Reise blog von Travellerspoint

Einträge over birma

Bagan – Die Stadt der tausend Pagoden

sunny 28 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Im Jahr 1044 hat es begonnen. König Anaw-ratha übernahm mit Gewalt das Zepter, führte den Therawada-Buddhismus ein und gab den Bau des ersten Tempels in Auftrag. In den darauffolgenden 200 Jahren herrschte ein unvergleichlicher Baurausch und Bagan entwickelte sich zu einer der größten Städte des damaligen Asiens.

Von geschätzten rund 12.000 Tempelanlagen und Pagoden sind heute noch über 2000 auf vergleichsweise kleinem Raum zu sehen, weshalb Bagan häufig in einem Satz zusammen mit Angkor Wat genannt wird. Die einzelnen, sehr schön restaurierten Anlangen von Angkor Wat sind zwar wegen ihrer unglaublichen Steinmetzarbeiten beeindruckender, aber sie sind über eine weite Fläche verstreut. Die Faszination Bagans liegt in der Dichte der Bebauung. Klettert man auf eine der Tempelanlage hinauf, eröffnet sich eine unvergleichliche Landschaft, in der sich Stupa an Stupa reiht soweit das Auge blickt.
P1080964.jpg
Am ersten Tag lassen wir uns mit dem Pferdekarren herumkutschieren, fühlen uns dabei jedoch recht unwohl. Irgendwie passt das nicht zu uns. Wir hatten uns nur dafür entschieden, weil wir dachten, auf diese Weise mehr von den Anlagen sehen zu können, was aber nicht unbedingt der Fall war.

Für uns die schönste Art, die Gegend auf uns wirken zu lassen, ist mit dem Fahrrad. Wir leihen uns zwei der allesamt quietschenden und schwergängigen Exemplare und fahren den ganzen Tag von Tempel zu Tempel.
DSC01339.jpgP1080829.jpgP1080957_web.jpgP1080839.jpg
Wo Tempel sind, sind natürlich auch Buddhastatuen, manche größer, manche kleiner, manche genauso alt wie die Anlage selbst, oft aber auch neueren Datums. Häufig muss man sich beim Rundgang in den Pagoden an Gruppen Gläubiger vorbeidrücken, denen das jedoch nichts auszumachen scheint.
DSC01289_web.jpg
270_DSC01247_web.jpgDSC01264.jpgDSC01345.jpg
Es ist überhaupt schön, wie unverkrampft Buddhisten im allgemeinen mit ihren heiligen Stätten umgehen. Die Statuen werden angefasst, es darf gelacht werden, alles scheint sehr ungezwungen. Unser Besuch der Nationalmoschee in Kuala Lumpur kommt uns unwillkürlich in den Kopf. Sie darf nur von Moslems betreten werden, Frauen natürlich nur mit Kopftuch. Die Geschlechter haben getrennte Bereiche, damit, wie uns ein Freiwilliger erklärt hatte, die Männer durch den Anblick der beim Beten hockenden Frauen nicht auf unzüchtige Gedanken kommen. So hatten wir ihn jedenfalls verstanden. Wir hoffen, es war ein Verständigungsproblem, fühlen uns aber dennoch bei den Buddhisten deutlich wohler.

Am Ende jedes Tages in Bagan versucht jeder einen schönen Platz für den Sonnenuntergang und das beste Foto zu finden. Und jetzt sind wir doch froh über unseren Pferdekarren. Unser Fahrer kennt einen Tempel mit traumhafter Aussicht, der nicht von Besuchern überrannt wird, wie die in den Reiseführern empfohlenen Plätze. Was das bedeutet erfahren wir am zweiten Abend, als, während wir oben warten, insgesamt acht voll besetzte Reise- und unzählige Kleinbusse vorfahren. So aber genießen wir zumindest am ersten Tag das Schauspiel in angenehm ruhiger Atmosphäre.
large_P1080874.jpg

Eingestellt von Daggi.Oli 11:14 Archiviert in Myanmar Tagged bagan myanmar tempel stupa round_the_world birma pagoden Kommentare (5)

Der erste Kontakt mit Staat und Leuten in Yangon (Rangun)

sunny 28 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Obwohl die Militärregierung im Jahr 2005 Naypyidaw zur Hauptstadt erklärt hat, bleibt Yangon das Zentrum des Landes. Sofern vorhanden, finden sich ausländische Vertretungen hier und Firmen legen ihren Hauptsitz eher nach Yangon als nach Naypyidaw. Auch alle Touristen kommen momentan in der größten Stadt des Landes an, da wieder einmal sämtliche Grenzübergänge auf dem Landweg gesperrt sind.

