der chilenische Musiker Miguel und die Französin Brigitte sorgen dafür, dass wir uns ausgesprochen wohl fühlen und einen Entspannungstag bei ihnen sehr genießen.

Eingestellt von Daggi.Oli 19:34 Archiviert in Bolivien Tagged travelling round_the_world salar_de_uyuni vulkan_tunupa salz Kommentare (4)

Rurrenabaque

Selva und Pampas

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Rurrenabaque ist einer der Hauptausgangsorte für Touren in den Dschungel von Bolivien. Von La Paz aus benötigt der Bus ungefähr 18 Stunden. Die Fahrt gilt als nicht die komfortabelste. Wir entscheiden uns für einen Kompromiss zwischen Bequemlichkeit, Reisebudget und Zeitplanung und fliegen nach Rurre, wie es lokal genannt wird. Zurück quälen wir uns dann durch die Busfahrt.

Um acht Uhr früh geht es in La Paz los. Der erste Teil des nur einstündigen Fluges ist spektakulär. Leider sind die Scheiben unseres Flugzeugs ausgesprochen schlecht geputzt, weshalb die Fotos nicht so gelingen, wie wir es uns wünschen.
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In Rurre begeben wir uns sofort auf die Suche nach einem Touranbieter, was angesichts der vielen Angebote nicht leicht fällt. Nach fünfmonatiger Jagd nach Möglichkeiten, alleine, ohne Führer, Wanderungen im Dschungel zu unternehmen, müssen wir uns geschlagen geben. Etwas ähnliches wie wir es in Corcovado in Costa Rica 2006 erlebt haben, konnten wir bisher nicht finden. Dort ist es möglich, drei oder mehr Tage im Dschungel von Rangerstation zu Rangerstation zu wandern. Eine für uns bisher einzigartige Erfahrung, die wir gerne wiederholen möchten. Nicht jedoch in Rurrenabaque, wo ohne professionelle Führung kein Weiterkommen ist.

Es gibt prinzipiell zwei verschiedene Touren. Zum einen in die Selva, den Dschungel im Madidi Nationalpark und zum anderen in die Pampas, eine Bootstour auf dem Río Yacuma bei der Stadt Santa Rosa. Die Pampas sind savannenartige, sumpfige Wiesenlandschaften, ein Paradies für viele Tierarten, die wegen des geringen Bewuchses sehr leicht zu sehen sind. Ganz im Gegensatz zur dicht bewachsenen Selva. Aus diesem Grund entscheidet sich der überwiegende Teil der Touristen für eine Pampastour.
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Selva

Wir suchen zunächst das Abenteuer und buchen beim Anbieter Mashaquipe, den wir im Nachhinein übrigens sehr empfehlen können, vier Tage in der Selva. Mashaquipe wird von indigenen Gemeinden, die innerhalb des Parks leben, betrieben und bietet Touren mit maximal vier Personen pro Guide an. Wir haben Glück und sind bis auf den ersten Tag alleine mit unserem Führer unterwegs. So können wir uns problemlos entgegen dem üblichen Programm dafür entscheiden, alle Nächte mit Moskitonetz im Dschungel zu verbringen und verzichten auf eine Nacht in der Lodge.

Nach drei Stunden Bootsfahrt und 125 Bolivianos Parkeintritt kommen wir in der Unterkunft innerhalb des Madidi Parks an. Der Park bietet auf rund 1,9 Millionen Hektar Fläche eine immense Biodiversität – über 800 Vogel-, 150 Säugetier- und 4500 registrierte Pflanzenarten. Er erstreckt sich von den Andengipfeln bis ins Tiefland über die peruanisch-bolivianische Grenze. Es gibt also viel zu entdecken in den vier Tagen, die wir im Park verbringen.

