Reise blog von Travellerspoint

Ecuador

Osterprozessionen in Quito

sunny 30 °C
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Die vergangene "Arbeitswoche" war etwas kürzer, da der Karfreitag einer der wichtigsten Feiertage ist und wir somit auch keinen Unterricht hatten. Für uns überraschend ist der Ostermontag aber wieder ein normaler Arbeitstag.

Bereits in der Karwoche, der Semana Santa, bieten so gut wie alle Restaurants Fanesca an. Eine fleischlose Suppe aus zwölf verschiedenen Getreidekörnern, Ei, Käse und getrocknetem Kabeljau. In ecuadorianischen Familien gibt es diese aufwendig zuzubereitende Suppe üblicherweise am Karfreitag. Wir probieren sie bereits am Mittwoch und befinden sie für gut.

Das eigentliche Highlight des Karfreitag sind jedoch die Prozessionen durch die Altstadt.

Quito_Oste..zession.jpg

Hier zeigt sich besonders, dass die Religiosität der Menschen in Lateinamerika noch eine andere Dimension hat als bei uns. Es geht darum, den Leidensweg Christi darzustellen. Viele Menschen tragen extrem schwere Holzkreuze den gesamten Weg der Prozession,

Quito_Oste..aeger01.jpg

andere binden sich Brennnessel oder Kakteen an den nackten Oberkörper,

Quito_Ostern_Kaktus.jpg

oder umwickeln sich mit Stacheldraht.

Quito_Oste..eldraht.jpg

Zusätzlich laufen sie auf dem kochend heissen Asphalt barfuss. Ausgerechnet an diesem Tag brennt die Sonne vom Himmel. Diese Selbstkastaiungen wirken auf uns ein wenig erschreckend. Für die Quiteños sind die Prozessionen ein Ereignis. Die gesamte Stadt ist auf den Beinen, in den Strassen ist kaum ein durchkommen.

Quito_Ostern_Menge.jpg

Am späten Nachmittag jedoch geht alles dem Ende entgegen und ein plötzlicher tropischer Weltuntergangsplatzregen vertreibt die letzten verbliebenen.

Eingestellt von Daggi.Oli 13:59 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world Kommentare (2)

Mindo - Idyll im Nebelwald

sunny 25 °C
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Wie schon an den Wochenenden zuvor entfliehen wir wieder einmal dem Lärm Quitos bzw. unseren permanent feiernden oder über Beschallungsanlagen Computer spielenden Nachbarn (ausser uns wohnen hier hauptsächlich ecuadorianische Studenten, die entsprechend ausgestattet sind).

Das wunderschön im Nebelwald gelegene Städtchen Mindo ist von Quito aus leicht und schnell zu erreichen. Ab dem Terminal Ofelia benötigt der Bus rund 2 Stunden und fährt dabei durch eine fantastische Berglandschaft. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, gegen 18 Uhr, steigen wir am Freitag in Mindo aus dem Bus und zum ersten Mal, seit wir Deutschland verlassen haben, stellt sich das Gefühl ein, endlich dort angekommen zu sein, wo wir eigentlich hin wollten. Die Luft ist feucht-schwül und erfüllt von den Geräuschen des Nebelwalds. Vogelgezwitscher und das Zirpen der Zikanden empfangen uns.

Mindo ist ein freundliches, kleines Nest mit einer gepflasterten Hauptstrasse und wenigen weiteren Sandwegen. Wir kommen in der Casa de Cecilia unter, in einem am Fluss gelegenen, hübschen Holzhaus. Am Abend gönnen wir uns eine Pizza, was nach zweieinhalb Wochen Huhn, Bohnen, Reis und weiteren gebackenen, panierten und fritierten Teilen richtig gut tut. Mindo ist vor allem wegen des Artenreichtums an Tieren und Pflanzen sehenswert. Also gehen wir die kommenden zwei Tage wandern.

