Reise blog von Travellerspoint

Deutschland

Der Auszug

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Das Arbeitsamt ist überstanden, jetzt muss also nur noch die gesamte Wohnung zerlegt und in Kisten gepackt werden. Wie bei jedem Umzug: schreckliche Vorstellung. Bewaffnet mit Umzugskisten, Luftpolsterfolie, Klebeband, Zeitungen und diversen Füll- und Polstermaterialien geht es ans Werk.

Eine Spedition ist bestellt, ein Container für die Einlagerung der Wohnung gemietet. Durch einen festen Termin zur Abholung der Möbel gelingt es, den Druck auf uns so zu steigern, dass wir gar nicht anders können als zu packen. So gründlich haben wir noch für keinen Umzug gearbeitet. Um die Motten nicht in unseren Container einzuladen, läuft die nächsten Tage die Waschmaschine kontinuierlich durch. Alle sensiblen Teile werden mit Luftpolsterfolie umwickelt, für unsere Leinwandbilder haben wir von der Spedition extra noch eine mit Vlieskaschierung organisiert. Nach einigen Tagen sieht es dann in unserer ehemals schönen Wohnung so aus:

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Und dennoch, als dann die Möbelpacker da sind und wir stolz unser Werk präsentieren, bekommen wir zu hören: "Ist es Absicht, dass die Möbel gar nicht verpackt sind?" Wir hätten, wie wir erfahren, jedes Teil, selbst jedes Tischbein, in Folie einpacken sollen. Haben wir leider nicht und ändern können wir es jetzt auch nicht mehr. Immerhin können wir noch organisieren, dass im Container ein paar Decken zwischen die Möbel kommen.

Die nächste Überraschung ist die Frage der Möbelpacker nach einer Packgutliste. Soll heißen, nicht nur jedes Teil einzeln verpacken, sondern auch jedes Teil einzeln auflisten und alles durchzählen. Haben wir natürlich auch nicht. Alles, was wir wissen, ist, dass wir 57 Kartons zum Abtransport haben. Die Einzelteile unserer Einrichtung haben wir weder aufgelistet noch gezählt. Das hat zur Folge, dass wir, während die Möbelpacker ein Stück nach dem anderen über den Möbellift nach unten transportieren, daneben stehen und eine Strichliste anfertigen. Ca. drei Stunden später unterzeichnen wir für insgesamt 245 Teile und nun sieht es wirklich traurig aus in unserer Wohnung:

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Leider müssen wir noch bleiben und Wände etwas weißer färben als sie es momentan sind.

Eingestellt von Daggi.Oli 18:50 Archiviert in Deutschland Tagged round_the_world Kommentare (1)

Arbeitsamt

overcast -6 °C

Der erste Besuch

Also, nach der Kündigung ab zum Arbeitsamt, um mich arbeitssuchend und arbeitslos zu melden. In letzter Sekunde habe ich noch daran gedacht, meine aktuelle Meldebescheinigung mitzunehmen, die ich, wie ich mir dachte, als Inhaber der österreichischen Staatsbürgerschaft sicher brauchen würde. Außerdem mit dabei die Kündigung und die unbefristete Aufenthaltserlaubnis.

Beim Empfang im Arbeitsamt zunächst Verwirrung. Sie haben zwar einen FH Abschluss, sollten also eigentlich vom Hochschulteam betreut werden, aber Sie arbeiten ja in der Film- / Fernsehbranche. Die wird wiederum nicht vom Hochschulteam betreut, sondern von den regulären Beratern.

Die Freizügigkeitsbescheinigung

Nächste Schwierigkeit: Ich bin nicht im Besitz einer Freizügigkeitsbescheinigung. Die würde seit 1.11. zwingend benötigt. Die Aufenthaltserlaubnis sei nicht ausreichend. Dennoch komme ich zu einer Sachbearbeiterin durch, die den Fall aufnimmt und mir erklärt, die Freizügigkeitsbescheinigung gäbe es ausschließlich bei der Ausländerbehörde.
Frühere Besuche dieser Behörde drängen sich unverzüglich ins Gedächtnis, kalter Angstschweiß bricht aus. Ich stelle mich auf einen Tag des Wartens in mit grünem Linoleum ausgekleideten Räumen ein, in denen es keine automatischen Ausrufanlagen gibt, sondern nur Streit, wer der nächste sein könnte.

Ich soll in der kommenden Woche, diesmal mit Freizügigkeitsbescheinigung, wieder zum Arbeitsamt kommen. Auf die Mitteilung, dass ich noch arbeite und leider in der kommenden Woche auf einer Dienstreise bin, reagiert die Sachbearbeiterin verblüfft, war dann aber so nett, die Frist bis zum darauf folgenden Mittwoch, den 23.12., zu verlängern. Außerdem deutet sie an, dass sie sich nicht sicher sei, ob, angesichts meiner Pläne nach nur zehn Tagen Arbeitslosigkeit das Land zu verlassen, die Arbeitslosenmeldung genehmigt werden könnte.

Wieder draußen, rufe ich bei der Ausländerbehörde an und rede mit einem freundlichen Mitarbeiter, der meint, meine Aufenthaltserlaubnis sollte vollkommen ausreichend sein. Es wäre völlig undenkbar zehntausenden von Ausländern jetzt auf einmal neue Freizügigkeitsbescheinigungen auszustellen, da käme ja keiner mehr hinterher.

Also wieder zurück zum Arbeitsamt, nochmal die Aufenthaltsgenehmigung gezeigt, den Herrn der Ausländerbehörde zitiert. Leider zeigen sich die Mitarbeiter unerbittlich. Das sei eine neue Auflage, die müsse schon erfüllt werden, auch wenn eigentlich niemand - nicht einmal das Arbeitsamt selbst - weiß wofür sie notwendig sei.