Nach dem Mittagessen laufen wir rund drei Stunden tiefer in den Wald hinein, wo schon ein Lager aufgeschlagen ist. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zu einem Felsen, in dessen Höhlen sich unzählige rote Aras niedergelassen haben. Natürlichen Feinden wie Schlangen oder Adlern bieten sich in der Felswand praktisch keine Angriffsmöglichkeiten.
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Am nächsten Morgen gehen wir einen Weg, der eigentlich nicht mehr begangen werden darf, seit dem ein israelischer Tourist abgestürzt ist. Es ist möglich, auf den Felsen hochzugehen. Von oben sind die Vögel noch viel näher zu beobachten. Der Tourist war übrigens selbst schuld, da er sich um einen Baum über dem Abgrund mehrfach herumgeschwungen hatte. Zwei Mal ist es gut gegangen, beim dritten Mal ist seine Hand vom Baum gerutscht. Da wir verantwortungsvolle Touristen sind, kommen wir in den Genuss des Ausblicks.
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In ganz Rurrenabaque sind übrigens extrem viele israelische Touristen. Unter anderem liegt das an den Erlebnissen von Yossi Ginsberg, der in den achziger Jahren zusammen mit zwei Freunden versucht hat, von La Paz aus durch den Dschungel bis nach Rurrenabaque zu laufen. Irgendwann sind ihnen die Vorräte ausgegangen und sie haben sich getrennt. Der einzige, der je wiedergesehen wurde, ist Yossi, den Einheimische gerettet haben. Wieder zurück in seiner israelischen Heimat hat er ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben, das offenbar viele seiner Landsleute zu einem Besuch inspiriert.
Verallgemeinerungen sind immer gefährlich, aber wer in den Dschungel oder die Pampas geht, um Tiere respektvoll zu beobachten, ohne dass diese angefasst, angefüttert oder gar gequält werden, sollte diese Gruppen meiden. Sie zeigen häufig keinerlei Respekt, weder vor Tier noch Mensch und verlassen zum Teil das Büro des Touranbieters, wenn sie erfahren, dass die Tiere nicht angefasst werden. Es gibt mittlerweile Anbieter, die sich auf diese speziellen Anforderungen eingestellt haben, meist zu erkennen an Werbung in hebräischer Schrift im Fenster. Die meisten anderen Tourbüros, wie auch unseres, werben mit dem genauen Gegenteil.

Und so schleichen wir uns auf dem Rückweg extrem vorsichtig an eine Horde Schweine an, die sich in der Nähe unseres Lagers durch den Fluss wühlt.
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Um zu unserer nächsten Etappe zu gelangen, einer Nacht am Strand des Flusses, müssen wir ein Floß bauen.
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Nach einer kurzen Strecke flussabwärts schlagen wir das Lager auf. Wir möchten in der Nacht nochmals losgehen, um nach Jaguaren und Tapiren zu suchen. Wir finden zwar deren Abdrücke im Sand, die Tiere selbst bleiben jedoch leider unsichtbar.

Am nächsten Tag fahren wir wieder ein Stück mit dem Floß weiter und laufen anschließend einige Stunden. Unterwegs sehen wir wieder Schweine, die übrigens zuallererst am Geruch auszumachen sind, diverse Affenarten, unter anderem Totenkopfäffchen, Klammeraffen, Kapuzineraffen und Löwenäffchen. Alle Arten verbindet eines, sie sind sehr scheu und rasen mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die höchsten Baumkronen, so dass es von ihnen keine Fotos zu sehen gibt.

Weniger schnell ist dieses Tier.
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Diese Larve kann sich nämlich gar nicht bewegen, da sie ihr ganzen Leben, bis sie ein Nachtfalter wird, in solchen Palmennüssen verbringt.
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Irgendwann wachsen ihr dann Zähne und sie nagt sich durch die Schale. Das Fleisch der Nuss, sofern nicht von Maden besetzt, schmeckt wie Kokosnuss. Das tolle ist jedoch, die Made selbst schmeckt auch wie Kokosnuss. Sollte also alles von den Maden weggegessen worden sein, bleiben immer noch die Maden selbst.

Irgendwann ist uns aber nach mehr Essen und wir schlagen ein letztes Mal unser Lager auf.
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Später am Abend rennt noch ein Ozelot an unserem Lager vorbei. Ohne Alcide, unseren Führer, hätten wir nicht annähernd die Hälfte der Tiere gesehen. Er stammt aus einer Tacana Gemeinde, die tief innerhalb des Madidiparks lebt und hat ein beeindruckendes Wissen um das Leben und Überleben im Dschungel. Er zeigt uns Pflanzen, die eine betäubende Wirkung haben und in deren Wirkstoff in der Zahnmedizin eingesetzt wird, erklärt uns, dass eine große Liane bis zu 20 Liter Trinkwasser speichert, das, zerschneidet man die Liane, genutzt werden kann (Achtung, es gibt auch giftige Lianen), zeigt, wie rote Farbe aus den Blättern einer Pflanze entsteht und vieles mehr.