Nach einem Frühstück auf der Terasse mit Flussblick und Kolibiris, die immer wieder mal vorbeischwirren, brechen wir in Richtung Wald auf. Kurz vor dem Dorfende nehmen wir uns noch einen Fremdenführerhund mit.

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Oder besser gesagt, der Hund sucht sich uns aus, um mit uns spazieren zu gehen. Auf einmal läuft er vor uns her und tut, as gehöre er dazu. Obwohl wir insgesamt sieben Stunden unterwegs sind und uns dabei ziemlich vom Dorf entfernen, weicht der Hund den ganzen Tag nicht mehr von unserer Seite.

Die Wanderung geht zunächst auf breiten Wegen den Berg hoch durch den Wald. Unzählige Vogel sind zu hören, nur blicken lässt sich keiner. Das aufregendste, was uns begegnet, sind Schmetterlinge. Der Weg bergauf wird anschliessend mit einer schönen Aussicht belohnt.

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Nach einiger Zeit kommen wir an ein offenes Tor mit einem Schild, das darum bittet, um Erlaubnis zu fragen, bzw. dafür zu bezahlen, das dahinter liegende Gebiet zu betreten. Wir gehen weiter und fragen ein paar Männer, die in der Nähe dabei sind, mit Macheten einen Hang zu roden. Sie meinen eigentlich würde es 5$ kosten, aber da niemand da sei, sollten wir einfach weiter gehen. Hier wären alle ziemlich tranquilo.

Innerhalb des privaten Geländes wird der Weg eher so, wie man ihn aus ähnlichen Gegenden kennt. Schmaler uns sehr schlammig. Wir gehen mit unserem Hund, der unterwegs fast noch von einer Brücke fällt, weiter bis zu einem Wasserfall namens Esperanza.

Auf dem Rückweg, in der langsam einsetzenden Dämmerung, gelingt es uns sogar, einige der Verursacher der geheimnisvollen Geräusche aus den Baumkronen zu endecken. Ein paar Tucane fliehen vor uns von Baum zu Baum. Auch ein paar Papageien lassen sich noch blicken. Wieder zurück im Dorf verlässt uns unser Hund ohne ein einziges Wort des Abschieds. Wahrscheinlich hat ihn das Erlebnis an der Brücke schockiert. Wir trösten uns mit Pizza.

Am nächsten Tag gehen wir nochmals für rund vier Stunden los, bevor wir nach Quito zurück fahren. Diesmal müssen wir ohne Führer auskommen. Auch andere Tiere lassen sich kaum sehen. Dafür gibt es auf diesem Weg zahme Schmetterlinge, die gerne für Fotos posieren.

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Sie lassen mich mit der Kamera sogar bis auf rund einen Zentimeter Abstand an ihr Gesicht

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Mit diesen Eindrücken geht es zurück nach Quito, wo weitere zwei Wochen Spanischunterricht auf uns warten.

Eingestellt von Daggi.Oli 13:12 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world Kommentare (0)

Quito...

semi-overcast 15 °C
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... auf 2850 m Hoehe gelegen eine der hoechsten Hauptstaedte. Leider ist es mit Quito, wie mit den meisten lateinamerikanischen Staedten. Spaetestens nach drei Tagen ueberkommt einen die Sehnsucht nach frischer Luft und unendlich viel Ruhe. Jeder der rund 1,4 Millionen Einwohner scheint sein Bestes zu tun, um genau das zu verhindern. Es ist laut, an jeder Ecke blasen die Busse schwarze Abgaswolken in die Luft und hupen dabei bekraeftigend.

Aus der Ferne allerdings sieht Quito recht eindrucksvoll aus:
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Manche Teile auch aus der Naehe, wenn gerade kein Bus vorbeikommt:
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Mittlerweile sind wir seit rund zwei Wochen in der Stadt. Nach den ersten vier Tagen im Hostel L´Auberge Inn sind wir zeitgleich mit dem Beginn unseres vierwoechigen Spanischkurses bei Yadi eingezogen, einer ecuadorianischen Lehrerin. Francesca, ihre fast dreijaehrige Tochter, ist uns gegenueber ein wenig misstrauisch und versteckt sich immer - von Reden ganz zu schweigen.