Gut. Die Internetseite der Stadt Berlin gibt an, dass es Freizügigkeitsbescheinigungen doch bei den Bürgerämtern gibt. Das klingt nach einer guten Nachricht. Um auch wirklich ganz sicher zu sein, schreibe ich noch eine Mail an die Ausländerbehörde. Die Antwort ist höchst erfreutlich: "Bitte senden Sie per Mail eine Kopie ihres Passes. Dann kann ich Ihnen die Freizügigkeitsbescheinigung mit der Post zusenden."

Zweiter Anlauf

Alle Unterlagen in der Tasche spreche ich wieder beim Arbeitsamt vor. Am Empfang erwähne ich, dass ich das letzte Mal nicht zum Hochschulteam geschickt wurde, da ich ja in der Film- / Fernsehbranche tätig bin. Mein Gegenüber zeigt sich irritiert. Nach kurzem Nachdenken meint er dann: "Ist mir egal, was mein Kollege gemacht hat. Ich schicke Sie jetzt zum Hochschulteam".
Ab jetzt läuft alles überraschend einfach. Beim Hochschulteam angekommen gebe ich brav alle Unterlagen ab und teile jedem mit, dass ich ab Mitte März für längere Zeit im Ausland sein werde. Im Gegensatz zum ersten Besuch, wird diese Information nur noch unkommentiert zur Kenntnis genommen. Nun bin ich also immerhin schon mal arbeitslos und arbeitssuchend im System erfasst.

Es fehlen noch zwei Termine: einer bei der Berufsberatung, bei dem es darum geht, mir einen neuen Job zu vermitteln und ein weiterer, um die Anspruchshöhe zu klären. Natürlich sind noch weitere Unterlagen zu organisieren und auszufüllen. Der Termin für die Berufsberatung ist Anfang Februar der erste und dauert ganze 15 Minuten. Der Berater sieht im System, dass ich sowieso ins Ausland gehen werde und meint dann müssen wir ja jetzt kein langes Gespräch führen und erklärt mir noch ein paar für mich wichtige Details:
Ab März habe ich den Status der Arbeitslosigkeit und die Sperrfrist von 12 Wochen, die ich wegen der Eigenkündigung bekomme, läuft. Am 10.3.2010 werde ich automatisch wieder abgemeldet, da ich an diesem Tag Deutschland verlassen werde. Es ist kein weiteres Zutun von mir mehr erforderlich.

Einen Tag später folgt noch der Termin, bei dem es um die Anspruchshöhe geht. Auch hier läuft alles sehr glatt, die Mitarbeiter sind freundlich und man fühlt sich gut betreut. Die Aussagen des Vortags werden nochmals bestätigt. Der Fall ist erledigt. Die Sperrfrist läuft im Mai 2010 ab und ich habe einen ruhenden Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Der Anspruch kann bis zu vier Jahre ruhen und wieder aufgenommen werden. Somit ist also für die Zeit der Rückkehr erst einmal eine gewisse Sicherheit gegeben.

Dieser Punkt kann also abgehakt werden. Erleichtert widmen wir uns jetzt der Aufgabe, den kompletten Inhalt unserer Wohnung in Kisten zu verpacken, um ihn in einen 30 Kubikmeter Container zu verstauen.

Eingestellt von Daggi.Oli 10:22 Archiviert in Deutschland Tagged round_the_world Kommentare (1)

Unsere Route

Der lange Weg zur Reise

semi-overcast 2 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Rückblick:

Mai 2009
„Wünsch dir was" - so fing es ganz am Anfang an. Sämtliche Geos, Reiseberichte und unsere Reisewunschliste wurden gewälzt, studiert und recherchiert, das Auswärtige Amt befragt und jede Sekunde kam ein neues Reiseziel dazu. Die Liste wurde lang, zu lang: Kuba mit Sprachkurs, Südamerika, Australien, Papua Neuginea, entfernte Südsee-Paradiese und Trekking zwischen den Achtausendern in Nepal ...

Ja, natürlich liest man überall die gut gemeinten Ratschläge, nicht zu viele Länder in so eine Reise rein zu packen, alles ruhig angehen zu lassen, und so weiter... Dennoch, wir wollen die ganze Welt sehen!

Juli 2009
Die erste ernst gemeinte Anfrage geht an diverse Anbieter raus. Übrig blieben noch Südamerika, Australien, Samoa, Philippinen, Borneo und Singapur. Immer noch ein wenig viel - was sich auch auf den Preis der angebotenen Tickets niederschlug.

September 2009
Samoa und die Philippinen fliegen auch noch raus.

Oktober 2010
Etliche Mails mit Reisebüros später buchen wir die (momentan) endgültige Route und nehmen sogar wieder ein weiteres Ziel mit in die Route auf. Für £35 Flughafengebühren mehr pro Person kommen wir von Chile auf die Osterinsel und wieder zurück, da der Flug in unser RTW Ticket integriert werden kann. Da konnten wir nicht nein sagen. Das ist nun also der Reiseplan ab März 2010:
London - Quito (Ecuador) - Bogota (Kolumbien) - Lima (Peru) - Santiago (Chile) - Osterinsel - Santiago (Chile) - Buenos Aires (Argentinien) - Sydney (Australien) - Singapur - Kuching (Borneo) - Hong Kong - London.

Eingestellt von Daggi.Oli 11:50 Archiviert in Deutschland Tagged round_the_world Kommentare (0)

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