Wir hatten in Kuala Lumpur bereits über Couchsurfing mit einem Burmesen Kontakt aufgenommen. Saya AG ist 50 Jahre alt und unterrichtet Englisch und Mathematik. Ausländer dürfen grundsätzlich nicht bei Einheimischen übernachten. Deshalb kann er uns, obwohl er ausreichend Platz hätte, „nur“ vom Flughafen abholen und uns die Stadt zeigen.

Noch während wir in der Schlange zur Einreise stehen, sehen wir ihn mit breitem Grinsen hinter der Glasabsperrung stehen, einen ausgedruckten Zettel in der Hand mit unserem Profilfoto aus Couchsurfing, unseren Namen und einem großem „Welcome to Myanmar“. Nachdem wir die Prozedur mit Stempeln und Fotos hinter uns gebracht haben, stehen wir ihm direkt gegenüber.
P1080745.jpg
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens, er trägt einen Rock, einen sogenannten Longyi. Eigentlich ist es nur ein Tuch, das um die Hüften gewickelt und verknotet wird. Kurz darauf bemerken wir, dass diese traditionelle Bekleidung der Männer von so gut wie jedem hier getragen wird. Nur die jungen, ganz hippen, sieht man manchmal in Jeans. Und zweitens, er kaut die ganze Zeit auf irgendetwas herum, was ihm die Zähne komplett rot verfärbt. Auch dieses Rätsel löst sich schnell. Er ist bei weitem nicht der einzige, der dem Laster frönt. Es handelt sich um eine in Blätter eingewickelte und mit Kalk bestäubte Betelnuss, die in der Backentasche langsam zerkaut wird.
DSC01663.jpg
Der austretende rote Saft ist verdauungsfördernd und tötet Darmparasiten. Allerdings wird er nicht geschluckt. In den vollen Straßen spucken die Burmesen – und nicht nur die Männer – nach Herzenslust ihren Saft auf den Boden, weshalb ein Spaziergang ein wenig einem Hindernislauf ähnelt. Leider wird nicht nur der Saft gespuckt. Die Burmesen teilen die Unsitte mit den Chinesen, dass immer wieder Schleim lautstark aus dem Rachenraum hochgezogen wird, mit dem dann das gleiche passiert wie mit dem Betelnusssaft.

Soviel also zu den etwas unangenehmen Eigenschaften dieses ansonsten überaus liebenswerten Volkes. Wir haben 2009 in Laos schon ähnliches erlebt, aber bei den Burmesen scheint die offene Freundlichkeit und Neugier gegenüber Fremden sogar noch etwas ausgeprägter zu sein. Unser Gastgeber AG, Saya steht übrigens für Lehrer, hat sich um alles gekümmert. Nachdem er telefonisch erfahren hat, dass in unserer Wunschunterkunft kein Zimmer mehr frei ist, organisiert er ein Taxi zu einer alternativen Bleibe, passt dabei auf, dass wir nicht zu viel bezahlen und führt uns am ersten Abend noch nach Chinatown, wo er sich sicher ist, dass wir das Essen gut vertragen.

Auch am folgenden Tag beim Geldwechsel, der eine kleine Wissenschaft ist, hilft uns AG. Es gibt staatliche Wechselstuben, privater Tausch ist eigentlich verboten und wird dennoch überall angeboten. Außerdem zu wesentlich besseren Kursen als beim Staat. Natürlich muss man ein wenig aufpassen, wenn man zum Beispiel auf dem Markt tauscht. Dort verschwindet schnell mal ein 50 Dollar-Schein. Deshalb nehmen wir einen geringfügig schlechteren Kurs in Kauf und tauschen bei einem äußerst professionellen privaten Anbieter mit Büro, Zählmaschinen und sogar Scheinen im Wert von 5000 Kyat (sprich: Tschat). Auf dem Markt erhält man meist nur Scheine zu 1000 Kyat, was angesichts der getauschten Summen, in unserem Fall zum Beispiel rund 600.000 Kyat, schnell zu riesigen Geldstapeln führt.