Nach dieser Nacht begeben wir uns auf den Rückweg in die Lodge, wo wir nach der Dschungelküche nochmals ein sehr gutes Mittagessen serviert bekommen, bevor wir in das Boot nach Rurrenabaque steigen.

Pampas

Dort buchen wir direkt eine dreitägige Tour in die Pampas mit Dolphins Travel, da uns diese von anderen Reisenden empfohlen wurden. Als wir einen Tag später in Rurrenabaque im Allradjeep losfahren sind wir insgesamt zu fünft, müssen aber noch zwei weitere Gäste vom Flughafen abholen, die aus La Paz ankommen. Zunächst verzögert sich die Abfahrt ein wenig, weil das Flugzeug wegen des Smogs nicht landen kann. Überall in den Pampas brennen Farmer die Felder ab, um sie für die nächste Saat fruchtbarer zu machen. Dies führt leider zu einer riesigen Dunstglocke, die über der gesamten Gegend hängt. Als wir dann losfahren, erfahren wir, dass der Flieger nach Reyes umgeleitet wurde. Immerhin liegt dieses Dorf auf dem Weg zum Fluss. Dort angekommen ist noch kein Flugzeug zu sehen. Schließlich erreicht uns die Nachricht, dass die Maschine La Paz gar nicht verlassen durfte und so besteht unsere Tour nur aus fünf Leuten. Normalerweise ist ein Boot mit acht Leuten und dem Führer besetzt. Bei manchen Anbietern können es auch mal mehr Touristen pro Boot werden, was das Erlebnis natürlich trübt.

Schon auf der Fahrt zum Río Yacuma fallen die vielen Vögel auf und wir sehen sogar zwei Faultiere in den Bäumen.
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Die Gegend rund um den Fluss ist kein Nationalpark, da schon in kurzer Entfernung dahinter privates Landeigentum beginnt. Trotzdem lässt sich die Gemeinde Santa Rosa nicht lumpen und nimmt 150 Bolivianos Eintritt pro Person. Bleibt zu hoffen, dass dieses Geld wenigstens für die Erhaltung des Landstreifens rund um den Fluss eingesetzt wird.

Wie schon erwähnt, die Ausflüge in die Pampas sind weit touristischer als die in den Dschungel. Dies zeigt sich besonders deutlich, als wir an der Bootsanlegestelle ankommen.
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Die Verspätung, die wir durch das Warten auf den Flug aus La Paz haben, macht sich nun sogar positiv bemerkbar. Die meisten Boote sind schon abgefahren und wir können in aller Ruhe die nächsten Stunden auf dem Fluss verbringen, ohne etliche andere Gruppen um uns herum.

Am häufigsten zu sehen sind Kaimane und Schildkröten.
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Dicht gefolgt von Capybaras, Wasserschweinen, die größten Nagetiere der Welt.
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Teilweise auch mit Nachwuchs.
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Unter den Vögeln sicherlich am auffälligsten ist der Hoatzin, auch Schopfhuhn oder Stinkvogel genannt, mit seiner Punkfrisur. Seine Verwandtschaft ist noch immer völlig ungeklärt, so dass er meist einer eigenen Familie zugeordnet wird.
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Im Gegensatz zum Dschungel kann man hier auch Fotos von Totenkopfäffchen machen.
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Das liegt aber nur daran, dass diese früher von den Führern mit Futter angelockt wurden und sich so an den Menschen gewöhnt haben, sehr sogar.
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Irgendwann sind wir trotz aller Tierbeobachtung in der Lodge. Abends gehen wir im Dunkeln erneut auf Tiersuche. Wie schon im Dschungel haben wir kein Glück und die Jaguare, Tapire, Ameisenbären und Dachse, die man theoretisch hätte sehen können, zeigen sich nicht.