Aus Kostengruenden haben wir nur vier Naechte, von Montag bis Freitag, bei den beiden gebucht. In dieser Zeit koennen wir das Eis ein wenig brechen und lernen von Francesca am letzten Tag noch ein paar spanische Vokabeln wie boca und dedo.

Den Rest muessen wir uns in der Schule aneignen, jeden Tag von 8.30 bis 12.30 quaelen wir uns durch unregelmaessige Verben und versuchen muehsam eigene Saetze zu stammeln. Die erste Woche haben wir noch gemeinsam Unterricht, die naechsten drei Wochen nehmen wir Einzelunterricht. Das macht die Sache nur unwesentlich teurer, dafuer aber fuer jeden von uns umso intensiver.

Mitad del Mundo

Die Tage unter der Woche sind also recht eintoenig: Schule, Mittagessen, Lernen, Abendessen, Lernen, Schlafen. Viel mehr steht nicht auf dem Programm. Klar, dass wir an den Wochenenden versuchen, Quito zu entfliehen. Gleich nach unserer Ankunft waren wir am "Mitad del Mundo", der Mitte der Erde. Dort gibt es ein ganz nettes Museum, Inti-Ñan, wo man wissenswertes ueber die indigene Kultur lernen kann, beispielsweise wie Schrumpfkoepfe hergestellt werden. Ausserdem kann man feststellen, dass unsere Physiklehrer nicht gelogen haben. Wasser in einem Becken fliest auf der Nordhalbkugel tatsaechlich in entgegengesetzter Richtung ab, als auf der Suedhalbkugel. Wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Ausserdem ist es direkt auf dem Aequator moeglich, ein rohes Ei auf einem Nagel zu balancieren.

Papallacta

Ein weiterer netter Ausflug: die Thermen von Papallacta. Von Quito aus faehrt man (je nach Busfahrer) zwischen 2,5 und 3,5 Stunden. Unterwegs ueberquert man einen 4100 m hohen Kordillerenkamm. Die Thermen selbst liegen auf 3300 m Hoehe. In die Landschaft integriert finden sich dann Pools verschiedener Temperaturen, von eiskalt bis bruehheiss. Wenn das Wetter mitspielt, sieht man einen rund 6000 m hohen Vulkan, waehrend man im Wasser doest. Als wir da waren war es bewoelkt und hat mit Unterbrechungen den ganzen Tag geregnet.

Rucu Pichincha

Auch geregnet hat es, als wir den Hausberg von Quito besucht haben. Aus der Stadt bringt einen eine Seilbahn zunaechst auf knapp ueber 4000 m. Beeindruckend ist die Vegetation auf dieser Hoehe. Wo bei uns nur noch Steine und Felsen zu sehen sind, ist hier alles gruen, voller Graeser und Pflanzen. Oben angekommen hat man einen tollen Blick auf Quito. In ca. 2-3 Stunden kann man dann auf den Gipfel gehen. Nachdem wir aber nach ca. 2 Sunden Wanderung mitten in dichten Wolken im Regen stehen, entscheiden wir uns umzukehren.

Inzwischen sind wir auch in unser eigenes "Zuhause" gezogen. Im Casa Oriente vermietet Pedro, der entspannteste Mensch der Welt, kleine "Apartments". Unseres besteht aus einer Kueche, in die ein Bad eingezogen ist und einem Schlafzimmer. Das ganze koennte etwas mehr Licht vertragen und ein wenig gemuetlicher sein. Es ist aber unschlagbar guenstig. Hier werden wir also drei Wochen bis zur Abfahrt aus Quito wohnen.

1003_Quito_apartment.jpg1003_Quito_backyard.jpg

Eingestellt von Daggi.Oli 16:36 Archiviert in Ecuador Tagged round_the_world Kommentare (1)

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