Interessant ist auch der Gegensatz zwischen den gebügelten Dollar-Scheinen, die ausschließlich akzeptiert werden und den Lappen der eigenen Währung, die im Land kursieren.
DSC01146.jpg
Der restliche Tag gibt schon in der Stadt einen Vorgeschmack auf das Land der tausend Pagoden. Besonders die riesige Shwedagon Pagode, der Legende nach 2500 Jahre alt, ist beeindruckend. Alles, was hier glänzt, ist wirklich Gold.
DSC01079.jpg
DSC01030_16zu9.jpg
DSC01114.jpgP1080799.jpg
P1080789.jpgDSC01091.jpg
Neben den Sehenswürdigkeiten führen wir einige interessante Gespräche. Es wird nie offene Kritik ausgesprochen, aber in Nebensätzen klingt zum Beispiel durch, dass sich der Internet-begeisterte AG mehr Möglichkeiten und weniger Restriktionen wünschen würde. Er erzählt, dass eine SIM-Karte für ein Mobiltelefon 500 Dollar kostet, eine Summe, die sich nur wenige regierungsnahe Burmesen leisten können.

Der 82-jährige Opa, der irgendwie zum Inventar unserer Unterkunft gehört, wird schon deutlicher, als er ganz offen in hervorragendem Englisch das jetzige Schulsystem kritisiert. Seine Generation hätte unter den Briten noch gutes Englisch gelernt, während die heutigen Schüler nichts mehr beigebracht bekämen. Um Tourismus und internationale Handelsbeziehungen zu fördern, wäre Englisch aber natürlich unerlässlich.

Man erlebt im Land eine Regierung, die vieles unternimmt, um ihre Bevölkerung unmündig zu halten. Kommunikationsmittel werden beschnitten oder nur wenigen zugänglich gemacht, das Bildungsniveau wird gesenkt. Unser Vorsatz, dem Staat während unserer Reise so wenig Geld wie möglich zukommen zu lassen, wird innerhalb kürzester Zeit also nur bestärkt. Ganz kann man es leider nicht vermeiden, manche Eintrittsgelder müssen gezahlt werden und vermutlich werden wir für eine Strecke, wenn auch zähneknirschend, den Zug nehmen. Zunächst geht es allerdings nach einem Tag Aufenthalt in Yangon mit dem Nachtbus nach Bagan.

Eingestellt von Daggi.Oli 00:37 Archiviert in Myanmar Tagged yangon myanmar round_the_world birma rangun Kommentare (2)

Erste und vermutlich letzte Meldung aus Birma

sunny 28 °C
View Die Reiseroute auf Daggi.Oli's Reise-Karte.

Endlich! Nach vielen Überlegungen, Planänderungen und planlosen Tagen sind wir wieder angekommen. Zum ersten Mal seit der Zeit in Südamerika spüren wir wieder den Nervenkitzel des Unbekannten. Fremde Sprache, fremde Schrift und unaussprechliche Namen wirken auf den ersten Blick vielleicht abschreckend, lassen das Reisen jedoch zu dem werden, wonach wir suchen und was den Reiz für uns ausmacht. Rückblickend hätten wir Australien gar nicht oder sehr viel kürzer besuchen sollen. Aber wie wir schon so oft auf dieser Reise feststellen mussten, hinterher ist man immer schlauer.

Die Burmesen sorgen bereits direkt nach unserer Ankunft dafür, dass wir uns sehr wohl fühlen. Sie sind ein außerordentlich hilfreiches, offenes und freundliches Volk. Überall lächelt und winkt man uns zu, Kinder rufen jedem Ausländer ein fröhliches „hello“ entgegen und ein kleiner Junge von vielleicht drei Jahren deutet mit dem Finger auf uns und verkündet, wie uns übersetzt wird, lauthals und freudestrahlend, dass hier Ausländer unterwegs seien. Kurz, man kann sich nur wohl fühlen.

Soviel nur zu unserer momentanen Gefühlslage. Wie schon angekündigt, sind die Internetverbindungen hier nicht die schnellsten. Deshalb werden wir uns aus Birma nicht mehr melden und die Berichte nachliefern, sobald wir das Land verlassen haben.

Ansonsten ist mittlerweile entschieden, dass aus zwölf Monaten Reisezeit nun 14 werden. Wir planen unsere Rückkehr nach Deutschland für Mitte Mai. Obwohl wir großen Respekt vor dem Wiedereinstieg haben, freuen wir uns auch auf ein Wiedersehen mit euch.

Eingestellt von Daggi.Oli 10:21 Archiviert in Myanmar Tagged bagan burma myanmar round_the_world birma Kommentare (6)

(Einträge 7 - 9 von 10) Vorher « Seite 1 2 [3] 4 » Nächste