Der kommende Vormittag steht im Zeichen der Anakondajagd. Vier Stunden laufen wir durch hüfthohes Gras auf der Suche nach einer Schlange. Im Gegensatz zu uns haben die meisten andern Reisenden, mit denen wir uns unterhalten Glück und finden ein bis zwei Schlangen, allerdings kleine bis maximal eineinhalb Meter Länge. Vielleicht liegt es an unserem Ergeiz, ein zwölf Meter langes und 600 Kilogramm schweres Exemplar zu finden, dass wir letzten Endes leer ausgehen. Nur einige tote Exemplare haben wir aufzuweisen.
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Der Nachmittag ist nur unwesentlich erfolgreicher. Wir möchten die rosa Flussdelphine beobachten. Das gelingt in so fern, als das gelegentlich ein kleines Stück Rücken aus dem Wasser auftaucht. Der Führer erklärt uns, dass die Delphine in der Regenzeit, wenn das Wasser höher ist, viel aktiver und verspielter sind und manchmal auch ans Boot kommen. Wir müssen die Tour also in der Regenzeit nochmals wiederholen.

Am nächsten Morgen werden wir um halb sieben von einem Brüllaffen, der sich in einem Baum direkt vor unserem Schlafzimmer niedergelassen hat geweckt. Nach dem Frühstück geht unserer Führer, dessen Ehre gekränkt ist, weil er keine Anakonda gefunden hat, erneut mit uns für eineinhalb Stunden auf Suche. Wir sehen fischende Störche und Löffler, aber wieder keine Schlange.
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Um wenigstens ein Erfolgserlebnis zu haben, gehen wir noch Piranhas fischen. Ein Haken mit einem Stück Fleisch in den Fluss geworfen und innerhalb von Sekunden reißen sich die Fische darum. Nur leider ist es wesentlich schwieriger die Viecher auch an den Haken zu bekommen. Meist zieht man diesen ohne den Köder und ohne Fisch wieder aus dem Wasser. Daggi fängt immerhin zwei Sardinen, die offenbar auch Fleisch fressen. Wir verfüttern gefühlte zwei Kilo Fleisch an die Fische und gehen leer aus. Damit wir wenigstens mal einen zu sehen bekommen, zeigt uns der Führer wie es richtig geht.
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Die Rückfahrt mit dem Jeep die Holperpiste entlang nach Rurrenabaque zieht sich. Wir sind froh als wir nach drei Stunden völlig eingestaubt ankommen und entscheiden uns, noch zwei Tage zu bleiben, um zu entspannen und am Blog zu arbeiten.

Eingestellt von Daggi.Oli 16:23 Archiviert in Bolivien Tagged round_the_world Kommentare (2)

Der Choro Trail

Von La Cumbre nach Coroico

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Der „Choro“ Weg geht auf die Inkas zurück, die ihn angelegt haben, um aus dem subtropischen Coroico Obst und Gemüse in die Hochebene von La Paz zu transportieren. Auf großen Teilen des Weges ist noch heute die originale Pflasterung gut erhalten, was zwar historisch interessant ist, den Weg aber nicht unbedingt leichter zu gehen macht.

Der Pfad überwindet etliche Höhenmeter, die wir lieber bergab laufen, also von La Paz nach Coroico. Die Ausgangsstelle, La Cumbre, ist in rund dreißig Minuten von La Paz aus mit dem Bus zu erreichen. Gegen kurz nach sieben Uhr kommen wir an und es bietet sich ein fantastisches Panorama auf die umliegenden Gipfel.
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Zunächst müssen noch ein paar Höhenmeter bergauf zurückgelegt werden bis zum Apacheta Chucura Pass auf 4860 Metern, die höchste Stelle der Wanderung. Trotz Karte und Wegbeschreibung ist es anfangs nicht leicht, den richtigen Weg zu finden und zum Glück begegnen wir, nachdem wir schon rund 20 Minuten sehr misstrauisch dem Pfad gefolgt waren, einem deutsch-holländischen Paar, das schon seit fünf Tagen unterwegs ist. Da sie uns entgegen kommen, wissen sie, dass der Weg, auf dem wir uns befinden, sicher nicht auf den Pass führt. 20 Minuten später sind wir wieder an der Abzweigung, die wir falsch genommen haben und folgen nun dem richtigen Weg gemeinsam.

Von oben ist die Strecke ins Tal deutlich zu erkennen und weitere Fehler sind so gut wie ausgeschlossen.
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Am ersten Tag kommen wir mit Verlaufen, circa einer Stunde Pause und recht gemütlichem Tempo innerhalb von neun Stunden bis nach Challapampa auf 3200 Metern, überwinden also gute 1600 Meter Differenz. In Challapampa, das nur aus zwei Häusern besteht, schlagen wir zum ersten Mal unser in Arequipa erworbenes Zelt auf.

Relativ spät am zweiten Tag, um neun Uhr, machen wir uns wieder auf den Weg. Wir würden es gerne bis nach Sandillani schaffen, wo sich der in den 40er Jahren nach Bolivien eingewanderte, mittlerweile um die 80-jährige Japaner Tamiji Hanamura niedergelassen hat. Während der Überfahrt auf einem hoffnungslos überfüllten Boot ist seine ganze Familie ums Leben gekommen. Er erlaubt Wanderern in seinem japanischen Garten zu kampieren. Durch unseren späten Aufbruch kommen wir leider nur bis nach Bella Vista, etwa eine Wegstunde vor dem Haus von Tamiji Hanamura. Trotzdem sind es weitere 1200 Höhenmeter Differenz, die wir ins Tal laufen. Innerhalb dieses Tages ändern sich das Klima und die Vegetation erheblich.
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Bella Vista ist leider bei weitem nicht so schön wie ein japanischer Garten, aber da wir einigermaßen geschafft um viertel vor sechs dort ankommen, entscheiden wir, unser Zelt vorsichtig auf der mit Hundekot verzierten Wiese aufzubauen.

Der dritte und letzte Tag führt nochmals 700 Höhenmeter ins Tal hinab nach Chairo. Die meisten Wanderer gehen die letzte Etappe bis nach Coroico nicht mehr, da der Weg hauptsächlich an befahrenen Straßen entlangführt und nicht so reizvoll ist wie die anderen Abschnitte. Unser Plan ist es, etwa eine Stunde weiter ins nächste Dorf zu laufen und dort einen Bus nach Yolosa oder, wenn wir ganz viel Glück haben, sogar bis nach La Paz zu nehmen. In Chairo gibt es zwar auch Transportmöglichkeiten, die werden jedoch monopolartig von einem Bruderpaar dominiert, die unverschämte Preise nehmen. Auf halber Wegstrecke werden wir von einem Führer angesprochen, der mit einem amerikanischen Pärchen unterwegs ist. Er bietet uns an, für 40 Bolivianos mit ihnen nach Yolosa zu fahren, was wir annehmen. Da die Amis noch am selben Tag einen Bus nach Copacabana nehmen möchten und rechtzeitig zurück nach La Paz müssen, rasen wir in fast der Hälfte der angegebenen Zeit nach Chairo, wo wir um kurz nach zwölf ankommen und sofort nach Yolosa gefahren werden. Wir freuen uns schon, schnell nach La Paz zurückzukommen und werden enttäuscht. Wegen eines Festes (falls noch nicht erwähnt, die ewige Feierei hier geht uns langsam auf die Nerven) sind sämtliche Minibusfahrer betrunken und fahren nicht, heißt also es gibt nur wenige Busse, die allesamt schon voll sind. Da die Fahrt annähernd zweieinhalb Stunden dauert, ist ein Taxi auch nicht ganz günstig. Den Amis ist ihre Fahrt nach Copacabana allerdings so wichtig, dass sie sich bereit erklären, den Großteil zu übernehmen. Unsere Alternative ist einige Stunden in der Sonne zu warten und so entscheiden wir, etwas mehr Geld für die Rückfahrt auszugeben, um noch Zeit in La Paz zu haben. Als das Taxi dort ankommt, erleben wir die nächste Überraschung. Der Fahrer hält irgendwo im nördlichen La Paz, sagt dies sei seine Station, weiter fahre er nicht. Wir alle hatten natürlich angenommen, er würde bis zum Busbahnhof fahren. So wird es leider mit der Fahrt nach Copacabana ziemlich eng.

Wir haben einen etwas entspannteren Zeitplan und bleiben zwei weitere Tage, um den Blog auf einen aktuelleren Stand zu bekommen. Anschließend geht es mit dem Flugzeug in den Dschungel von Bolivien.

Eingestellt von Daggi.Oli 21:46 Archiviert in Bolivien Tagged round_the_world Kommentare (0)

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